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So hat ein Kittlitzer seine Frau vergiftet

Der Tagelöhner Johann Haltschanz wollte sie wegen seiner Geliebten loswerden. Am Ende bezahlte auch er das vor 170 Jahren mit dem Tod.

Symbolbild
Symbolbild © David-Wolfgang Ebener/dpa

Todesstrafe für einen Kittlitzer! Am 21. Mai 1851 wurde sie vollstreckt. Hingerichtet wurde der 40-jährige Tagelöhner Johann Haltschanz, nachdem ihn das Landgericht als Mörder seiner Frau überführt hatte. Dabei deutete zunächst nichts auf ein Verbrechen hin, als Marie Haltschanz geb. Lehmann am 12. Juli 1850 starb. Doch es gab Gerede im Dorf. Die Haltschanz, so hieß es, „möge wohl keines natürlichen Todes gestorben sein“. Schließlich war allgemein bekannt, dass ihre Ehe längst keine gute mehr war. Zank und Streit dominierten, weil ihr Mann Johann Haltschanz eine andere hatte.

Der Fall kam zur Anzeige und damit in die Hände des Landgerichtassesors Schmidtgen. Doch für einen Mord fand dieser bei der ersten Leichenschau keine Anzeichen. Auch eine Obduktion am 15. Juli brachte zunächst kein Ergebnis. „Erst die chemische Untersuchung der in gerichtlichen Verschluss genommenen Eingeweide der Verstorbenen stellte eine gewaltsame Tötung mittelst Vergiftung durch Arsenik heraus“, so der Vermerk in den Akten. Haltschanz indes, vorsorglich ins Gefängnis nach Löbau gebracht, gab sich unschuldig. „Ich bin so rein, wie die Sonne am Himmel“, soll er gesagt haben.

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Tod unter heftigsten Schmerzen

So eiskalt blieb seine Geliebte Marie Schneider geb. Noack, verheiratet mit dem Kittlitzer Tagarbeiter Schneider, nicht. Sie gestand Haltschanz’ teuflischen Plan, sich beider Ehegatten zu entledigen. Nachdem Haltschanz am 23. Juni 1850 in Böhmen Arsen besorgt hatte, teilte er es mit Marie Schneider. Wörtlich soll er ihr angekündigt haben: „Meine Frau muss weg, und du musst deinen Mann auch fortschaffen.“ Einen ursprünglichen Plan, die Vergiftung mit Schwefelsäure vorzunehmen, der Branntwein zugesetzt wurde, hatte Haltschanz fallen gelassen.

Während seine Geliebte zu der Untat offenbar nicht fähig war, handelte Haltschanz. Er mischte am 9. Juli eine Messerspitze Arsen in den Quark, mit dem seine Frau die Frühstücksschnitten zu belegen pflegte. Er selbst aß nichts von diesen Broten, seine Frau aber langte ahnungslos zu und wurde mit „choleraartigem Erbrechen“ sofort schwer krank. „Ihr Tod erfolgte freitags, den 12. Juli, unter den heftigsten Schmerzen“, wurde protokolliert. Haltschanz besaß sogar noch die Stirn, den Verdacht auf den behandelnden Arzt zu lenken, indem er versuchte, dessen verordnete Medikamente mit Gift zu verfälschen.

Vor dem Schafott konnte das Johann Haltschanz nicht bewahren. Zeitungen und eigens zu dem Kriminalfall aufgelegte Extrablätter, die sich dem Fall damals ausführlich widmeten, bedienten sich dabei gern eines alten Sprichwortes: „Es ist nichts so fein gesponnen, daß es nicht käme an die Sonnen.“

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