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Der Verdruss mit dem Bus

Seit Januar gilt zwischen Löbau und Zittau ein neuer Fahrplan: Prompt wird Kritik laut. Manche Orte fühlen sich abgehängt, auch bei Schulbussen knirscht's. Bleibt das so?

Der neue Busfahrplan gilt seit zwei Monaten, der Kreis reagiert auf erste Kritiken - beispielsweise aus Lawalde.
Der neue Busfahrplan gilt seit zwei Monaten, der Kreis reagiert auf erste Kritiken - beispielsweise aus Lawalde. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Seit Januar gilt im südlichen Landkreis ein neuer Busfahrplan. Nahezu alles ist dabei neu: Verbindungen und Liniennummern, Abfahrtszeiten und Taktung, sogar die Startzeiten des Schulunterrichts haben sich in vielen Orten wegen der Busse verändert. Nun gibt es erste Kritik: Eltern sind verärgert, weil Kinder eine schlechtere Anbindung zur Schule haben oder umsteigen müssen. Manche Ortsteile fühlen sich abgeschnitten, weil Haltestellen nicht mehr bedient werden. Das ist auch die Hauptkritik, die bislang beim Landkreis angekommen ist. SZ fragte beim Leiter des Kreis-Ordnungs- und Straßenverkehrsamtes, Falk Werner Orgus, und Sachgebietsleiter Straßenverkehr, René Weichenhain, nach Problemen und möglichen Lösungen:

Grundschule Kleindehsa: Kinder eine Stunde zu früh da

Schulleiterin Katrin Platzek hadert mit dem Busplan. Der Unterricht an ihrer Grundschule mit 90 Kindern beginnt seit Herbst wegen des neuen Busplanes um 8.10 Uhr - eine halbe Stunde später - mit enormen Nachteilen: "Die meisten Kinder sind bereits gegen 7 Uhr im Frühhort, weil die Eltern in Schichten arbeiten und zur Arbeit müssen", skizziert sie. Ein Schulbus fährt um diese Zeit aber nicht, der ist erst viel später unterwegs und braucht insgesamt länger für den Weg. "Wir wünschen uns ohnehin, wieder früher mit der Schule anfangen zu können", sagt die Schulleiterin.

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"Von diesem Problem wussten wir bislang nichts", sagt René Weichenhain, Sachgebietsleiter Straßenverkehr. Weder der Schulträger Löbau noch die Schule hatten das so im Vorfeld kommuniziert, betont er. Auch über das extra eingerichtete Beschwerdemanagement, das mit dem Fahrplan an den Start gegangen ist, sei kein Hinweis eingegangen. "Wir haben im Vorfeld den Schulen immer gesagt, sie sollen die neuen Pläne mit den Eltern besprechen", betont Falk Werner Orgus. Die Situation wolle man aber dennoch zu lösen versuchen und das Gespräch suchen.

Abgehängt: Lawalde-Sand, Dittersbach, Oberherwigsdorf

Das man sich beim neuen Busplan was Gutes gedacht hat, stellt Lawaldes Bürgermeisterin Nadja Kneschke (parteilos) nicht in Abrede: "Aber für uns ist das Ergebnis unbefriedigend." Der Bewohner im Ortsteil Sand, laut Bürgermeisterin knapp ein Viertel der Lawalder Einwohner, fühle sich abgeschnitten. Abgesehen von den Verbindungen, die von Schülern am frühen Morgen genutzt werden, sei mit dem Bus in Lawalde-Mitte Schluss - bis nach Sand sind es dann noch ein bis anderthalb Kilometer.

Falk Werner Orgus will das so nicht stehen lassen: "Lawalde ist durch den Plusbus, der stündlich verkehrt, insgesamt besser angebunden als bislang." Zudem sei bisher nur eine Beschwerde diesbezüglich beim Kreis angekommen. Man werde prüfen, ob etwas zu verändern sei - zum Beispiel mit Blick auf das Training eines Sportvereins, zu dem auch viele Löbauer Kinder am Nachmittag kommen. Aber generell gelte, was der Kreistag 2009 einmal festgezurrt habe: Orte mit einer Einwohnerzahl um die 200 werden nicht angefahren. Zumal auch die Nutzerzahlen bisher viel zu gering waren: "Mit noch nicht mal 20 Fahrten im Wochenschnitt ist das einfach zu wenig", sagt Orgus. Bürgermeisterin Kneschke habe zugesagt, eine kleine Umfrage im Ort zu machen. Das Ergebnis werde man prüfen.

In Dittersbach liegt das Problem ähnlich. Anwohner Christian Haensch, der sich beim Kreis mehrfach beschwert hat, kritisiert unter anderem, dass die Fahrt nach Ostritz zum Hausarzt für viele ältere Einwohner nicht mehr per Direktverbindung möglich sei - und auch nicht in Richtung Zittau. Dafür könnten die Dittersbacher nun nach Reichenbach durchfahren - was wenig erstrebenswert erscheine.

Der Kreis hält dagegen: Dittersbach ist zu klein und die bisherige Nutzerzahl war verschwindend gering. "Unserer Meinung nach, müssten Arztbesuche oder der Besuch des Wochenmarktes in Bernstadt und Ostritz problemlos möglich sein", gibt sich der Kreis überzeugt: Am Vormittag gebe es - mit Umsteigen - zwei Fahrten von 34 Minuten und zwei mit 55 Minuten nach Ostritz, am Nachmittag drei Fahrten nach Ostritz. In der anderen Richtung sind täglich sechs Fahrten im Plan. Die bisherigen Nutzerzahlen legten zudem nicht nahe, dass so viele Menschen bislang die Linie zum Arztbesuch genutzt hätten. "Wir haben mit dem Ortschaftsrat und auch mit dem Bürgermeister darüber gesprochen und uns zur aktuellen Version verständigt", sagt Orgus. Nachbesserungsbedarf sehe er aufgrund der bisherigen Argumente bei den Beschwerden nicht.

