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Ein Rettungswagen für Bienen

Die Tiere haben im Kreis Görlitz mit Seuchen zu kämpfen - deshalb gibt's ein Gesundheitsmobil. Zudem will Bernstadt die Tiere ernähren. Wie kommt's?

Annabell Krause von der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz vor dem neuen Bienenrettungswagen.
Annabell Krause von der Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz vor dem neuen Bienenrettungswagen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ja, der Schriftzug auf dem Rettungswagen für Bienen ist englisch. Aber "Bee healthy" ist eben ein so wunderbares Wortspiel, das zwischen "Sei gesund" und "Bienen-Gesundheit" changiert. Was sich in dem gelb-weißen Anhänger verbirgt, steht allerdings auch in Deutsch und Tschechisch noch einmal drauf: Hier geht es um Bienenrettung. Und die ist dringend nötig.

Was bei den Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest ist, ist bei den Bienen die Amerikanische Faulbrut: der pure Horror. Sie ist eine der Krankheiten, die in den vergangenen Jahren immer wieder Bienenvölker zum Absterben brachte und auch ansteckend ist. Nach einem solchen Verlust wieder alles zu desinfizieren und neu anzufangen, stellt die Imker vor Herausforderungen. Denn die Utensilien dafür sind in der Region bislang schwer zu haben. Und genau das war der Anstoß für ein deutsch-tschechisches Vorhaben, das sich tatsächlich um grenzüberschreitenden Umweltschutz - um Bienengesundheit - kümmert.

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Bienenfleißig waren dabei neben dem Landkreis mit seiner Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz (ENO) und dem Lebensmittelüberwachungs-und Veterinäramt (LÜVA) auch zwei tschechische Gemeinden - Polevsko (Blottendorf) und Okrouhla (Scheibenreuth) - sowie die Stadt Bernstadt und der Verein Lebens(T)räume, der selbst Bienenvölker besitzt und auf das Problem aufmerksam machte. Gemeinsam erhielten sie über ein deutsch-tschechisches Förderprogramm insgesamt 510.000 Euro, verteilt auf drei Jahre.

Sieben neue Bienenweiden in Bernstadt

Nun, nach Ablauf der Projekt-Dauer, lässt sich die Bilanz buchstäblich sehen - und das nicht nur in Form des Bienenrettungswagens. Bernstadt hat inzwischen knapp 7.000 Quadratmeter Bienenweide angelegt. "Das sind je zwei Flächen in Kemnitz und Bernstadt und je eine in den Ortsteilen Kunnersdorf, Altbernsdorf und Dittersbach", erklärt Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste). Um sie zu Bienenweiden zu machen, hat die Stadt aber keine Blühsamen-Mischung ausgestreut, so wie man es aus Baumärkten für den Privatgebrauch kennt. "Wir haben Sträucher gepflanzt, von Lavendel über verschiedene Ginster-Arten, Sommerflieder bis zur Hundsrose sowie vereinzelt auch Bäume wie Apfel, Kirsche, Vogelbeere", skizziert Weise. 

Eine Auswahl an bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen, die auf den Bernstädter Bienenweiden gedeihen. Hier finden viele Tiere genug Nahrung. Die Stadt pflegt die Wiesen selbst.
Eine Auswahl an bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen, die auf den Bernstädter Bienenweiden gedeihen. Hier finden viele Tiere genug Nahrung. Die Stadt pflegt die Wiesen selbst. © Fotos: Weise/ Collage: SZ-Bildstelle

Diese Flächen sind ohnehin schon in der Nähe von bestehenden Bienenstöcken, gern aber können Imker ihre Bienen in der Nähe postieren. Solche, fast parkähnliche, Anlagen haben auch die tschechischen Partner in ihren Gebieten angelegt. "Das ist unser Beitrag für ein bisschen mehr Biodiversität", sagt Markus Weise auch mit Blick darauf, dass von den Pflanzungen nicht nur Bienen profitieren. Das neue Grün ist bislang auch von den Anwohnern positiv angenommen worden. Nun wird Bernstadt noch große Tafeln für die Bienenweiden anfertigen lassen - mit allen wichtigen Informationen. Zudem wird auch eine Internetseite mit Infos zum Projekt erstellt.

Dort steht dann sicherlich auch zu lesen, wie das mit dem Bienenrettungswagen ist. Für 17.000 Euro hat der Kreis - unter Federführung von Amtstierarzt Ralf Schönfelder - einen Hänger so umgerüstet und eingerichtet, dass alle wichtigen Gerätschaften für eine solche Sanierung eines Bienenstocks bis hin zur extra geschmiedeten Brenntonne dabei sind. Wie genau das mit dem Verleih an die Imker ab nächstem Jahr funktionieren kann, wird aktuell noch ausgeklügelt. Zur neuen Bienensaison im kommenden Jahr kann der Rettungswagen dann also zum Einsatz rollen - auch über die Grenze zu den tschechischen Imkern.

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