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Löbau

Lobeshymne auf den Schlechteberg

Vor 100 Jahren empfahl die "Oberlausitzer Heimatzeitung" den Gipfel. Harsche Kritik gab es aber am Ausblick zur Klunst.

Der Blick auf den Schlechteberg heute.
Der Blick auf den Schlechteberg heute. ©  Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Eine Lobeshymne auf den Ebersbacher Schlechteberg veröffentlichte 1920 die in Reichenau erscheinende "Oberlausitzer Heimatzeitung", ein Blatt für Geschichte, Heimatkunde, Kunst und Literatur. Aus heutiger Sicht kommt der Beitrag eines namentlich nicht genannten Autors als romantisierende und mitunter schwülstig geschriebene Wanderbeschreibung daher. Aber es wird auch offenbar, wie man bereits 1920 den Ebersbacher Hausberg einordnete: als Perle der Landschaft, die kein Stiefkind-Dasein verdient hat.

"Ebersbacher Besitz ist er und sein Humboldtverein bahnte Wege, erbaute die schöne Baude droben und legte davor einen Alpengarten an. Begleite mich, ich will dich zu ihm führen und dir Schönes zeigen", lud der Verfasser die Leser zur Bergerkundung ein. Zum Schönen rechnete er vor 100 Jahren den Hochbehälter der örtlichen Wasserleitung: "Wer das nette Häuschen erbaute, die Anlage herrichtete, davor den Platz freimachte und ihn mit jungen Bäumchen einfaßte, das war kein Dummer", schrieb er. Die Aussicht, die sich vor allem an den Waldsäumen des Berges bot, kommentierte der Autor mit dem Satz: "Unsere Augen sehen, lachen und glühen vor Freude." 

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Da allerdings auf dem 485 Meter hohen Gipfel eine Rundumsicht fehlte, regte er schon damals an: "Wenn einmal ein Aussichtsturm errichtet werden sollte, dann würde der Blick umfassender sein." Unter Garantie meinte der Schreiber einen Ausguck, der nicht nach ein paar Jahren wieder abgerissen werden muss. Seine Empfehlung zur Einkehr in der 1912 erbauten Humboldtbaude, die aktuell schon über ein Jahrzehnt nicht mehr möglich ist, lautete: "Ein heller, luftiger Raum mit breiten Fenstern nimmt uns auf, wir setzen uns so, daß wir das feine Landschaftsbild vor uns haben. Küche und Keller bieten Gutes, es schmeckt nach der Wanderung."

Doch nicht für alles, was der Autor des Wandertipps vor 100 Jahren auf dem Schlechteberg wahrnahm, hatte er Lob übrig. Leider störe ein garstiger Fleck den Ausblick vom Berg, gebe jedem Naturfreund einen Stich ins Herz. Gemeint war bereits damals der Steinbruch an der Klunst. "Pulver und Maschine zertrümmern da ein Naturdenkmal, den Berg, an dem der Grünstein in der Lausitz am höchsten aufsteigt. Ach wollte sich doch die Besitzerin, die Stadt Zittau, erbarmen und die Arbeiten einstellen lassen, ihr kanns doch auf Geld nicht so sehr ankommen, denn wenn der Felsenberg in absehbarer Zeit verschwunden sein wird, dann ist das Land an einer Schönheit ärmer geworden und niemand bringt sie wieder", appellierte der Verfasser. Und er stellte die Frage: "Aber ein später Geschlecht wird fragen: Warum tatet ihr solches?"

Doch die Schlechteberg-Laudatio fand schnell wieder einen versöhnlichen Ton: "Der Berg heißt zwar Schlechteberg, ist aber ein guter, schöner freundlicher.“ Leider verschließen sich in der Gegenwart viel zu viele Touristen und Einheimische dieser mittlerweile 100-jährigen Weisheit. 

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