merken
PLUS Löbau

Fast tödlicher Gefallen - wegen einer Katze

Ein junger Mann will eine Katze retten und stürzt vom Dach der alten Spinnerei in Ebersbach in die Tiefe - ein überschätzter Heldenmut.

Ein 23-Jähriger stürzte am Mittwoch von einem Dach der alten Spinnerei in Ebersbach.
Ein 23-Jähriger stürzte am Mittwoch von einem Dach der alten Spinnerei in Ebersbach. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Ein Gentleman zu sein, seiner Freundin einen beinahe heldenhaft anmutenden Gefallen zu tun - das ist ehrenhaft. Einen jungen Mann hätte dieser Charakterzug am Mittwochnachmittag beinahe das Leben gekostet - riskiert für eine Katze auf dem Dach.

Nach Informationen der Polizei hielt sich der 23-Jährige gemeinsam mit seiner Freundin und einer weiteren jungen Frau auf dem abgesperrten Fabrikgelände der ehemaligen Spinnerei an der Ebersbacher Bleichstraße auf. Das einsturzgefährdete Industrie-Ensemble ist ein verbotener Ort - aber ein für Jugendliche durchaus reizvoller "Abenteuer-Spielplatz". 

Weihnachten
Weihnachten kommt schneller als gedacht
Weihnachten kommt schneller als gedacht

Machen Sie Weihnachten zu etwas ganz Besonderem. Geschenketipps, Rezepte und Bastelideen finden Sie in der Weihnachtswelt von sächsische.de.

Gegen 15.30 Uhr entdeckten die drei eine Katze auf dem Dach eines der Spinnerei-Gebäude. Nach Angaben der Polizei handelte es sich dabei sogar um die Katze der Freundin des jungen Mannes. Möglicherweise deswegen machte sich der junge Mann auf zu seiner dramatischen Rettungsaktion. Entweder stieg er in einer Nische an der Außenfassade an dem Gebäude auf oder auch im Inneren - das ist noch nicht zweifelsfrei ermittelt. Jedenfalls gelangte er nach wenigen Minuten auf den Außengiebel des Daches in 20 Metern Höhe.

Hubschrauber mit Bergretter alarmiert

Aus noch unbekanntem Grund konnte sich der Mann dort nicht halten und stürzte vor den Augen seiner Begleiterinnen an der Außenseite in die Tiefe. Die ursprünglich verbreitete Erklärung, der Mann sei auf einem morschen Dach eingebrochen, hält die Polizei gemäß einer Erklärung gegenüber SZ nicht aufrecht. Die beiden Frauen alarmierten die Rettungswache - doch die Bergung des Mannes gestaltete sich in dem unübersichtlichen und verwinkelten Gelände überaus aufwendig.

"Aus Bautzen wurde der Rettungshubschrauber angefordert", sagt Thomas Kriegel, Stadtwehrleiter von Ebersbach-Neugersdorf, "der Hubschrauber hat auch einen Bergretter aufgenommen, für den Fall, dass man die Winde zur Bergung des Verletzten brauchen würde." Doch zu diesem Zeitpunkt war nicht einmal klar, ob man womöglich nurmehr einen Toten würde bergen können. Denn die Rettungskräfte hatten den jungen Mann noch gar nicht gefunden.

Von dem Dach in der Bildmitte stürzte der junge Mann in die Tiefe.
Von dem Dach in der Bildmitte stürzte der junge Mann in die Tiefe. © Markus van Appeldorn

Dank der jungen Frauen schnell gefunden

"Ohne Einweisung, also die Hilfe der jungen Frauen, wäre es wirklich schwer gewesen, den Mann zu finden", sagt Kriegel, "die Alarmmeldung war, er sei zwischen zwei Gebäudeteilen abgestürzt." Mit 31 Kameraden beider Ortsfeuerwehren war die Feuerwehr Ebersbach-Neugersdorf am Einsatzort. "Wir haben verschiedene Suchtrupps gebildet", sagt der Wehrleiter. Ein Team sei im Gebäude zum Dach aufgestiegen, um den Verunglückten von oben aus orten zu können. Weitere Trupps suchten auf dem Gelände.

Nach mehreren Minuten Suche fanden die Retter den Mann in einer Gebäudenische. Er war in einen von außen nicht einsehbaren Innenhof gestürzt. "Der Verletzte war beim Auffinden ansprechbar", sagt Kriegel - und spricht von dem riesigen Glück, das der Mann hatte: "Ein Sturz aus einer solchen Höhe endet normalerweise tödlich." Über das genaue Verletzungsbild könne er nichts sagen. Nach einer Erstversorgung hätten die Kameraden den Mann zum Hubschrauber gebracht, der ihn in eine Klinik flog. Nach Angaben der Polizei befindet sich der Mann nicht (mehr) in Lebensgefahr. "Auch die beiden Frauen waren geschockt und wurden mit Rettungswagen in eine Klinik gebracht", sagt Kriegel. Was aus der Katze wurde, wissen zur Stunde weder Polizei, noch Feuerwehr.

Das Gelände der alten Spinnerei ist zwar umzäunt, aber nicht hermetisch abgeriegelt. Stadtwehrleiter Thomas Kriegel warnt ausdrücklich davor, das Gelände zu betreten - nicht nur wegen der Einsturzgefahr der Gebäude. "Auf dem Gelände befinden sich viele Schächte, deren Abdeckungen mittlerweile teilweise fehlen", sagt er. Gerade wenn jemand allein auf dem Gelände unterwegs ist und ohne Zeugen in einen solchen Schacht stürzt, kann das leicht zu einer tödlichen Falle werden.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Löbau