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Die Nachwuchs-Schumis der Oberlausitz

Die Zwillingsbrüder Gustav und Edwin Schreiber aus Kittlitz sind als Kartfahrer sehr erfolgreich. Nächstes Jahr starten sie auf Deutschlands berühmtester Kartbahn.

Von Markus van Appeldorn
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Gustav und Edwin Schreiber (r.) aus Kittlitz mit ihren Rennkarts.
Gustav und Edwin Schreiber (r.) aus Kittlitz mit ihren Rennkarts. © Rafael Sampedro

Dieses alte Rennkart, wie es da in Papas Garage stand, das hat die beiden Zwillingsbrüder Gustav und Edwin Schreiber (11) schon direkt fasziniert - hat Räder und macht ordentlich Krach. Gerade mal vier Jahre waren die beiden 2014 alt, als sie wussten: "Wir hatten Lust, mit so was mal loszudüsen", sagen die beiden. Mittlerweile düsen die beiden als Nachwuchs-Kartfahrer ihrer Konkurrenz um die Ohren. In der "Mini-Klasse" bis 13 Jahre belegten die beiden jetzt nach einem Abschlussrennen auf dem Kart-Kurs in Oschersleben die beiden ersten Plätze in der Gesamtwertung für die Saison - und dafür brauchte es noch mal viel Strategie.

"Im September 2014 bin ich erstmals mit den beiden an den 'Görlitzring' nach Hagenwerder gefahren und habe sie dort in ein Kart gesetzt", erinnert sich Vater Sandro Ernst. Er betreibt in Großdehsa eine Autowerkstatt und ist in seinen jungen Jahren zu DDR-Zeiten Kart gefahren. Kart-Sport war in der DDR durchaus populär - so wurden damals etwa Rennen auf den Straßen von Löbau oder Bautzen ausgetragen. "Das waren noch ganz andere Zeiten, da an das Material zu kommen", sagt er. Für 1.800 Ost-Mark habe er etwa damals mal einen Satz gebrauchter Reifen von Westfreunden bekommen - die Hauptverschleißteile an einem Kart. "Einen Reifensatz pro Kart fahren die beiden auch heute an jedem Wochenende runter", sagt Ernst.

Furchtlos mit bis zu 110 Sachen

Ganz niedlich waren die Kinder-Karts 2014 noch, mit denen Gustav und Edwin ihre ersten Runden in Hagenwerder drehten. Furchtlos muss trotzdem sein, wer sich da reinsetzt. Denn mit ihrer Leistung von vier PS bringen es diese Fahrzeuge schon auf Tempo 50 - so schnell dürfen Jugendliche erst mit einem Moped fahren. Schnell wurde klar: Die beiden haben Talent. Der Vater schaffte jedem ein Rennkart an. Mittlerweile sind sie mit ihrem Vater mit Transporter und Wohnwagen an 14 Wochenenden in der Rennsaison in Ostdeutschland unterwegs - und kaum ein Wochenende, von dem sie nicht irgendeinen Pokal mitbringen.

Mit den Buben wuchsen auch ihre Karts. In der "Mini-Klasse" leisten die 60-Kubikmotoren zwölf PS und beschleunigen bis auf Tempo 110. "Bei einem 20-Kilometer-Rennen fahren die einen Rundendurchschnitt von 84 km/h", sagt Sandro Ernst. Wer einmal auch nur auf einer Kartbahn ein Rennen über eine Viertelstunde gefahren ist, weiß wie anstrengend das ist - Lenk- und Fliehkräfte zerren an Arm- und Halsmuskulatur, außerdem braucht es enorme Konzentration. Und bei Gustav und Edwin kommen an so einem Rennwochenende ja auch noch Trainings- und Qualifikationsläufe dazu. Die beiden Buben sind gut durchtrainiert, dennoch: "Die Anstrengung des Wochenendes merken wir immer bei der Rückfahrt. Da schlafen wir im Auto", sagt Gustav.

Strategie sichert Doppelsieg

Die beiden starten im "Ostdeutschen ADAC Kart Cup" (OAKC) - andere vom ADAC ausgetragene Regionalcups im Kartsport werden in den Regionen Süd-, West- und Nord-Deutschland ausgetragen. Und im OAKC holten die beiden 2021 erstmals den Doppelsieg. Dafür brauchte es im letzten Rennen besondere Strategie - "Stallorder", wie man im Motorrennsport sagt. Denn Gustav lag auf Platz eins der Gesamtwertung, Bruder Edwin aber nur auf Platz 3. "Gustav fuhr in diesem Rennen rund 0,3 Sekunden schneller pro Runde als Edwin, durfte ihn aber nicht angreifen, weil Edwin für den Gesamtrang 2 den Sieg brauchte", erklärt Sandro Ernst. Auf der Strecke sind die beiden zwar nicht bloß Brüder, sondern auch Rivalen - aber für den Gesamterfolg zählt manchmal auch die Strategie.

Die beiden fahren durchaus verschiedene Stile. "Gustav fährt sauberer und rutscht weniger", sagt Vater Sandro. Rutschen bedeutet Drehzahlverlust und damit Zeitverlust. "Ich fahre dafür aggressiver", sagt Edwin - je nach Strecke und Rang im Teilnehmerfeld kann die eine oder die andere Fahrweise die bessere sein. So kommt es, dass mal Gustav, mal Edwin besser abschneidet. 2019 etwa wurde Edwin Meister und Gustav Vierter. Rennsport-Vorbilder haben die beiden auch: "Max Verstappen", sagt Gustav, "weil der sehr präzise und konzentriert fährt." Für Edwin ist es der deutsche Formel-1-Star Sebastian Vettel: "Er ist schon Weltmeister, bleibt immer auf dem Boden und gibt nicht an", sagt er.

Gustav Schreiber in Action.
Gustav Schreiber in Action. © Michael Schulz Kartnet.de
Edwin Schreiber übt schon mal die Schumi-Faust.
Edwin Schreiber übt schon mal die Schumi-Faust. © undefined

Nächstes Jahr geht's auf Schumis Heimatbahn

Viele berühmte Rennfahrer begannen ihre Karriere auf der Kartbahn - der berühmteste Deutsche unter ihnen ist Michael Schumacher. "Formel 1 oder DTM wären schon mal cool", sagt Gustav. Aber sie streben nicht unbedingt eine Karriere als Spitzenfahrer an. Sie wissen, dass die Luft nach oben dünner wird - und der Sport zunehmend teurer. "In der Formel 1 finden sich manche Milliardärs-Söhne, die sich als Fahrer dort eingekauft haben", sagt Sandro Ernst. Ohne riesiges Kapital oder einen Rennstall wie Mercedes oder Ferrari im Hintergrund, ließe sich das gar nicht stemmen.

Aber das ist alles nicht schlimm. Spaß soll es machen. Und den probieren Gustav und Edwin ab nächstem Jahr auf noch etwas größerer Ebene aus. Schon in diesem Jahr waren sie über Ostdeutschland hinaus auch schon etwa in Bayern unterwegs. "Nächstes Jahr fahren wir die gesamte ADAC-Kart-Masters-Serie mit. Da geht's dann bis nach Kerpen", sagt Sandro Ernst. Kerpen, das ist der Ort, an dem einst Michael Schumacher auf der familieneigenen Kartbahn seine Mega-Karriere startete. Ob dieser Ort auch für Gustav und Edwin Erfolg bereithält? Es wird sich weisen.