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Was ist das für ein Blitzer?

Das neue Gerät gehört dem Kreis Görlitz und lauert Temposündern fast überall auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen auf. Was man dazu wissen muss.

Vergangenen Monat blitzte das neue Gerät in der Zittauer Pescheckstraße.
Vergangenen Monat blitzte das neue Gerät in der Zittauer Pescheckstraße. © Foto: Jan Lange

Der TraffiStar S350 ist noch recht neu im Landkreis - und hat offenbar schon jetzt wenige Fans. Das zeigte sich zumindest kurz vor Pfingsten, als der Blitzer von Mitbürgern in Eibau, wo er an der Obercunnersdorfer Straße die Geschwindigkeit gemessen hat, grell-grün besprüht wurde. Allerdings hatte diese Verhinderungstaktik nur zeitweise eine Wirkung, denn das Gerät ist inzwischen von den Schmierereien gesäubert und tut seinen Dienst für den Landkreis Görlitz an einem neuen Standort. Was das für ein Messgerät ist, warum es angeschafft wurde und was es so besonders macht, hier in der Übersicht:

Der neue Blitzer des Kreises ist vor wenigen Wochen in Eibau beschmiert worden.
Der neue Blitzer des Kreises ist vor wenigen Wochen in Eibau beschmiert worden. © LausitzNews/Philipp Mann

Was für ein Gerät hat der Kreis da jetzt?

Dieses Messgerät der Firma Jenoptik ist ein semistationärer Blitzer, der wie ein Autoanhänger an einen bestimmten Ort transportiert werden kann. Dort aufgestellt, kann er dann autark - also ohne Bedienung durch einen Mitarbeiter der Behörde - die Geschwindigkeit wie ein stationärer Blitzer messen. Solche Geräte sind noch vergleichsweise neu auf dem Markt, Jenoptik hat diese Variante des TraffiStar S350 im Herbst 2015 auf den Markt gebracht, erstmals eingesetzt wurde er auf der Autobahn 3 im November 2015, teilt die Pressesprecherin von Jenoptik, Cornelia Ehrler auf Nachfrage mit.

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Welchen Grund gab es für die Anschaffung?

Der größte Vorteil des Gerätes: Die Technik hat keinen Feierabend. Konkret erklärt Kreis-Sprecherin Julia Bjar für das Ordnungs- und Straßenverkehrsamt des Kreises: "Die Anlage wurde angeschafft, damit wir Feiertage, Wochenende und die Abendstunden bemessen können." Außerdem ist die Anlage so flexibel, dass sie praktisch überall eingesetzt werden kann, wenn es die örtlichen Gegebenheiten zulassen. Hinzu kommt: Die Technik in dem Kasten ist zwar sehr sensibel - aber extrem gut gegen Vandalismus geschützt, betont auch die Herstellerfirma. So wird der Nutzer des Gerätes beispielsweise automatisch unterrichtet, dass die Bildqualität nicht stimmt, wenn wie in Eibau Schmierfinken am Werk waren.

Wie lange und wo blitzt der Blitzer?

Je nach Verkehr und Akkulaufzeit kann die Anlage zwischen einer und zwei Wochen an einem Standort verbleiben. Erstmals im Süden des Kreises aufgefallen war sie Anfang Mai in Zittau. Da stand sie zunächst an der Schliebenstraße in Höhe des Studentenwohnheims D. Später dann auf der Zittauer Pescheckstraße nach der Einführung von Tempo 30 zuvor. Nach dem kurzen Intermezzo mit Farbattacke in Eibau ist der TraffiStar nun wieder gereinigt und in Rietschen, im Norden des Kreises, im Einsatz, teilt der Landkreis mit.

Wo im Kreis werden diese Blitzer eingesetzt?

Generell dürfen neben der Polizei und dem Landkreis auch größere Städte selbst Geschwindigkeiten in ihrem Stadtgebiet messen. Im Kreis sind das Weißwasser, Niesky, Görlitz, Löbau und Zittau. Während Görlitz und Löbau auf ihrem Territorium selbst messen, haben die anderen diese Aufgabe vergeben: Für Niesky blitzt die Stadt Görlitz, Weißwasser und Zittau haben einen Vertrag mit dem Landkreis abgeschlossen - das bedeutet damit auch, dass in letztgenannten Städten ebenso wie im restlichen Kreisgebiet dieser halb stationäre Blitzer vom Kreis eingesetzt werden kann.

Hat der Kreis das Gerät gekauft?

Der Landkreis hat die neue Technik nur gemietet, nachdem die unterschiedlichen Vor- und Nachteile abgewogen worden waren. Zu den Kosten kann der Kreis eigenen Angaben zufolge keine Auskünfte geben. Grund dafür sei ein Ausschreibungsverfahren, "bei dem keine Summen oder Zuschläge öffentlich gemacht werden dürfen", teilte Frau Bjar auf SZ-Nachfrage mit. Nach Angaben der Jenoptik-Sprecherin bestimmt die Ausstattung maßgeblich die Kosten für die Anschaffung: Wenn der Blitzer in beide Fahrtrichtungen messen soll, also zwei Messsysteme integriert sind, dann ist beim Kauf mit einer Investition im sechsstelligen Bereich zu rechnen. Dieses Gerät ist übrigens das einzige dieser Art, das der Kreis gemietet hat. Es handelt sich dabei um eine zusätzliche Anschaffung, nicht um einen Ersatz für einen anderen Blitzer, teilt die Kreissprecherin mit.

Gibt es rechtliche Diskussionen um den Blitzer?

Um den TraffiStar S350 gab es - vor allem als fest installierte Variante - in der Tat größere Diskussionen vor allem im Jahr 2019. Auch im Landkreis Bautzen war das ein großes Thema, im Kreis Görlitz weniger, weil diese Technik hier nicht eingesetzt wurde. Am Ende mehrerer Gerichtsentscheidungen unter anderem vor dem Amtsgericht Dresden aber auch vor dem Oberlandesgericht in Karlsruhe stand fest: Die Fotos der Blitzer sind verwertbar. Das betont auch Jenoptik-Sprecherin Ehrler: "Es handelt sich um ein standardisiertes Messverfahren und eine zugelassene Messtechnik, geprüft von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB)." Beim Landkreis Görlitz bestätigt man in diesem Zusammenhang, dass es aktuell weder Probleme noch Anfechtungen der Messungen gebe.

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