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Diese Drei sind jetzt schon Gold für Löbau

Der Oberlausitzer Sportclub Löbau schickt drei Talente an die Elitesportschule nach Dresden. Eine erste Stufe für Olympia. Fürs Training nutzen sie mitunter Kochtöpfe.

Sonja Reck, Carlo Ziesche und Enya Schmidt (v. l.) vom OSC Löbau besuchen mit dem neuen Schuljahr die Sportschule in Dresden.
Sonja Reck, Carlo Ziesche und Enya Schmidt (v. l.) vom OSC Löbau besuchen mit dem neuen Schuljahr die Sportschule in Dresden. © Matthias Weber/photoweber.de

Da ist dieser große Traum: Olympia! Ein Sieg unter dem Banner der Ringe ist für Sportler der dort vertretenen Disziplinen das Höchste. Der Oberlausitzer Sportclub Löbau (OSC) trägt schon seit einigen Jahren den Status "Talentstützpunkt" für die Sportart Leichtathletik. Und jetzt schickt der Verein wieder drei Nachwuchstalente auf den Weg, bei Olympia wenigstens mal dabei sein zu dürfen - was ja nach den Worten des Olympia-Begründers Pierre de Coubertin bekanntermaßen eh wichtiger ist als ein Sieg.

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Sonja Reck, Enya Schmidt und Carlo Ziesche setzen ihre noch junge Sportlerkarriere ab dem kommenden Schuljahr an der Sportschule Dresden fort - einer vom Deutschen Olympischen Sportbund mit dem Prädikat "Eliteschule des Sports" ausgezeichneten Institution. "Das ist DIE Kaderschmiede im Regierungsbezirk Dresden", sagt Gerhard Rumpf vom OSC. Um dort geschmiedet zu werden, müssen junge Sportler aber auch erstmal die Bedingungen des sogenannten E(ntwicklungs)-Kaders erfüllen, also nach Alter gestaffelt beim Fünfkampf und in einem Talentsichtungstest eine vorgegebene Punktzahl erreichen. Und weil Sport nicht alles ist, müssen auch die Schulnoten stimmen. Ein "ausreichend" in einem Hauptfach wird zur Aufnahme nicht akzeptiert. Sonja, Enya und Carlo haben all diese Hürden überwunden. Auf ihren Trikots tragen sie den eingestickten Schriftzug "E-Kader 2021" - auch das ist schon eine Auszeichnung.

Diese Löbauerin kennt die Sportschule schon

Der Wechsel an die Sportschule ist auch eine Zäsur im Leben eines jungen Menschen. Weit weg von daheim, den Eltern, den Freunden, wohnen im Internat. Aber die drei sind selbstbewusst, wissen, was sie wollen. "Wenn man so ein Angebot bekommt, sollte man es auch nutzen", sagt Carlo. Und auch Enya ist sicher: "Ich habe kein Problem mit Heimweh, wir drei sind ja auch ganz gut befreundet." Und für Sonja ist der Wechsel nach Dresden schon so etwas wie eine Familientradition. "Meine beiden älteren Schwestern sind da auch auf die Sportschule gegangen", sagt sie. Seit ihren ersten Grundschultagen betreiben alle drei Leichtathletik beim OSC. Und sie alle sagen: "Es war immer ein Wunsch von mir, diese Schule besuchen zu dürfen."

Schon ein Jahr Erfahrung an der Sportschule Dresden hat die Löbauerin Selma Pospischil. Auch sie wollte dahin, seit sie mit sechs Jahren erstmals beim OSC trainierte. Mittlerweile hat sie schon einen ersten größeren Titel gewonnen. Bei den mitteldeutschen Meisterschaften in Magdeburg siegte sie im Hochsprung. Mit einer Leistung von 1,60 Meter könnte sie sich mit ihren 13 Jahren bereits selbst über den Kopf springen. Und damit legte sie die Latte sogar noch um fünf Zentimeter höher als der Sieger in der nächsthöheren Altersklasse. "Das ist meine Lieblingsdisziplin", sagt sie. Ob es je für die ganz große Karriere reicht, sie weiß es nicht, klar aber ist: "Sport will ich auch nach der Schule noch lange machen."

