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Milde Strafe für Motorrad-Seriendieb

Dem 30-jährigen Löbauer kommt sein Verhalten und sein Geständnis vor Gericht zugute. Der Mitangeklagte aus Leutersdorf muss nicht mal bis zum Ende bleiben.

Das Landgericht Görlitz.
Das Landgericht Görlitz. © Timotheus Eimert (Archiv)

Am Dienstagmittag hat ein 30-jähriger Löbauer das Landgericht Görlitz mit einem Lächeln auf den Lippen und Arm in Arm mit seiner Verlobten verlassen.

Der Grund: Er war noch einmal um eine (weitere) Gefängnisstrafe herumgekommen. Zu Beginn der Verhandlung gegen ihn vor zwei Wochen sah es noch nicht danach aus. Zu umfangreich und bedeutend waren die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, mehrere Motorräder gestohlen und in einer "Schrauberwerkstatt" in Kleinradmeritz bei Löbau Diebesgut gelagert zu haben, um damit zu handeln.

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Aber: Vor Gericht konnten nicht bei allen Straftaten die Zweifel ausgeräumt werden. Zum Beispiel blieb unklar, ob nicht vielleicht in Kleinradmeritz ein gefundenes Diebesgut schon vor der Anmietung durch die Angeklagten dort war oder – das Gelände war relativ frei zugänglich – andere die Sachen dort lagerten. Auch erwies sich der von der Anklage geschätzte Wert von Diebesgut in einigen Fällen als deutlich zu hoch. Jedenfalls wurde das Verfahren gegen einen 36-jährigen Mitangeklagten Leutersdorfer eingestellt. Er konnte die Verhandlung damit vorzeitig verlassen.

Offene Karten retten Angeklagten

Dazu beigetragen hatte auch das umfangreiche Geständnis des Löbauers. Der 30-Jährige räumte nicht nur ein, Mopeds und Motorräder in fünf Fällen gestohlen zu haben. Er schilderte glaubwürdig sein damaliges Befinden (die Taten liegen fast drei Jahre zurück) und gab an ein zwei Stellen sogar mehr zu, als ihm nachzuweisen gewesen wäre. Der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann nannte dieses "authentische Verhalten" des Angeklagten auch ausschlaggebend dafür, eine Bewährungsstrafe zu verhängen.

Das Gericht unter seinem Vorsitz verurteilte den Löbauer zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, ausgesetzt für drei Jahre zur Bewährung. Der Löbauer muss sich in die Obhut eines Bewährungshelfers begeben und ein Jahr lang eine Drogentherapie besuchen. Drogen und die Geldbeschaffung spielten bei den Straftaten eine wichtige Rolle.

Genauso entscheidend wie das authentische Geständnis des Angeklagten war wohl auch, dass er nach den jetzt angeklagten Taten anderthalb Jahre wegen anderer Straftaten im Gefängnis zubrachte. Erst im April durfte der 30-Jährige raus. Die "Knasterfahrung" scheint den jungen Mann geläutert zu haben. Er ist allem Anschein nach drogenfrei und kann glaubhaft machen, ernsthaft zu versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen. Ihn jetzt noch einmal für Straftaten aus dem "alten Leben" ins Gefängnis zu stecken, erschien dem Gericht nicht zielführend.

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Und der Löbauer weiß: ein Rückfall, eine neue Straftat - und die Bewährung wird widerrufen. Zwar haben der Angeklagte und sein Verteidiger Christian Penning noch im Gericht auf Rechtsmittel verzichtet, aber trotzdem ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin könnte noch Revision einlegen, auch wenn sie in ihrem Plädoyer ebenfalls eine Bewährungsstrafe forderte.

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