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Wie groß ist die Chance für Zugverkehr zwischen Ebersbach und Löbau?

Seit 2002 fahren keine Personenzüge mehr, aufgegeben war die Strecke aber nie. Jetzt prüft der Freistaat den Abschnitt. Eine Suche nach Vorteilen und Hürden.

Karl-Ernst Simm steht am Bahnhof Ebersbach und setzt sich seit Jahren dafür ein, dass zwischen Löbau und Ebersbach wieder Personenzüge fahren.
Karl-Ernst Simm steht am Bahnhof Ebersbach und setzt sich seit Jahren dafür ein, dass zwischen Löbau und Ebersbach wieder Personenzüge fahren. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Für Karl-Ernst Simm hat sich der 17. August wie ein kleiner Feiertag angefühlt: Es war jener Dienstag, an dem der Freistaat bekannt gegeben hat, dass die Eisenbahnstrecke Löbau-Ebersbach zu den sechs von 21 Strecken im Freistaat gehört, auf denen bald wieder Personenzüge rollen könnten. Nach so vielen Jahrzehnten Klinken putzen, Briefe schreiben und Werben für dieses Ziel kam der Erfolg dann fast ein bisschen überraschend für den Ebersbacher. "Ich war erstaunt und erfreut", sagt Simm, der sich als früherer Stadtrat und Eisenbahner sehr für die Verbindung eingesetzt hat.

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Während über die Wiederbelebung der Herrnhuter Strecke immer wieder viel diskutiert wurde, war es zuletzt um die 15,6 Kilometer Schienen zwischen Löbau und Ebersbach ruhiger geworden. Das Interesse und das Engagement waren aber nach wie vor da - vor allem aufseiten der Stadt Ebersbach-Neugersdorf, betont Bürgermeisterin Verena Hergenröder (parteilos). "Es geht um Erreichbarkeit, Attraktivität und auch um die Verbindung nach Tschechien und weiter bis nach Bad Schandau und Sebnitz", erklärt sie. Eine bessere Anbindung an Bautzen und Dresden und vor allem Görlitz stehe hier im Vordergrund.

Zugverbindung gut für Schülerverkehr

Das betont auch der städtische Wirtschaftsförderer Stefan Halang, der gemeinsam mit Karl-Ernst Simm die Strecke immer im Gespräch gehalten hat. "Wer jetzt von Ebersbach nach Görlitz will, fährt erst mit dem Zug nach Zittau und dann von dort weiter mit dem Zug nach Görlitz", skizziert Halang die langen Wege in die Kreisstadt. Selbst für Schüler - beispielsweise der Schkola in Ebersbach - könnte es von Vorteil sein, wenn die Bahn wieder von Löbau nach Ebersbach fahren würde. "Wir begrüßen jede zusätzliche Möglichkeit", sagt Schkola-Geschäftsführerin Ute Wunderlich. Schon jetzt reisten Schüler aus Richtung Zittau mit dem Zug an. Der Weg vom Bahnhof bis zur Schule sei kein Problem. Generell könnte der Schülerverkehr von der Bahnstrecke profitieren.

Der Tourismus spielt bei der Idee der Wiederbelebung aber ebenfalls eine große Rolle - gerade mit Blick auf Gäste, die ins Tschechische oder eben auf diesem Wege in die Sächsische Schweiz reisen wollen. Vor Jahren ist man auf deutscher Seite genau auf dieser Stelle auf halbem Weg stehengeblieben: "Im Landkreis Löbau schon hat man die Verbindung über Tschechien bis nach Bad Schandau einrichten wollen", erinnert sich Simm, "sogar die Fahrpläne lagen fertig in den Schubladen." Fahrpläne hat auch der Eisenbahner im Ruhestand bereits entwickelt und sogar Anschlüsse für Fahrten bis ins Polnische und nach Cottbus auf der einen, und über Bad Schandau bis Prag auf der anderen Seite beschrieben.

Die Bahnstrecke Löbau-Ebersbach hat Chancen, dass hier wieder Personenzüge rollen.
Die Bahnstrecke Löbau-Ebersbach hat Chancen, dass hier wieder Personenzüge rollen. © SZ Grafik

Zwischen Löbau und Ebersbach geht Karl-Ernst Simm von 14 Minuten Fahrzeit aus. Die Strecke, so betont er, sei generell in einem guten Zustand, stellenweise könne man 100 Kilometer pro Stunde fahren, im Falle einer Sanierung der Strecke müssten Signalanlagen an den Bahnübergängen eingebaut werden, was das derzeit mögliche Tempo deutlich erhöhen würde. Bei den größeren Bauwerken wie Viadukten geht Simm ebenfalls von einem insgesamt soliden Zustand aus. "Dass es funktionieren kann, auf der Strecke zu fahren, hat sich ja beim Tag der Sachsen in Löbau gezeigt", sagt Simm und verweist auf die Angebote der Ostsächsischen Eisenbahnfreunde, die diese Strecke immer wieder auch für ihre Sonderfahrten nutzen.

Strecke war nie ganz abgeschrieben

Ganz abgeschrieben war die Strecke auch bei den Regionalplanern - also denen, die große Entwicklungslinien für die Zukunft vorgeben - noch nicht. Im Regionalplan ist die Strecke gerade mit Blick auf die Verlängerung nach Tschechien enthalten. Besonders die ab 2014 als durchgehende Verbindung genutzte Nationalpark-Bahn, die durchaus gut angenommen wird, über Rumburk (Rumburg) - Dolni Poustevna (Neueinsiedel) - Sebnitz - Bad Schandau - Schöna - Decin (Tetschen) biete "Potenziale für eine attraktive Weiterführung" nach Ebersbach und in Richtung Seifhennersdorf und Zittau, heißt es unter anderem im Entwurf zur laufenden Planfortschreibung. "Damals, 2014, haben wir auch unser Engagement noch einmal verstärkt", erinnert sich Karl-Ernst Simm, der sogar für Ebersbach-Neugersdorf Unterschriften im Raum Sebnitz für eine Anbindung nach Ebersbach gesammelt hatte. Doch es tat sich erst einmal nichts.

Dass auf der Strecke für den nahen Steinbruch noch Güterverkehr betrieben wird - Personenzüge rollen seit Ende 2002 nicht mehr - ist ein Vorteil, denn so verfielen die Anlagen nicht gänzlich, die Strecke gilt als "in Betrieb". Allerdings müssten die Gleise auch für eine Beschleunigung des Güterverkehres instandgesetzt werden, heißt es schon im Regionalplan.

Aktuell ist aber wieder Geduld gefragt. Denn die Staatsregierung kann derzeit weder genau sagen, wie schnell nun alles vorangeht, noch, ob die Strecke Löbau - Ebersbach wirklich für den Personenverkehr reaktiviert wird. Die bisher anvisierten Strecken seien eine Vorauswahl, nun werden genauere Analysen und Gespräche auch mit den Handelnden vor Ort folgen. Auch die Kostenfrage wird entscheidend sein. Karl-Ernst Simm wird für die Stadt Ebersbach-Neugersdorf als Fachmann dabei zur Verfügung stehen. Schließlich wäre es nicht nur für ihn ein Feiertag, wenn er auf dem Bahnhof Ebersbach wieder Personenzüge aus Löbau ankommen sieht, die am Ende vielleicht sogar bis ins Tschechische und ins Elbsandsteingebirge weiterfahren.

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