Selma Pospischil besucht seit einem Jahr die Sportschule in Dresden und wurde jetzt mitteldeutsche Meisterin im Hochsprung.
Selma Pospischil besucht seit einem Jahr die Sportschule in Dresden und wurde jetzt mitteldeutsche Meisterin im Hochsprung. © Matthias Weber/photoweber.de

Auch Selma ist froh, dass sie damals an der Schule bereits eine Freundin hatte, die ihr das Einleben erleichterte. Und sie kann ihren drei Vereinskameraden auch schon vom Schulalltag erzählen. "Zwei Mal in der Woche ist Frühtraining, von 6.30 Uhr bis zehn Uhr, danach Schule", berichtet sie. Zwei- bis dreistündige Trainingseinheiten gibt es ohnehin täglich. Unmotiviert darf man jedenfalls nicht sein. Und mit der Motivation hatten Sonja, Enya und Carlo während der Corona-Krise ein bisschen Probleme. "Zu der Zeit hatte ich plötzlich keine Lust mehr, das war so demotivierend", sagt Enya. Die Hallen geschlossen, gemeinsames Training nicht möglich - da kann man auch schnell den Anschluss verlieren.

Lob für die Trainerin

Doch dass der Wille zurückkam, dafür danken die drei auch ihrer Trainerin Ines Busch. Die habe mit ihnen per Videokonferenz ein Online-Training durchgeführt. "Da haben wir mit Hausmitteln gearbeitet, mit Töpfen, Besen und Küchenstühlen", erzählt Sonja und muss mittlerweile darüber lachen. So habe man die Stühle etwa für Sprungübungen benutzt und die Töpfe für einen Slalomparcours. Bei Enyas Lieblingsdisziplin, dem Hürdenlauf, haben diese Sprungübungen ganz offensichtlich gewirkt. "Ich bin jetzt schneller als vor Corona", sagt sie.

Voll des Lobes sind die drei für ihre bisherige Trainerin, die ihnen auch den Weg zur Sportschule geebnet hat. "Sie hat als Trainerin einen strikten Plan", sagt Enya. Und Carlo bemerkt dazu schon ganz professionell: "Daher kommt dann auch die Leistung." Auch Selma fand bei ihrem Abschied aus Löbau vor einem Jahr Dankesworte: "Ich wünsche mir, dass Du dem OSC Löbau, den Mini-Eisernen, noch ganz lange erhalten bleibst." Trainerin Ines Busch ihrerseits ist überzeugt von der sportlichen Zukunft ihrer bisherigen Schützlinge. "Die haben schon alle nötigen Anlagen. Sie müssen nur noch wachsen und kräftiger werden", sagt sie.

Am Vorbild wachsen

Jetzt freuen sich alle auch wieder auf künftige Wettbewerbe, besonders solche mit Publikum. Das besteht bei den unteren Leistungsklassen in der Regel ausschließlich aus Familienmitgliedern oder den Mitgliedern anderer teilnehmender Vereine - aber immerhin. "Publikum spornt an", sagt Selma Pospischil. Ansporn zu höher, schneller, weiter, dem olympischen Motto. "Und ja, Olympia ist natürlich schon irgendwie das Ziel", sagt sie. Und Enya Schmidt sieht das ganz genau so: "Wenn man keinen Ansporn hat, braucht man auch keine Sportschule zu besuchen."

Und olympische Vorbilder hat der Nachwuchs auch. "Malaika Mihambo", sagt Sonja Reck. Die amtierende Weitsprung-Weltmeisterin und neunfache Deutsche Meisterin aus Heidelberg holte jüngst in einem Gänsehaut-Finale Olympia-Gold in Tokio. Aber es sind gar nicht unbedingt die schon großen und bekannten Sportler, die sich Sonja, Enya, Selma und Carlo zum Vorbild nehmen. Wachsen am Vorbild heißt nämlich auch, sich bei anderen etwas abschauen, was die vielleicht besser machen - und solche Vorbilder sieht man in der Regel nicht im Fernsehen, sondern in nächster Nähe. "Ich nehme mir manchmal auch Sportkameraden an der Schule zum Vorbild und schaue, wie ich mich verbessern kann", sagt Selma. Und auch Carlo weiß schon, dass es im Sport auch immer um Verbesserung geht, will man nicht der zweite Sieger bleiben: "Man braucht sehr viel Ehrgeiz. Man muss hart arbeiten und viel trainieren, damit man Leistung bringt."

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