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Ein Gleis so leer wie die Versprechungen

Mit dem Fahrplanwechsel sollten Züge wieder durch Seifhennersdorf rollen. Tun sie aber nicht. Stattdessen gibt es nun einen neuen Touristenzug.

Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt wünscht sich schnell wieder Zugverkehr für den Ort.
Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt wünscht sich schnell wieder Zugverkehr für den Ort. ©  Archiv: Matthias Weber

Am Sonntag ist Fahrplanwechsel bei der Bahn. Doch für einen Ort ändert sich dabei - mal wieder - nichts: Seifhennersdorf. Eigentlich war vorgesehen, dass ab diesem Zeitpunkt der seit 2015 währende Schienenersatzverkehr von Varnsdorf aufgehoben und die Züge aus Zittau wieder bis Seifhennersdorf rollen könnten. Ist aber nicht so. Die Schuld dafür schiebt einer dem nächsten zu - und der genervten Bürgermeisterin von Seifhennersdorf, Karin Berndt (UBS), bleibt nur eines: Warten.

Wie hoffnungsvoll dieses Versprechen des Streckenbetreibers Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) doch geklungen hatte: Er rechne damit, so DRE-Chef Gerhard Curth, dass spätestens zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember hier wieder Züge rollen werden - das war im Januar. Und die Hoffnung war ja durchaus berechtigt. Nachdem eine Gesetzesänderung die Nutzung der Strecke wieder möglich gemacht hatte, hatte sich die DRE daran gemacht, die Trasse freizuschneiden und auch die teils marode gewordenen Schienen wieder herzurichten. Eine zur Wiederbetreibung nötige technische Abnahme durch die Aufsichtsbehörde war ursprünglich für den August vorgesehen.

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Bahn kündigt dem Streckenbetreiber

Und jetzt das: "Das liegt nicht an uns, sondern an der DRE. Die lassen da keinen rüberfahren", sagt Pressesprecherin Sandra Trebesius vom Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) auf SZ-Anfrage. Wann es soweit sei, sei "nicht absehbar", so Trebesius. Die Züge können dort nicht fahren, weil der Infrastrukturbetreiber die Strecke nicht zur Verfügung stellt", sagt Zvon-Geschäftsführer Christoph Mehnert und wird konkreter. Für die damals nötige Abnahmefahrt habe die DRE "die Notwendigkeiten nicht bereitgestellt". Auch habe die DRE vorgegebene Pflichten nicht erfüllt. So müssten sich Fahrgäste "durch einen Urwald" zum Bahnsteig durchkämpfen. Dort fehle es darüber hinaus an einem Wetterschutz und der nötigen Beleuchtung.

Mehnert gibt der DRE ohnehin nicht mehr viel Aussicht, die Strecke in Zukunft zu betreiben. "Die DB-Netz hat der DRE den Pachtvertrag gekündigt, die DRE ist dagegen in Widerspruch gegangen", sagt er. Zudem habe der Freistaat die DRE aufgefordert, Stellung zur Betriebspflicht zu nehmen - mit der Möglichkeit, der DRE die Betriebserlaubnis zu entziehen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich da alles in Wohlgefallen auflöst und da morgen wieder Züge fahren", sagt Mehnert.

Bahnübergang Nordstraße jetzt gesichert

SZ hat den Bahnhof von Seifhennersdorf in Augenschein genommen und festgestellt: Zvon-Geschäftsführer Christoph Mehnert hat nicht recht. Der Bahnsteig in Seifhennersdorf ist frei zugänglich und von jeglichem Wildwuchs befreit. DRE-Chef Gerhard Curth bestätigt auf SZ-Anfrage die von der DB ausgesprochene Pachtvertrags-Kündigung und auch, vom Freistaat zu einer Stellungnahme aufgefordert worden zu sein. Curth widerspricht aber den von Zvon-Chef Mehnert geäußerten Vermutungen. "Das Kündigungsverfahren ist für den Betrieb der Strecke völlig unerheblich", sagt er. Darüber hinaus gebe es keinerlei Handhabe, seinem Unternehmen die Betriebserlaubnis zu entziehen. Der tatsächlich noch fehlende Wetterschutz auf dem Bahnsteig werde kurz vor Wiederinbetriebnahme aufgebaut, "damit wir nicht vorher schon Vandalismusschäden haben", so Curth.

Auch das lange drängendste Problem hat die DRE mittlerweile gelöst - die Sicherung des Bahnübergangs Nordstraße. Dort wurde eine Ampelanlage installiert, die künftig vom Lokführer eines herannahenden Zuges fernbedient wird. "Das ist jetzt eine zugelassene technische Sicherung", sagt Curth. In Zusammenhang mit dieser Installation erhebt Gerhard Curth allerdings Vorwürfe gegen die Stadt Seifhennersdorf. Die sei zwar immer so interessiert an der Wiederaufnahme des Bahnbetriebs, habe aber den Aufbau der Ampelanlage behindert. "Da war sogar Polizei da, als wir die aufbauen wollten", sagt er.

