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Sport

Eibauer Gewichtheber zeigt perfekten EM-Wettkampf

Bei der Junioren-EM in Finnland schafft Erik Ludwig alle sechs Lasten. Einmal sah es aber die Jury anders.

Noch 15 Kilo fehlen bis zur deutschen Spitze für Erik Ludwig. Der junge Eibauer ist aber auf einem guten Weg.
Noch 15 Kilo fehlen bis zur deutschen Spitze für Erik Ludwig. Der junge Eibauer ist aber auf einem guten Weg. © Hans-Ernst Friedrich

Rovaniemi. Der 20-jährige Eibauer Erik Ludwig ist am Sonnabend zufrieden von den Junioren-Europameisterschaften im finnischen Rovaniemi zurückgekehrt. Nach einem starken fünften Platz in der Gewichtsklasse bis 96 Kilogramm und neuen persönlichen Bestleistungen ist der anstehende Urlaub - am Sonntag saß der Eibauer schon wieder im Flieger - mehr als verdient.

Im Reißen zeigte der Eibauer drei souveräne Versuche, schaffte ohne sichtbare Probleme 142, 146 und 148 Kilogramm. Seine alte Bestleistung, erst vor Kurzem bei einem Testwettkampf aufgestellt, lag bei 146 Kilogramm. Das brachte in dem starken Teilnehmerfeld den siebten Platz. „Wir waren damit mehr als zufrieden. Erst recht, weil sich Erik in der Woche vor dem Wettkampf einen fiebrigen Infekt eingefangen hatte und wir deshalb im Training die ganz schweren Lasten nicht angegangen sind. Die braucht man eigentlich, um sich das Selbstbewusstsein für den Wettkampf zu holen. Aber Erik hat das dann super gemacht“, sagte Trainer Thomas Faselt.

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Im Stoßen zeigte der Eibauer einen ähnlich starken Wettkampf, hob erst 178 Kilo, stellte dann seine persönliche Bestleistung von 183 Kilogramm und schritt zu seinem dritten Versuch von 186 Kilo, um damit vielleicht auch Konkurrenten um den Bronzeplatz unter Druck zu setzen. Er brachte diese Last auch nach einigem Kampf beim Aufstehen gut nach oben, sah von den Kampfrichtern an der Heberbühne auch weiße Fähnchen für einen gültigen Versuch und ging jubelnd über einen perfekten Wettkampf auf seine Betreuer zu. Dann aber der „Nackenschlag“: Die Jury griff ein, hatte vermeintlich ein verbotenes Nachdrücken bei der Stoßbewegung gesehen und überstimmte (ähnlich wie beim Videobeweis beim Fußball) die Kampfrichter an der Heberbühne.

Der Versuch wurde doch noch ungültig gegeben, was verständnislose und kopfschüttelnde deutsche Trainer zurückließ. Der Traum von Bronze war dahin, die Konkurrenten konnten dann auch noch ein paar Kilo drauflegen, so dass die drei Kilo mehr auch keine Platzverbesserung gebracht hätten.

Mit neuen persönlichen Bestleistungen im Reißen und im Zweikampf (331 kg) hat Erik Ludwig aber bewiesen, dass er unter dem Druck des großen Wettkampfs seine Topleistung abrufen kann. „Auch bezüglich unseres langfristigen Planes sind wir in unserem Zielkorridor. Mit dem eigentlich gültigen letzten Versuch und der kleinen Reserve wegen der Erkrankung im Vorfeld hat Erik sein Potenzial nachgewiesen. Nächstes Ziel wird es sein, den Abstand zur deutschen Spitze bei den Männern, da fehlen noch 15 Kilo, auszugleichen“, sagt Thomas Faselt. Nach dem Urlaub wird der Eibauer einen neuen Trainingszyklus beginnen. Die Bundesliga-Duelle werden als Trainingswettkämpfe genutzt. Im kommenden Frühjahr wird der nächste große Wettkampf anstehen, eventuell auch schon bei den Männern.

Schön in diesem Zusammenhang ist auch, dass Erik Ludwig nicht die einzige aktuelle Eibauer Hoffnung auf internationale Starts und Erfolge ist. Schwester Nancy, die lange Verletzungsprobleme mit einem Knie hatte, steigt demnächst wieder ins Training ein. Thomas Faselt sagt: „Die Ursache für ihre Knieprobleme ist endlich gefunden, die Operation ist erfolgt. Jetzt geht die Reha zu Ende. Wenn alles gut geht, können wir wieder richtig loslegen.“ Mit Louis Karnatz gebe es zudem eine weitere Nachwuchshoffnung. „Wir wollen da jetzt noch nicht zu viel reinlegen. Das Potenzial scheint da zu sein. Aber wir sollten mal ein, zwei Jahre abwarten, dann wissen wir, wohin die Reise bei ihm hingehen könnte, sagt Faselt.

Für alle drei jungen Gewichtheber ist extrem wichtig, dass das Gewichtheben nach den Negativschlagzeilen der vergangenen Jahre olympisch bleibt, wegen der Motivation des möglichen Olympiastarts, vor allem aber auch wegen der Sportförderung, die Erik und Nancy Ludwig genießen. Die wäre bei einem Ausschluss der Gewichtheber von Olympia wohl in Gefahr gewesen.

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