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Wo Sowjet-Soldaten ihre letzte Ruhe fanden

Auf dem Ehrenfriedhof Kottmarsdorf liegen russische Gefallene des Zweiten Weltkrieges - aus 18 Orten des damaligen Kreises Löbau.

Das Portal des Ehrenfriedhofes in Kottmarsdorf. Die Tafel mit der Inschrift „Ewige Ehre den besten Söhnen des Sowjetlandes“ ist aus poliertem Lausitzer Granit. Auch für die Grabsteine wurde überwiegend heimischer Granit verwendet.
Das Portal des Ehrenfriedhofes in Kottmarsdorf. Die Tafel mit der Inschrift „Ewige Ehre den besten Söhnen des Sowjetlandes“ ist aus poliertem Lausitzer Granit. Auch für die Grabsteine wurde überwiegend heimischer Granit verwendet. © Bernd Dreßler

Wer um den 8. Mai die sowjetische Kriegsgräberstätte in Kottmarsdorf besucht, sieht jeden Grabstein mit einer Nelke geschmückt, am Hauptmonument stehen frische Blumensträuße in Vasen. Kleine Besuchergruppen kommen und halten inne, einzelne Fahrradfahrer machen Zwischenhalt an dem Ehrenfriedhof unmittelbar an der S 148 zwischen Löbau und Neugersdorf und gedenken der Toten.

Angelegt wurde der Friedhof unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Mit Befehl der Kreiskommandatur Löbau der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) wurde dafür ein Stück Land beschlagnahmt, das einem Ebersbacher Fabrikanten gehörte. Als sich am 8. Mai 1945 morgens viele Kottmarsdorfer mit einem Flüchtlingstreck Richtung Böhmisch Kamnitz (heute Ceska Kamenice) auf den Weg machten, befand sich dort noch ein Stück Wiese. „Nach knapp einer Woche kehrten wir wieder ins Dorf zurück. Da fanden wir an dieser Stelle die ersten Gräber vor“, erinnert sich Helene Palatschek, die bis heute unmittelbar neben dem Friedhof wohnt und kürzlich ihren 102. Geburtstag feierte.

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Längst nicht alle Rotarmisten, die hier bestattet wurden, fielen jedoch bei Kämpfen um Kottmarsdorf. Aus Unterlagen des Gemeindearchivs geht hervor, dass es lediglich fünf waren. Nach Angaben des Büros für Kriegsgräberfürsorge und Gedenkarbeit bei der Botschaft der Russischen Föderation handelt es sich bei dem Kottmarsdorfer Ehrenfriedhof um eine „Grabstätte für 52 in den letzten Kämpfen des Zweiten Weltkrieges gefallene Rotarmisten und fünf sowjetische Kriegsgefangene“. Den Grund für diese erhebliche Differenz fand der langjährige Vorsitzende des Lusatia-Verbandes Joachim Golbs aus Obercunnersdorf (Jahrgang 1931) heraus. In einem Schreiben an den Autor teilte er mit: „Der 1945 angelegte Friedhof wurde zu einem zentralen Friedhof für alle im damaligen Kreis Löbau gefallenen und begrabenen russischen Soldaten erklärt. Bis 1947 wurden sie nach Kottmarsdorf gebracht.“ Aus insgesamt 18 Gemeinden, darunter Strahwalde, Oppach, Schönbach und Großdehsa, ja sogar Nostitz und Rodewitz, fanden die Kriegstoten hier ihre letzte Ruhestätte.

Viele Gefallene konnten nicht mehr identifiziert werden. Zahlreiche Steine tragen deshalb die Aufschrift „Unbekannter Soldat“.
Viele Gefallene konnten nicht mehr identifiziert werden. Zahlreiche Steine tragen deshalb die Aufschrift „Unbekannter Soldat“. © Bernd Dreßler

Der Friedhof wird seit Jahrzehnten gepflegt. Zunächst oblag die Pflege der Gemeinde Kottmarsdorf. In den ersten Jahren wurde das von der SMAD ständig überwacht. In der DDR wurde darauf besonders vor dem 8. Mai oder dem 22. Februar, dem Tag der Roten Armee, geachtet. „Da gab es Kranzniederlegungen mit Ansprachen. Daran nahmen Vertreter aller Blockparteien, der FDJ, der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, aus Betrieben und umliegenden Gemeindeverwaltungen teil“, so Joachim Golbs.

Auch heute bietet die Kriegsgräberstätte ein würdiges Bild, wenngleich die efeubewachsenen Grabhügel der Einzelgräber vor Jahren eingeebnet wurden, um den Pflegeaufwand zu senken. Die Grabsteine blieben stehen und die Schrift ist meist noch gut lesbar. Neben einer ganzen Reihe von Steinen mit der Inschrift „Unbekannter Soldat“ finden sich zahlreiche, die Auskunft über das Lebensalter oder den Dienstgrad geben. Soldat Arion Iwanowitsch Roschka zum Beispiel war 22 Jahre jung, als er am 31. Mai 1945 starb, also drei Wochen nach Kriegsende. Wahrscheinlich überlebte er seine schweren Verletzungen nicht. In einem Sammelgrab haben 14 Rotarmisten, alle namentlich aufgeführt, ihre letzte Ruhe gefunden, wobei einige bereits über 40 Jahre alt waren.

Auch der Geburtsjahrgang 1898 ist angegeben. In Einzelgräbern wurden ein Hauptmann und ein Leutnant bestattet. Oft fehlen auch die genauen Sterbedaten, dann ist „begraben am“ vermerkt. Für die Pflege des Friedhofs ist inzwischen die Gemeinde Kottmar zuständig. Ihr Bauhof mäht den Rasen und schneidet die Heckeneinfriedung. Grundlage dafür ist das „Bundesgesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“, das die sowjetischen Kriegsgräberstätten in Deutschland einschließt. Demnach erhält die Gemeinde für die Pflege aller Kriegsgräber auf ihrem Territorium, auch die deutschen, über die Landesdirektion eine Entschädigung, erläutert Kottmar-Hauptamtsleiterin Kerstin Höhne.

Der Friedhof gehört zu den Kulturdenkmalen des Landkreises Görlitz. Er ist zudem Bestandteil des Mühlenrundweges, den der Verein Natur- und Heimatfreunde vor einigen Jahren angelegt hat und der Kottmarsdorfer historische Sehenswürdigkeiten verbindet.

Russische Kriegsgräber in der südlichen Oberlausitz

  • Cunewalde: Grabanlage auf dem Friedhof Kirchweg
  • Dittelsdorf: Grabanlage auf dem Friedhof
  • Ebersbach: Grabanlage auf dem Friedhof Kottmarsdorfer Straße
  • Eichgraben: sowjetischer Ehrenfriedhof Lückendorfer Straße
  • Großschweidnitz: Gedenkstätte Anstaltsfriedhof
  • Hartau: Grabanlage an der Straße Zittau-Hartau (Nähe Ziegelei-Einfahrt)
  • Kottmarsdorf: sowjetischer Ehrenfriedhof, Löbauer Straße
  • Löbau: Grabanlage auf dem evang. Friedhof, Friedhofstraße; Grabanlage auf dem kath. Friedhof, Lauchaer Weg
  • Oppach: Grabanlage auf dem Friedhof Kastanienallee
  • Schönau-Berzdorf: Grabanlage auf dem Friedhof, Am Gemeindeamt
  • Strahwalde: Grabanlage auf dem Friedhof, Löbauer Straße
  • Zittau: Grabanlage auf dem Friedhof, Görlitzer Straße; Grabanlage auf dem Frauenfriedhof Hammerschmidtstraße

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