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Überraschung im Baby-Prozess

Der öffentliche Auftritt der 20-jährigen Bernstädterin, die ihrem Baby tödliche Verletzungen zugefügt haben soll, war vor dem Landgericht rasch beendet.

Die Angeklagte Jessica S. (links) berät sich mit ihrem Anwalt Matthias Ketzer zum Prozessbeginn am Landgericht Görlitz. Ihr wird Körperverletzung mit Todesfolge bei ihrem dreimonatigen Sohn vorgeworfen.
Die Angeklagte Jessica S. (links) berät sich mit ihrem Anwalt Matthias Ketzer zum Prozessbeginn am Landgericht Görlitz. Ihr wird Körperverletzung mit Todesfolge bei ihrem dreimonatigen Sohn vorgeworfen. © Nikolai Schmidt

Als die kleine, zierliche Frau in den Saal des Görlitzer Landgerichts am Mittwoch Vormittag geführt wird, klicken die Fotoapparate. Das Interesse am Prozess gegen die jetzt 20-jährige Bernstädterin ist groß - und das nicht nur bei der Presse. Richter Hauke Hinrichs lässt gar weitere Stühle - mit gebührendem Abstand - im Saal aufstellen. Doch die Mühe war in gewisser Hinsicht vergeblich. Denn rund eine halbe Stunde nach dem Beginn der Auftaktverhandlung leerte sich der Saal schlagartig.

Der Grund: Der Verteidiger von Jessica S. beantragte den Ausschluss der Öffentlichkeit, weil es sich bei der Angeklagten um eine Heranwachsende handele und im Laufe des Verfahrens zu erwarten sei, dass es um Details aus dem persönlichen Lebensbereich gehen werde. Nach einer rund viertelstündlichen Beratung gab der Vorsitzende Richter Hauke Hinrichs diesem Antrag statt. Das "Interesse der Öffentlichkeit an der Teilhabe an der Hauptverhandlung" sei dem "Schutz der heranwachsenden Angeklagten untergeordnet". Bis zur Urteilsverkündung sind somit weder Presse noch Zuschauer zugelassen.

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Einen ersten Blick auf die junge Frau, die inzwischen seit neun Monaten in Untersuchungshaft in Chemnitz sitzt, erhaschten die anwesenden, vornehmlich jungen Zuschauer in den wenigen Minuten aber doch. Jessica S., die sich vor den Kameras der Fotografen mit der schwarzen Kapuze ihrer Jacke abzuschirmen suchte, wirkte durchaus aufgeregt und war bemüht, den Anweisungen des Gerichtes zu folgen. Richter Hinrichs ließ sich von ihr dann zunächst die Personalien - deutsch, in Nürnberg geboren und in Bernstadt lebend, ohne Beruf und ledig - bestätigen.

Als Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu die Anklage zu Beginn in wenigen Sätzen kurz skizzierte, und der Angeklagten vorwarf, sie habe am 17. Februar wohl zwischen 12.25 und 12.45 Uhr ihren knapp drei Monate alten Sohn derart geschlagen und geschüttelt, dass er mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand geprallt sei und sich schwerste Verletzungen zugezogen hat, brach sie in Tränen aus und rang sichtbar um Fassung. Das Baby war am 21. Februar gegen 18.10 Uhr in der Uniklinik in Dresden seinen Verletzungen erlegen, die von Hirnschwellungen und -blutungen bis zu diversen Brüchen im Kopf und Halswirbelsäulen-Bereich reichten.

Das Programm für den ersten Prozesstag, der bis in den Nachmittag andauerte, beinhaltete neben der Verlesung der ausführlichen Anklage durch Oberstaatsanwaltschaft Matthieu auch eine Einlassung der Angeklagten. "Zu den Angaben der Einlassung kann ich aber keine Angaben machen", betonte Gerichtssprecher Jörg Küsgen mit Blick auf den Ausschluss der Öffentlichkeit.

Mit im Gerichtssaal vertreten waren dabei auch eine Rechtsmedizinerin und Gutachter zum Thema Schuldfähigkeit, die die Angaben der Angeklagten je nach Bedarf beurteilen sollten. Der Prozess wird planmäßig am 11. Dezember fortgesetzt. Neben Sachverständigen und Gutachtern, unter anderem zu den Verletzungen des Kindes, sind für den Prozess auch mehrere Zeugen geladen. Aussagen soll nach SZ-Informationen auch der frühere Lebenspartner und Vater des verstorbenen Kindes. Er tritt im Prozess zudem als Nebenkläger auf.

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