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Unternehmervilla in Eckartsberg – ein Bau der Moderne

In der Oberlausitz gibt es Häuser, die viele Menschen kennen – aber nicht deren Geschichte. Die SZ stellt einige in loser Folge vor.

Die in den 1920er Jahren errichtete Fabrikantenvilla an der Geschwister-Scholl-Straße in Eckartsberg wird heute vom Verein „Come back“ als Lebenszentrum genutzt. Hier sind auch die Geschäftsstelle und Verwaltung des Vereins untergebracht.
Die in den 1920er Jahren errichtete Fabrikantenvilla an der Geschwister-Scholl-Straße in Eckartsberg wird heute vom Verein „Come back“ als Lebenszentrum genutzt. Hier sind auch die Geschäftsstelle und Verwaltung des Vereins untergebracht. © Falk Zimmermann

Mitte der 1920er Jahre entschloss sich der Unternehmer Peter Carl Neumann, in Zittau eine Fabrik zu errichten. Zugleich wurde eine Villa für deren Direktor Kurt Molineus gebaut. Er war Neumanns Schwager und wie dieser jung, zukunftsgläubig und vor allem wohlhabend. Bei der Bebauung des Wohngrundstücks wurde deshalb „modern“ agiert. Nicht nur die Architektur des Villengrundstücks übertrug man Experten. Auch Möbel, Tapeten und Gardinen wählten professionelle Innenarchitekten aus. Und selbstverständlich wurde auch die Gartenlandschaft professionell gestaltet.

In dieser Liga spielte in unserer Region wahrscheinlich nur noch die prominente Löbauer Schminke-Villa, eines der bekanntesten Bauwerke der Moderne. Auf jeden Fall entstand am Hang des Eckartsberges ein Vorzeige-Grundstück, das auch als „Eckartshof“ bezeichnet wurde. Und die prominenten Gestalter feierten sich in einschlägigen Fachzeitschriften. Die Ideen des Aachener Gartenarchitekten Theodor Ott wurden 1926 in der Zeitschrift „Die Gartenkunst“ publiziert. Man schwärmte vom fantastischen Blick auf Zittau und das dahinter liegende Gebirge. Erstaunlich, dass das Wasser des angrenzenden Eckartsbaches zur Speisung des vorgesehenen Badebeckens genutzt werden sollte. Die auf dem Grundstück gefundene und in die Gartengestaltung einbezogene Quelle reichte dafür möglicherweise nicht aus.

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Gelobt wurde vom Gartengestalter die Zusammenarbeit mit dem renommierten Düsseldorfer Architekten Emil Fahrenkamp. Auch Innenarchitekt Prof. Adelbert Niemeyer aus München war eine Größe in der Szene. In der Darmstädter Zeitschrift „Innendekoration“ beschrieb er 1929 seine Arbeit und freute sich, dass der Hausherr ihm dabei freie Hand gelassen habe. Der Zeit gemäß setzte Niemeyer vor allem auf Möbel der „Deutschen Werkstätten“ in Dresden-Hellerau. Allerdings sind sie heute kaum noch vorhanden. Sie wurden 1977 Opfer eines Brandes, der in der Villa ausbrach. Zu der Zeit wurde das Haus als Veteranenheim genutzt. Mahagoni-Vertäfelungen, Heizungsverschalungen sowie die meisten festen Einbauten aus Holz wurden ebenfalls vernichtet, auch ein Einbauschrank der Firma Theilig im Herrenzimmer.

Ein anderer Einbauschrank blieb glücklicherweise erhalten. Er wird heute in einer Gemeinschaftsküche vom Verein „Come back“ genutzt. Dieser der evangelisch-methodistischen Kirche nahestehende Verein leistet eine vielfältige Arbeit für suchtkranke Menschen. Als „Lebenszentrum Gilead“ ist die Villa in Eckartsberg nunmehr eines seiner neun Standorte in Zittau und Umgebung. So hilft die vor fast 100 Jahren entstandene Anlage heute vielen Menschen, in ihr Leben zurückzufinden.

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