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Brücke auf B178-Route gesperrt: Brummi-Alarm auf der B6

Wegen einer Brückensperre auf dem Weg zur A4 müssen Schwerlaster jetzt in Löbau von der Schnellstraße. Das wird lange so bleiben - und kostet manchen Unsummen.

Wegen der gesperrten Brücke gibt's jetzt lange wesentlich mehr Lkw auf der B6 zwischen Löbau und Bautzen.
Wegen der gesperrten Brücke gibt's jetzt lange wesentlich mehr Lkw auf der B6 zwischen Löbau und Bautzen. © Matthias Weber/photoweber.de

Wer die B6 zwischen Löbau und Bautzen benutzt, sollte sich auf unbestimmte Dauer auf längere Fahrzeiten und massiven Lkw-Verkehr einstellen. Normalerweise benutzen die meisten Lkw auf dem Weg zur oder von der A4 die Schnellstraße B178n. Doch weil die nicht bis zur Autobahn gebaut ist, gibt es jetzt ein Problem an einem neuralgischen Punkt der Route: Die Straßenbrücke der S112 bei Wasserkretscham wurde für schwere Lkw gesperrt. Und als einzige Umleitung bleibt nur, bereits in Löbau von der Schnellstraße abzufahren und auf der B6 zur A4 zu gelangen. Für viele Verkehrsteilnehmer lästig - und für manche wird diese Sperrung richtig teuer.

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Seit dem 26. August ist das Nadelöhr bei Wasserkretscham für Lkw über 3,5 Tonnen dicht. "Diese Einschränkungen erfolgen aufgrund des aktuellen Bauzustandes zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit", heißt es zum Grund der Sperrung vom Landesamts für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). "Die Brücke ist alt und kaputt", konkretisiert Andreas Biesold, Bautzner Niederlassungsleiter des Lasuv das auf SZ-Anfrage - und dieser Zustand ist natürlich nicht erst seit gestern bekannt. "Die Erneuerung der Brücke über das Löbauer Wasser ist in der Planung, die im Rahmen des 100-Bauwerke-Programms erfolgt, bereits fortgeschritten", teilt das Amt weiter mit - jenes "100 Bauwerke"-Programm wurde übrigens bereits 2014 aufgelegt. Vorgesehen sei nun eine Erneuerung des Überbaus und eine Verstärkung des Unterbaus der Brücke. Und das wird dauern: "Derzeit werden die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren erarbeitet. Diese sollen voraussichtlich Ende des Jahres bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht werden", schreibt die Behörde.

Höhere Unfallgefahr wegen vieler Brummis?

Über unbestimmte Zeit werden jetzt viel mehr Schwerlaster über die B6 rollen als bisher. Und das könnte auch zu einer höheren Unfallgefahr führen - etwa weil sich jemand wegen eines langsamen Lkw zu einem riskanten Überholmanöver hinreißen lässt. Die Polizei hat die Situation durchaus im Auge. "Die Polizeidirektion Görlitz wurde bereits frühzeitig (2020) über den baulichen Zustand und die Erforderlichkeit einer Sanierung informiert und um Stellungnahme im Rahmen der Bauplanung gebeten. Auch im Vorfeld der aktuellen Einschränkungen wurde die Polizei einbezogen", teilt die Polizei dazu auf SZ-Anfrage mit.

Derzeit sieht die Polizei aber kein erhöhtes Unfallrisiko auf der Strecke. "Die Bundesstraße hat sich in den vergangenen Jahren als Umleitungsstrecke für die Staatsstraße 111, immerhin auch als Bedarfsumleitung der Bundesautobahn zwischen Bautzen und Weißenberg, wiederholt bewährt", heißt es. Die B6 beweise auch im laufenden Jahr, dass sie eine höhere Verkehrsbelastung aufnehmen kann. "Ein Anstieg der Verkehrsunfallzahlen ist bislang nicht spürbar", teilt die Polizei mit. Dennoch: "Die Polizeidirektion Görlitz wird den Verkehrsfluss und das Unfallgeschehen in dem Bereich auch zukünftig beobachten und regelmäßig bewerten", heißt es. Sollte Handlungsbedarf bestehen, zum Beispiel bei zusätzlichen örtlichen oder witterungsbedingten Einschränkungen, erfolge zeitnah der Austausch mit der Verkehrsbehörde.

Umleitung kostet Spedition bis zu 8.000 Euro pro Monat

Was für Autofahrer einfach nur lästig ist, ist insbesondere für einen Spediteur immens teuer. Die Spedition der Eibauer Familie Göttlich hat ihren Sitz in Maltitz - kaum einen Kilometer von der nun gesperrten Brücke entfernt. Unter normalen Umständen gelangen die Sattelzüge der Spedition innerhalb weniger Minuten auf die A4. Nun aber müssen die 40-Tonner den Umweg über Löbau und die B6 nehmen. "Das betrifft täglich etwa zehn Fahrzeuge", sagt Michaela Göttlich. Und je nachdem, wohin diese Lkw fahren bedeutet das für Hin- und Rückfahrt einen Umweg von bis zu 80 Kilometern - zuzüglich Zeitverlust. "Die Fahrer können dann einfach nicht mehr so viel erledigen", sagt Göttlich.

Und vor allem benötigt so ein 40-Tonner auch Kraftstoff - und die Kraftstoffkosten sind einer der wichtigsten Faktoren im Transportgeschäft. Um die 26 Liter Diesel schluckt so eine Sattelzugmaschine auf 100 Kilometer - gerechnet auf einen Umweg von 80 Kilometern sind das fast 21 Liter. Bei zehn Lkw der Spedition, die das täglich betrifft, kommen da bis zu 210 Liter Mehrverbrauch am Tag und bis zu 4.200 Liter Dieselmehrverbrauch im Monat zusammen - und dieser Kraftstoff kostet bei einem Literpreis von 1,40 Euro beinahe 5.900 Euro pro Monat. Hinzu kommen noch zusätzliche Gebühren für die Lkw-Maut. Die beträgt abhängig von Schadstoffklasse und Achszahl bei 40-Tonnern 17,3 bis 19,8 Cent pro Kilometer. Das summiert sich auch auf bis zu etwa zehn Euro Pro Tour, bei zehn Fahrzeugen und 20 Einsatztagen pro Monat also auf weitere bis zu 2.000 Euro pro Monat. "Und diese Mehrkosten wegen der Umleitung kann ich nicht auf meine Kunden umlegen", sagt Michaela Göttlich.

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