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Trotz Corona-Krise: DRK sammelt wieder Altkleider

Die Kleiderkammer Löbau hat sich mit Winterware eingedeckt - die auch von der Bundespolizei für Flüchtlinge geholt wird. Doch wo kommen die Sachen her - wo es doch keine Container mehr gibt?

Von Constanze Junghanß
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Elvira Zöllner (links) und Marlis Lopéz von der DRK-Kleiderkammer Löbau haben immer ein offenes Ohr für ihre Kunden.
Elvira Zöllner (links) und Marlis Lopéz von der DRK-Kleiderkammer Löbau haben immer ein offenes Ohr für ihre Kunden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Warme Socken, Mützen, Schals und Anoraks – in der Kleiderkammer des DRK Löbau ist die Winterware eingetroffen. Elvira Zöllner, Marlis Lopez und ihre Kolleginnen haben alles sortiert, auf Kleiderbügel gehängt und nach Größen geordnet. Die Mitarbeiterinnen und ehrenamtlichen Helfer sind die guten Seelen und Ansprechpartner, kümmern sich um alles und haben für ihre Kunden immer ein offenes Ohr. Wenngleich nicht jeder Kunde Verständnis dafür aufbringe, dass nicht immer Markensachen zu haben seien, wie Marlis Lopez weiß. Manchmal, wenn auch selten, hätten sie zu hohe Ansprüche.

Dabei hat die Kleiderkammer vor allem den Zweck, gute aber eben bereits gebrauchte Klamotten aus zweiter Hand für diejenigen bereitzustellen, die einen eher schmalen Geldbeutel haben. Dank der Sachspenden aus Löbauer Haushalten können die sich gegen Zahlung eines Obolus mit Notwendigem eindecken. "Auch die Bundespolizei Ludwigsdorf war mittlerweile da", wie DRK-Geschäftsführerin Silke Seeliger erzählt. "Vor allem Unterwäsche und warme Jacken holten die Beamten ab", sagt sie. Die Sachen sind für die Flüchtlinge, die diese an der deutsch-polnischen Landesgrenze aufgegriffen haben und die zuvor tagelang unterwegs waren. In den Asylunterkünften Löbau seien bisher noch keine dieser Menschen untergebracht, sagt die Geschäftsführerin. "Mit Zuweisungen rechnen wir jedoch", sagt Silke Seeliger.

In der Kleiderkammer wird für solche und andere Notsituationen ein Vorrat angelegt. Menschen, deren Haus beispielsweise durch Feuer oder Wasser zerstört wurde, können sich so wenigstens mit Bekleidung versorgen. Aber auch die Polizei benötige immer mal wieder Wäschestücke – wenn beispielsweise völlig Betrunkene aufgegriffen werden und erst mal zur Ausnüchterung kommen. Dann seien deren Sachen oft stark verschmutzt oder nass – vor allem, wenn sie einen Teil der Nacht im Freien verbrachten.

Doch wo kommen die Sachen eigentlich her? Kleidercontainer gibt es nicht mehr. Die Container an den 20 Standorten in und rund um Löbau hat das DRK im Sommer 2020 eingezogen. Der Abnehmer für die überschüssige Ware hatte den Vertrag gekündigt. Grund dafür: Wegen Corona brach 2020 der Markt für solche überschüssige Bekleidung zusammen, Länder wie Osteuropa oder Afrika schlossen ihre Märkte aufgrund der Pandemie. Das DRK Löbau konnte auch keine Haussammlungen mehr durchführen.

Während die Container derzeit nicht wieder aufgestellt sind, finden die Sammlungen seit einigen Wochen nun erneut statt. Feste Termine gibt es nicht. Die Bürger werden per Handzettel in den Briefkästen informiert. Dem Zettel liegt der Spendensack bei sowie die Information zur Abholung. Das klappt nach Einschätzung von Silke Seeliger auch gut. "In den Containern hatten wir früher das Problem, dass manche Leute Müll und sogar Bauschutt entsorgten", erinnert sie sich. Das DRK blieb dann auf den Entsorgungskosten sitzen. Nun gibt es wieder einen Abnehmer für überschüssige Ware. In die Säcke passt zum Glück kein Bauschutt.

Spenden werden ebenso zu den Öffnungszeiten der Kleiderkammer angenommen: von Montag bis Donnerstag, 9 Uhr bis 12 Uhr und 12.30 Uhr bis 15.30 Uhr, sowie freitags von 9 bis 12 Uhr. "Wir bitten allerdings um solche Bekleidung, die man auch seinen Nachbarn noch gern anbieten würde", sagt die DRK-Chefin. Das heißt: Kaputte oder verdreckte Klamotten sollten entsorgt und nicht gespendet werden.