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Teer und Knoblauch gegen Rinderpest?

Schon immer haben Tierseuchen die Menschen begleitet. Früher wurden sie in der Oberlausitz mit eigenwilligen Mitteln bekämpft.

In Hochkirch wurde die Rinderpest mit Bier-, Wein- oder Fruchtessig behandelt. Davon wurden jeder kranken Kuh täglich drei Kannen verabreicht, wie diese Illustration zeigt.
In Hochkirch wurde die Rinderpest mit Bier-, Wein- oder Fruchtessig behandelt. Davon wurden jeder kranken Kuh täglich drei Kannen verabreicht, wie diese Illustration zeigt. © SZ-Archiv

Die Afrikanische Schweinepest kommt gegenwärtig nicht aus den Schlagzeilen. Sie breitet sich weiter aus und ist schwer einzudämmen. Allerdings sind diese und andere Tierseuchen kein Phänomen der Neuzeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Maul- und Klauenseuche oder die Rindertuberculose besonders gefürchtet. Schon 200 Jahre zuvor starben massenweise Rinder, nachdem sie „die Lust am Fressen verloren, den Kopf hängen ließen und ihnen ein heißer Atem aus Rachen und Nase wehte“. Als Schuldigen an dieser Seuche betrachtete man das „Pohlnische Hornvieh“, das in die Oberlausitz eingeführt wurde. Folglich wurde angeordnet, dass an der Grenze alles Vieh zu schwämmen und die Pässe der Viehhändler genau „zu examinieren“ (prüfen) seien.

Um die Tierkrankheit in den Griff zu bekommen, wurde am 1. November 1752 auf dem „Königlich-Pohlnischen und Churfürstlich-Sächsischen Schloß Ortenburg zu Budißin“ eine behördliche Verordnung erlassen. So durfte dort, wo die Seuche auftrat, kein Viehmarkt mehr abgehalten werden. Krankes Vieh durfte nicht auf die Weiden getrieben werden. Waren Tiere „umgefallen“, also verstorben, mussten sie in eine fünf Ellen tiefe Grube (fast drei Meter) an abgelegenen Orten vergraben und mit ungelöschtem Kalk bedeckt werden. Das Verscharren sowie das Töten seuchenkranker Tiere blieb dem „Schinder“ vorbehalten. Namen wie Schinderhaus, Schinderbusch oder Schinderwiese erinnern heute noch daran.

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Pflegen durften das kranke Vieh nur ausgesuchte Leute. Sie hatten „leinwandtene Kittel und Kleider“ zu tragen. Pelze oder wollene Bekleidung waren streng verboten. Die Behandlung des Viehs erinnert aus heutiger Sicht an Quacksalberei. Die einen empfahlen „hitzige Mittel“ wie „Stenker, Teer, Terpentin, Therlack, Schwefelbalsam, Ingwer, Pfeffer, Knoblauch und Zwiebeln“. In Bautzen hatten die „Heilkundigen“ täglich „drei bis vier Loth Salpeter und sechs bis acht Loth Weinstein, die mit viel Wasser aufzukochen waren, in eisernen (nicht kupfernen) Töpfen zu verabreichen. (Ein Loth dürfte dabei etwa 16 Gramm entsprochen haben.) Weiter war man bereits im Raum Löbau. In einer Urkunde von 1774 wurde angeordnet, dass „die Ställe gut gelüftet und öfters auszumisten“ seien, wobei der Mist eingegraben werden musste. Weiterhin wurde empfohlen, die kranken Tiere „mit gutem Grase“, Heu oder Klee zu füttern und sie fleißig zu putzen und zu striegeln. In all diesen Anordnungen zur Bekämpfung der Rinderkrankheiten war stets allgemein von „Hornviehseuchen“ die Rede.

Dabei dürfte es sich eindeutig um die Rinderpest gehandelt haben, die zwischen 1750 und 1810 in Europa riesige Schäden anrichtete und auch vor der Oberlausitz nicht Halt machte. Da es aber noch keine tierärztliche Wissenschaft gab und Krankheiten vom Schmied, auch Kuhschmied genannt, vom Schäfer oder von Heilweibern kuriert wurden, war der Begriff „Rinderpest“ noch unbekannt. Erst um 1800 wurden sogenannte Tierarzneischulen eingerichtet, aus denen sich später die veterinärmedizinischen Fakultäten der Hochschulen entwickelten. (SZ)

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