merken
PLUS Löbau

Beiersdorfer auf dem Weg zur Physik-WM

Silvius Perret hat's in die Nationalteam-Auswahl geschafft, wie vor ihm schon zwei andere vom Löbauer Gymnasium. Noch gibt's aber eine Hürde.

Silvius Perret (hinten), Arthur Wittwer (Mitte) und Silas Mory vom Team "𝕡ⅈτŗαδϵ$π" warten auf das Ergebnis der Jury.
Silvius Perret (hinten), Arthur Wittwer (Mitte) und Silas Mory vom Team "𝕡ⅈτŗαδϵ$π" warten auf das Ergebnis der Jury. © privat

Er ist 17 Jahre alt, Schüler am Geschwister-Scholl-Gymnasium Löbau und nun einer der elf Jugendlichen, aus denen die diesjährige deutsche National-Auswahl gebildet wird: Silvius Perret gehört damit aktuell im Nachwuchsbereich zu den deutschlandweiten Physik-Assen.

Im Physik-Hörsaal des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Löbau haben die Schüler ihre Ergebnisse per Videokonferenz vorgestellt.
Im Physik-Hörsaal des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Löbau haben die Schüler ihre Ergebnisse per Videokonferenz vorgestellt. © privat

Mit den Mitschülern Arthur Wittwer und Silas Mory nahm der Beiersdorfer voriges Wochenende als Team "𝕡ⅈτŗαδϵ$π" bei den German Young Physicists' Tournament teil. Das sind die bundesweiten Meisterschaften, die jedes Jahr in Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen) stattfinden. Ausrichter ist die Deutsche Physika­lische Gesell­schaft, die den Wettbewerb coronabedingt erstmals digital veranstaltete. Dieses Mal kämpften 58 Jugend­liche zwischen 14 und 19 Jahren um den Titel, nachdem sie als Sieger aus den Regional-Turnieren hervorgingen. Im Vorfeld mussten sich die Teams mit einer von 17 aktuellen Fragestellungen der Physik beschäftigen. Vorträge und wissenschaftliche Diskussionen waren auf Englisch zu halten. Eine Jury aus ehemals erfolgreichen Teilnehmern, Lehrern und Professoren der Physik bewertete die Auftritte.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Silvius Perret beschäftigte sich mit einem Wilberforce-Pendel. Das besteht aus einer Masse, die an einer langen Schraubenfeder aufgehängt ist. Die Funktionsweise: Wird das Pendel durch Ziehen in Bewegung versetzt, schwingt es zuerst auf und ab. Nach kurzer Zeit beginnt das Gewicht sich um die eigene Achse zu drehen. Irgendwann dreht sich nur noch die Masse. Danach kehrt sich der Vorgang um. Der 17-Jährige sollte nun das Verhalten herausfinden und wodurch dieses beeinflusst wird.

Am Ende erreichte das Team den vierten Platz. Silvius Perrets Auftritt begeisterte die Jury dabei so sehr, dass er unter die besten Zehn kam. "Nach einer zuerst harschen Kritik war es überraschend, diese Bewertung zu erhalten", sagt der 17-Jährige. Aber er nimmt bereits seit zwei Jahren an dem Wettbewerb teil - mit besser werdenden Ergebnissen.

Die Berufung in die Nationalauswahl schaffte vor ihm bereits Paul Linke aus Kemnitz 2017 und 2018. Im letztgenannten Jahr nahm dieser auch an den Weltmeisterschaften in Peking (China) teil und erreichte mit dem Team das Finale. Inzwischen studiert er an der TU Dresden Physik, aber betreut als ehemaliger Schüler des Löbauer Gymnasiums weiter die Wettbewerbsteilnehmer. So auch Karla Stephan aus Neugersdorf, die voriges Jahr zu den besten Zehn gehörte. Allerdings musste die Weltmeisterschaft coronabedingt verschoben werden und lief dann als Online-Wettbewerb, an dem Deutschland nicht mehr teilnahm. Und dieses Jahr wollte sich die Neugersdorferin auf die Abi-Vorbereitung konzentrieren.

Die Teilnahme-Statistik an den deutschen Wettbewerben aufgeteilt nach Bundesländern.
Die Teilnahme-Statistik an den deutschen Wettbewerben aufgeteilt nach Bundesländern. © DPG

Immerhin bedeutet so eine Teilnahme ein halbes Jahr Arbeit - nach dem Unterricht. Dafür braucht es begeisterungsfähige Schüler und die Unterstützung durch die Eltern, die einiges aushalten müssen. "Es wird Tag und Nacht geforscht", sagt Uwe Kopte, der am Löbauer Gymnasium Bereichsleiter für mathematische und naturwissenschaftliche Fächer (MINT-Fächer) ist. Er schätzt an dem Wettbewerb, dass die Schüler vielfältige Kompetenzen lernen - unter anderem Teamfähigkeit und Ausdauer - aber auch ihre Englischkenntnisse verbessern. Hilfe erhalten sie auch von Hochschule und Firmen, die Geräte und Material zur Verfügung stellen. "Silvius Team hatte aber durch Corona die denkbar ungünstigsten Bedingungen", sagt sein Physik-Lehrer. So musste teilweise Zuhause experimentiert werden, der Austausch lief über Videokonferenzen. Umso mehr freut sich Uwe Kopte, dass sich der Aufwand gelohnt hat.

Screenshot von der Bekanntgabe des Ergebnisses: Am Ende erreichte das Team eine Bronze-Medaille, was bei dem Wettbewerb den vierten Platz bedeutet.
Screenshot von der Bekanntgabe des Ergebnisses: Am Ende erreichte das Team eine Bronze-Medaille, was bei dem Wettbewerb den vierten Platz bedeutet. © privat

Auf Silvius Perret wartet nun am letzten März-Wochenende ein Workshop. Dort entscheidet sich, wer am Ende das fünfköpfige Nationalteam bildet. Das darf dann zum International Young Physicists' Tournament, also zur Weltmeisterschaft. Gastgeber vom 4. bis 17. Juli ist Kutaisi in Georgien. Sollte der 17-Jährige den Sprung schaffen, müsste er aber noch zwei weitere Problemstellungen bearbeiten. "Das wäre sehr zeitaufwendig", sagt er.

Drei Workshop-Teilnehmer werden aber auch für die Teilnahme am Austrian Young Physicists' Tournament ausgewählt. Zumindest den Wettbewerb würde der Beiersdorfer gerne miterleben, könnte er dort sein bisheriges Thema vorstellen. Und auch nächstes Jahr dürfte er noch mal teilnehmen. Sein Ziel nach dem Abitur ist es, Physik zu studieren. Sie sei für ihn das perfekte Gleichgewicht aus Theorie und Praxis. Er könne dort seine in der Mathematik erworbenen Kenntnisse anwenden, um Phänomene in der echten Welt zu beschreiben und nachzuvollziehen.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Mehr zum Thema Löbau