Auch für einige Straßenzüge in Oberherwigsdorf ist der Weg zum Bus nun deutlich länger geworden. "Wir können zusätzliche Haltestellen nur dann in den Plan aufnehmen, wenn an anderer Stelle welche wegfallen", betont Falk Werner Orgus. Für solche Fälle könne aber bald ein Angebot interessant werden, das der Landkreis derzeit vorbereitet: die Mobilitätszentrale. Bis Sommer solle das System aufgebaut sein und auf gemeinsamer Finanzierung von Kreis, Kommune und Nutzern funktionieren.

Schkola Ebersbach: Schlechte Anschlüsse, lange Fahrten

Die Schkola hat zwar mit dem Kreis im Vorfeld sehr gut zusammengearbeitet, "aber die Tücken zeigen sich meist erst in der Praxis", sagt Schkola-Chefin Ute Wunderlich. Für Schüler vom Eigen, aus Herrnhut und seinen Ortsteilen aber auch aus Oderwitz gibt es aktuell Probleme mit der Verzahnung von Bus und Bahn, die Schüler sind zum Teil extrem lange unterwegs, warten länger auf Anschlüsse oder erreichen sie nicht.

René Weichenhain betont, dass man bereits im Gespräch sei und bleiben werde, um hier Lösungen zu finden. Er macht aber zugleich deutlich, dass es sehr schwierig sei bei Schulen mit so großem Einzugsbereich, es jedem Schüler passgerecht zu machen. "Wir müssen in den Planungen von der nächst gelegenen Schule ausgehen", sagt er. Dennoch sei man von Anfang an mit der Schkola in gutem Gespräch gewesen.

Großschweidnitz & Schlegel: Umsteigen an Bundesstraße?

Dass Grundschüler umsteigen müssen, ist laut Schülerbeförderungssatzung statthaft. Muss das aber an einer viel befahrenen Bundesstraße sein? Schüler aus Löbau und Großschweidnitz, die zur Schkola oder nach Ebersbach wollen, müssen nun nicht nur an einer Staatsstraße statt im Ort selbst einsteigen, sondern am Goldenen Löwen auch die Bundesstraße queren, um ihren Bus zu erreichen, schildert Mirko Wagner aus Großschweidnitz, dessen Kind betroffen ist. Diese Problematik - zuzüglich ungünstigerer Fahrzeiten - bestätigt auch Schkola-Chefin Wunderlich. Sie habe deswegen auch schon eine Abmeldung eines Schülers aus dem Raum Löbau für das kommende Schuljahr auf dem Tisch.

Mit der B99 überqueren zudem auch die Schlegler Grundschüler, die zur Schkola wollen, eine Bundesstraße und zwar auf einer Strecke mit Tempo 100. Auch das ist den Eltern zu riskant.

Das Problem mit der B99 kennt man beim Kreis - und weiß auch eine simple Lösung: "Wenn die Kinder noch zwei Haltestellen weiter, Richtung Hirschfelde fahren, können sie dann gefahrlos umsteigen und müssen dabei keine Straße queren", sagt René Weichenhain. Das sei leider bislang nicht so kommuniziert worden. Was das Umsteigen am Goldenen Löwen betreffe, so werde man dies vor allem mit Blick auf die Verkehrssicherheit nochmals prüfen.

Lückendorf: Gemeinde organisiert Hort-Bus

In Lückendorf waren die Ängste vor der Busplan-Änderung groß - vor allem wegen der Linien nach Zittau an die weiterführenden Schulen. Thema war nun aber eine ganz andere Problematik: Die Lückendorfer, die an die Jonsdorfer Grundschule gehen, müssten auf dem Weg zum Hort in Lückendorf umsteigen. "Das machen die Busfahrer zwar sehr vernünftig und gut, aber für Kinder der ersten und zweiten Klassen, die nicht lesen können, ist das nicht gangbar", erklärt der Oybiner Gemeinderat Thomas Wintzen, der das Thema verfolgt. Daher hat die Gemeinde nun selbst einen Bus eingerichtet, der die drei betroffenen Schüler zum Hort fährt - und zahlt das auch.

Beim Kreis kennt man das Thema und betont, dass man - anders als früher - nun neu eine Rückfahrt anbiete, wenn auch mit Umsteigen. Künftig sei, so habe man es bei der Gemeinde erfahren, aber ohnehin ein zentraler Hort für die Grundschule geplant, was dieses Problem kläre.

Wann ändert sich was?

Frühestens zum neuen Schuljahr im Herbst, stellt Falk Werner Orgus Änderungen in Aussicht. "Der Plan ist nicht in Stein gemeißelt", sagt er, fügt aber hinzu, man könne auch nur die Kilometer und Gelder verplanen, die vorhanden sind. Einen Puffer habe man nicht. Wichtig sei zudem, dass Kritiker die Beschwerden an den Kreis weitergeben. Deshalb sollen alle Hinweise über die Telefonnummer 0800 98664636 oder über das Kontaktformular der Seite www.gutvernetzt-landkreis-gr.de eingegeben werden.

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