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Da steht ein Pferd auf der Flur

Araber-Wallach "Zadkiel" ist schlauer als die Polizei erlaubt und büxt immer wieder aus seiner Koppel in Großschweidnitz aus - ungefährlich ist das nicht.

Stefanie Stiller mit Tochter Hera und ihrem Araber-Schimmel "Zadkiel" und Shetland-Pony "Bobby" auf ihrer Koppel in Großschweidnitz.
Stefanie Stiller mit Tochter Hera und ihrem Araber-Schimmel "Zadkiel" und Shetland-Pony "Bobby" auf ihrer Koppel in Großschweidnitz. © Markus van Appeldorn

Anrufe von der Polizei ist Stefanie Stiller schon gewohnt. Wenn die am Telefon ist, braucht's nicht viele Worte. Dann macht sich die Großschweidnitzerin rasch auf die zwei Minuten Fußweg zu ihrer Pferdekoppel am ehemaligen "Gasthaus Schwimmer". Denn dann ist ihr Araber-Schimmel "Zadkiel" mal wieder auf Abwegen. Die 37-Jährige weiß, dass so etwas auch mal böse ausgehen könnte.

Auf der großen Koppel hinter dem alten Gasthaus direkt an der viel befahrenen S148 hat Stefanie Stiller das kleine Glück für ihre Pferdeliebe gefunden. Seit drei Jahren grasen ihr Araber-Wallach "Zadkiel" und Shetland-Pony "Bobby" dort und galoppieren fröhlich über die Koppel. "Auf ,Bobby' reitet meine Tochter Hera schon, seit sie ein halbes Jahr alt ist", sagt die 37-jährige. Wenn da bloß nicht diese Marotte von Schimmel "Zadkiel" wäre. Denn der büxt immer mal wieder aus - und steht dann vor dem Gasthaus direkt an der Straße, oder wechselt sogar die Straßenseite.

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"Auf der anderen Straßenseite ist das Gras manchmal grüner", sagt Stefanie Stiller entschuldigend, und: "Natürlich ist mir das peinlich. Das soll nicht vorkommen, dass der aus der Koppel ausreißt." Aber der kluge Wallach trickst sie immer wieder aus.

"Zadkiel" und Pony "Bobby" suchen sich auch immer mal wieder eigenständig Weidegrund direkt an der Straße vor dem ehemaligen "Gasthaus Schwimmer". Foto: privat
"Zadkiel" und Pony "Bobby" suchen sich auch immer mal wieder eigenständig Weidegrund direkt an der Straße vor dem ehemaligen "Gasthaus Schwimmer". Foto: privat © privat

"Zadkiels" eigensinnige Tricks

Stefanie Stiller hat die ganze Koppel mit einem Textil-Elektrozaun abgezäunt - aber das beeindruckt "Zadkiel" nicht immer. "Ich habe mal beobachtet, wie er den Zaun mit einem kräftigen Schweif-Hieb aushebt", erzählt sie. Der Wallach laufe dann in hohem Tempo auf den Zaun zu, schlage kurz davor einen Haken und lockere so mit dem Schweif die Pfähle für den Zaun. Das ist nicht sein einziger Trick. "Der prüft auch, wo Strom drauf ist. Wenn der untere Textildraht keinen Strom führt, ist er auch einfach schon mal drunter durch", schildert Stiller. 

Mittlerweile habe sie auf allen drei Textildrähten Strom anliegen, aber selbst dann findet "Zadkiel" einen Weg. "Er hat auch im hinteren Teil der Koppel schon mal eine Lücke gefunden und hat sich dann durchs Unterholz bis vorne zur Straße durchgeschlagen. Dort aber würden seine Ausflüge auch regelmäßig enden, weiter weglaufen wolle er gar nicht. Wenigstens scheint der Ausreißer sonst von ruhigem Gemüt zu sein. "Die Autos stören ihn nicht und machen ihn nicht scheu", sagt Stefanie Stiller. Aber natürlich: "Das ist nicht ungefährlich", sagt sie. Denn wenn das Pferd mal in ein Auto laufe, könnten sich auch dessen Insassen schwer verletzen.

Shetland-Pony "Bobby" dagegen scheint vernünftiger und weidetreuer zu sein. "Der steht dann in der Koppel und meckert", erzählt sie. Allerdings hätten die beiden auch schon gemeinsam vor dem "Schwimmer" gestanden.

Als Ausreißer kann man auch prominent werden

Ihr "Zadkiel" erinnert Stefanie Stiller ein bisschen an die Frankfurter Stute "Jenny", die durch das Internet bekannt wurde. "Jenny" geht seit Jahr und Tag allein spazieren - bis zu 20 Kilometer weit. Mittlerweile trägt das Tier einen Zettel am Halfter: "Ich heiße Jenny, bin nicht weggelaufen, gehe nur spazieren. Danke.", steht darauf. Auch die Frankfurter Polizei sieht das scheinbar gelassen: "Wir mussten noch nie tätig werden", sagte dort eine Sprecherin auf Medienanfragen.

Die Frankfurter Stute "Jenny" wurde eine Medienberühmtheit.
Die Frankfurter Stute "Jenny" wurde eine Medienberühmtheit. © Boris Roessler, dpa

Auch die Polizeidirektion Görlitz scheint wegen "Zadkiels" gelegentlicher Ausflüge nicht sonderlich besorgt. "Der Polizei ist bekannt, dass zwei Pferde die besagte Koppel in Großschweidnitz bereits mehrfach verlassen haben", heißt es dazu auf SZ-Anfrage. "Die Polizei hat in diesen Fällen die Eigentümerin kontaktiert, die sich dann in der Regel ohne polizeiliches Einschreiten um die Sicherung der Tiere gekümmert hat. Uns ist nicht bekannt, dass es bisher zu Schäden oder Unfällen gekommen ist. Sollte es weitere Vorfälle geben, werden wir mit den zuständigen Behörden in Kontakt treten", heißt es weiter.

"Zadkiel" und "Bobby" im fröhlichen Galopp über ihre Koppel. Foto: Markus van Appeldorn
"Zadkiel" und "Bobby" im fröhlichen Galopp über ihre Koppel. Foto: Markus van Appeldorn © Markus van Appeldorn

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