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Albrecht Gubsch als Oberbürgermeister vereidigt

Das neue Löbauer Stadtoberhaupt verrät nach der Vereidigung ein kleines Wahlkampf-Geheimnis - und deutet Änderungen im Rathaus an.

Von Markus van Appeldorn
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Albrecht Gubsch wird von Stadtrat Heinz Pingel als neuer Oberbürgermeister vereidigt.
Albrecht Gubsch wird von Stadtrat Heinz Pingel als neuer Oberbürgermeister vereidigt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Am Donnerstagabend, 2. Dezember, endete in der Löbauer Johanniskirche eine Zeit des leeren Stuhls - den des Oberbürgermeisters. Im Februar hatte Dietmar Buchholz nach einer schweren Corona-Erkrankung seinen Rücktritt bekannt gegeben, kehrte nicht mehr ins Amt zurück. Seitdem herrschte Stellvertreterwesen in Rat und Verwaltung. In der letzten Sitzung des Jahres nun wurde Albrecht Gubsch als neu gewählter Oberbürgermeister vereidigt. Und mit seinem Amtsantritt könnte sich im Löbauer Rathaus einiges nachhaltig ändern.

Um Punkt 18 Uhr nahm Bürgerliste-Stadtrat Ingo Seiler als OB-Stellvertreter die Ratsklingel in die Hand - ein letztes Mal. Gut zehn Monate lang hatte er die Sitzungen geleitet. Doch mit dieser Sitzungseröffnung läutete er im Wortsinne eine neue Zeit ein. Und die Ehre, diesen Akt auch ganz offiziell zu vollziehen, kam Linke-Stadtrat Heinz Pingel zu. Der Ältestenrat hatte ihn als dienstältesten (und auch sitzungsältesten) Stadtrat vorgeschlagen, Alfred Gubsch den Amtseid abzunehmen.

Das polnische Geheimnis

Um 18.04 Uhr erhob sich Albrecht Gubsch (parteilos) von seinem Platz und sprach Pingel die Eidesformel nach: "Ich schwöre, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen, Verfassung und Recht achten und verteidigen und Gerechtigkeit gegenüber allen üben werde. So wahr mir Gott helfe." Die 17 anwesenden Stadträte applaudierten. Gubschs Gegenkandidat um das Amt des Oberbürgermeisters, Heiko Neumann von der Bürgerliste, erlebte diesen Moment nicht mit - er befindet sich in Corona-Quarantäne, wie er SZ mitteilte. Nach Ablegung des Eids übernahm Gubsch im neuen Amt erstmals die Leitung der Ratssitzung.

Bevor er zur weiteren Tagesordnung überging, fand er Worte des Dankes. "Als Erstes will ich mich bei Ingo Seiler bedanken, der die Sitzungen zunehmend professionell geführt hat", sagte er. Die zurückliegenden zehn Monate seien nicht immer einfach und man nicht immer gut beraten gewesen. Er dankte allen seinen Unterstützern. "Es gab sehr viele, die mir zugeraten haben, das zu machen", so Gubsch. Er erzählte dabei einen Umstand, der bisher den meisten unbekannt gewesen sein dürfte. "Mein Wahlbüro bestand in Breslau", verriet er. Von dort aus nämlich hätten sich sein Sohn und seine Schwiegertochter um vieles gekümmert - wie etwa Flyer oder Mailverkehr. Beide arbeiten in Breslau in der IT-Branche. "Heute ist das ja alles dank Internet und Skype kein Problem mehr, zwischen Breslau und Löbau zu kommunizieren", erklärt Gubsch SZ gegenüber.

Prost mit Rotkäppchen halbtrocken

Namentlich dankte er auch Bergquell-Brauerei-Inhaber Steffen Dittmar und Andreas Zimmermann, Geschäftsführer der Landtechnik Oberlausitz in Oppeln. Die beiden hatten seinen OB-Wahlvorschlag als Vertrauensleute unterstützt. Sodann warb Albrecht Gubsch für seine kommende Amtsführung mit seiner langjährigen Erfahrung: "Ich bin kommunalpolitisch ein alter Hase. Und ich kann sehr gut Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden. Was ich nicht so gut kann, ist Festreden zu halten." Das aber werde sich zukünftig sicherlich trotzdem ergeben.

Er forderte die Räte zu einem Miteinander auf. "Ich hoffe, wir bringen Löbau gemeinsam voran", sagt er und bat um eine "sachdienliche gemeinsame Zusammenarbeit mit allen, die mich gewählt haben, und auch nicht gewählt haben". Zum Ende seiner kleinen Rede zur Amtseinführung erhob Albrecht Gubsch ein Glas Rotkäppchen halbtrocken - die Räte standen auf und prosteten dem neuen Stadtoberhaupt zu.

Bleibt der OB auch Bauamts-Chef?

Gubsch erster Arbeitstag am Freitag, 3. Dezember, begann erstmal wie jeder andere. "Ich war um sieben Uhr in meinem Büro und habe erstmal ein paar Mails abgearbeitet", sagt er SZ am Vormittag - und er meinte damit sein bisheriges Büro als Leiter des Bauamts im technischen Rathaus. Allerdings hatte er am Vormittag auch bereits sein Oberbürgermeister-Büro im Rathaus in Besitz genommen. "Es wird noch ein paar mal hin und her gehen", sagt Gubsch. Bis zur eventuellen Berufung eines neuen Bauamtsleiters wird er dieses Amt weiter in Personalunion führen.

Und es ist noch gar nicht gewiss, ob es überhaupt einen neuen Bauamtsleiter geben wird. Einige wichtige Posten in der Stadtverwaltung sind derzeit unbesetzt. "Diese Situation ist ein günstiger Zeitpunkt, über eine Änderung der Verwaltungsstruktur nachzudenken", sagt Gubsch. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er das Bauamt auch in Zukunft führen werde. Das aber ist noch nicht spruchreif. "Es gibt ein paar Sachen, die nicht hektisch entschieden werden sollten", sagt er.