Am Bahnübergang Nordstraße in Seifhennersdorf ist jetzt eine Ampelsicherung installiert worden, um wieder Zugverkehr möglich zu machen.
Am Bahnübergang Nordstraße in Seifhennersdorf ist jetzt eine Ampelsicherung installiert worden, um wieder Zugverkehr möglich zu machen. © Markus van Appeldorn
Mit der den Gleisen zugewandten Signalanlage kann der Lokführer kontrollieren, ob der Bahnübergang gesichert ist.
Mit der den Gleisen zugewandten Signalanlage kann der Lokführer kontrollieren, ob der Bahnübergang gesichert ist. © Markus van Appeldorn
Der Bahnsteig des Bahnhofs Seifhennersdorf ist für Fahrgäste wieder frei zugänglich. Weil der Bereich der Überdachung gesperrt ist, fehlt noch ein Wetterschutz.
Der Bahnsteig des Bahnhofs Seifhennersdorf ist für Fahrgäste wieder frei zugänglich. Weil der Bereich der Überdachung gesperrt ist, fehlt noch ein Wetterschutz. © Markus van Appeldorn

Im Januar soll endlich freie Fahrt herrschen

Moment mal, sagt Bürgermeisterin Karin Berndt zu diesem Vorgang vor einigen Wochen. Für so eine Installation brauche es eine verkehrsrechtliche Anordnung. "Die sind gekommen wie die Friseure und haben da große Betonklötze auf den Gehsteig gestellt." Der Gehsteig war zu. Dagegen seien tatsächlich der Bürgerpolizist und ihr Ordnungsamtsleiter eingeschritten. "Die Mitarbeiter der DRE haben auch unumwunden zugegeben, zu wissen, dass sie eine Genehmigung brauchen - diese aber nicht hätten", schildert Berndt. Diese Genehmigung habe dann zunächst eingeholt werden müssen - was die Installation naturgemäß verzögerte.

Dieses Problem ist nun aber beseitigt. "Fakt ist: Wir sind fertig", sagt Gerhard Curth. Die noch nötige Probefahrt zur Abnahme und Zulassung der Strecke sei für Januar anberaumt - dann könnte der Zugverkehr sofort wieder rollen. Karin Berndt gibt sich zuversichtlich: "Ich hoffe, das wird dann nicht bis zum nächsten Fahrplanwechsel dauern. Denn die Bürger fragen oft, wann denn wieder Züge fahren."

Das sind die Änderungen im Fahrplan

Bahnlinie Dresden - Görlitz

Neu auf der Linie Dresden-Görlitz ist von Montag bis Freitag ein Regionalexpress (RE) um 7.09 Uhr ab Görlitz nach Bischofswerda. Dort besteht Anschluss zum RE aus Zittau nach Dresden. Dafür entfällt die Regionalbahn (RB) um 8.23 Uhr ab Görlitz nach Bischofswerda. Sonnabends verkehrt zudem eine neue RB in den frühen Morgenstunden zwischen Bischofswerda und Görlitz.

Der RE, der jetzt um 20.08 Uhr von Bischofswerda nach Görlitz fährt, startet montags bis sonnabends künftig schon in Dresden. Die RB 22.08 Uhr ab Bischofswerda verkehrt künftig täglich bis nach Görlitz. Ebenfalls täglich fährt neu eine RB um 22.15 ab Görlitz nach Dresden.

In Dresden-Neustadt gibt's neue Anschlüsse zum Beispiel nach Berlin und Warnemünde. In Dresden-Hauptbahnhof werden mehr Anschlüsse zu Nahverkehrszügen erreicht. In Richtung Wrocław gibt es eine neue schnelle Verbindung mittags sowie eine zusätzliche Frühverbindung.

Bahnlinie Dresden - Zittau

Zwischen Dresden-Zittau halten zwei Züge zusätzlich in Sohland, um 7.34 Uhr in Richtung Dresden und um 16.24 Uhr in Richtung Zittau. Außerdem fahren von Montag bis Freitag vier Zugpaare durchgehend von Dresden bis Liberec. Am Wochenende sind es acht. Vereinzelt neue Anschlüsse vergrößern das Fahrtenangebot zwischen der Oberlausitz und Liberec.

Die Regionalbahn 4.14 Uhr ab Zittau nach Bischofswerda verkehrt nur noch Montag bis Freitag. Für Reisende aus und in Richtung Oberland/Zittau verlängern sich in Dresden-Neustadt die Umsteigezeiten von und zu den ICE aus und in Richtung Erfurt und Frankfurt/Main.

Neue touristische Verbindung in die Böhmische Schweiz

Liberec–Zittau–Varnsdorf–Seifhennersdorf L7

Die bisherige Linie L7 verkehrt künftig nur noch im Abschnitt Liberec–Zittau–Varnsdorf–Seifhennersdorf. Der Streckenabschnitt Varnsdorf–Rybniště wird von der Tschechischen Bahn als Linie U9 bedient.

Auf diesem Abschnitt verkehrt ab voraussichtlich ab 2. April 2021 eine neue touristische Linie T9. Diese wird bis 31.Oktober 2021 an Wochenenden von Liberec über Zittau, Varnsdorf und Rybniště nach Mikulášovice verkehren. Damit besteht eine umsteigefreie Verbindung von Zittau bis in die Böhmische Schweiz.

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