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Was wird aus Neugersdorfs Villa-Kirche?

Knapp ein halbes Jahr stand das katholische Gotteshaus zum Verkauf. Jetzt hat es einen neuen Besitzer aus Polen. Für seine Pläne muss viel gebaut werden.

Diese Villa in Neugersdorf war bis vergangenen Oktober eine katholische Kirche. Nun ist das Haus verkauft.
Diese Villa in Neugersdorf war bis vergangenen Oktober eine katholische Kirche. Nun ist das Haus verkauft. © Matthias Weber/photoweber.de

Dass sich die katholische Kirche von Immobilien trennt, ist nicht nur in der Oberlausitz der Lauf der Dinge. Wenn es sich aber um Kirchen handelt, ist das immer eine heikle Sache. So wie in Neugersdorf im vergangenen Jahr. Karl-Anton Erath hat den Termin in seinen Kalender eingetragen: 4. Oktober 2020, Abschiedsmesse für die Kirche in Neugersdorf. Erath, Vorstandsmitgliedes der Volksbank Löbau-Zittau und aktiver Katholik, erinnert sich noch an dieses für die Gemeinde traurige Ereignis. Denn, auch wenn die ehemalige Fabrikantenvilla in der Neugersdorfer Ernst-Thälmann-Straße von außen nie so ausgesehen hat - innen war sie eine "echte" Kirche mit großem Gottesdienstraum, Kirchenbänken, Orgel und Altar. Auch Erath hat im Laufe der Jahre selbst einige Messen in der roten Villa mit dem großen parkähnlichen Garten besucht.

Die prachtvolle Villa mit einem parkähnlichen Garten war sehr gefragt.
Die prachtvolle Villa mit einem parkähnlichen Garten war sehr gefragt. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Dass die Entscheidung zum Verkauf der St.-Josef-Kirche fiel, ist den Zahlen geschuldet: Immer weniger Katholiken vor Ort, Ende 2017 folgte das Zusammenlegen der Pfarreien Leutersdorf, Neugersdorf, Oppach und am Ende blieb ein riesiges Territorium für die Pfarrer: So hatte der inzwischen nach Leipzig gewechselte Pfarrer Andrzej Glombitza zuletzt eine 200-Quadratkilometer-Gemeinde zu betreuen, wie er sagt. "Da muss man dann schauen, in welchen Kirchen Gottesdienste stattfinden können und wo nicht", erklärt er. Hinzu kommen Erhaltungskosten für die Immobilien. Deshalb fiel die Entscheidung, die Kirchen-Villa zu verkaufen. "Natürlich ist das bei einem solchen Gebäude einfacher als bei einem originären Kirchenbau", sagt Glombitza. Es war nicht das erste Gebäude, das veräußert wurde: Neben der Kapelle von Eibau hat sich das Bistum in den vergangenen Jahren auch von der Seifhennersdorfer Kirche und der Großschönauer - ebenfalls eine Villa - getrennt.

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Über ein Dutzend Interessenten

Zum Verkauf angeboten wurde die Neugersdorfer Fabrikantenvilla, die seit 1936 in Besitz der katholischen Kirche war, über die Immobilienangebote der Volksbank Löbau-Zittau. Das Haus zu verkaufen, war dennoch nicht einfach, denn durch seine Größe und das Grundstück passte es nicht für jeden Interessenten. Ein reichliches Dutzend potenzieller Käufer habe es gegeben, aus Deutschland, Tschechien und zuletzt aus Polen. Von da stammt nun der jetzige Besitzer: Ein Investor aus Breslau (Wroclaw), der auch in Löbau bereits Häuser besitzt, hat die Neugersdorfer Villa gekauft. "Er möchte sie denkmalgerecht sanieren, wieder in ihren Ursprungszustand versetzen", weiß Pfarrer Glombitza, der vor seinem Wechsel nach Leipzig die Verhandlungen mit begleitet hat.

Das klingt nach einem gehörigen Aufwand, denn die Kirchgemeinde hatte das Gebäude mehrfach für die eigenen Zwecke umgebaut - zunächst 1974 bis 1978 und dann nochmals Ende der 80er Jahre. Im Obergeschoss gab es Wohnräume, die lange Zeit von den jeweiligen Pfarrern genutzt wurden, zuletzt aber leer standen. Im Untergeschoss befanden sich die Kirchen- und Gemeinderäume. 1995 wurde dort sogar noch eine neue Orgel eingebaut, geschaffen von der Firma Rieger aus Krnov (Jägerndorf). Diese Orgel wird ausgebaut und geht an eine Gemeinde bei Dresden. Auch das große steinerne Kreuz, das samt steinernem Altar 1953 vor der Villa aufgestellt worden - gespendet von zwei Familien - ist schon abgebaut. Es steht jetzt vor der Leutersdorfer Kirche, bestätigt der nun zuständige Leutersdorfer Pfarrer Waldemar Styra.

An die Nutzung als katholische Kirche St. Josef erinnert jetzt nur noch ein Schild an der Hauswand.
An die Nutzung als katholische Kirche St. Josef erinnert jetzt nur noch ein Schild an der Hauswand. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Zu welchem Zweck der neue Eigentümer die Villa nutzen will, deutet sein Berater Pawel Nowak an: "Sie soll für Wohnzwecke genutzt werden", erklärt er auf Nachfrage. Aber es seien auch noch viele Details zu klären, denn erst vor wenigen Tagen sei es möglich gewesen, das Haus einmal zu besichtigen und sich ein Bild vom momentanen Zustand zu machen, betont er. Welcher Zukunft das Haus nun auch entgegen sieht - eine Erinnerung daran, dass es einmal als Kirche gedient hat, wird bleiben: "Der neue Eigentümer hat eine Tafel anbringen lassen, die daran erinnert", erzählt Pfarrer Glombitza, den das Entgegenkommen sehr freut. Immerhin haben in dem Haus viele Gemeindemitglieder Taufen und Hochzeiten gefeiert oder auch Abschied genommen. "Auch deshalb war der Verkauf ein schmerzlicher Schritt", weiß er. Die einstigen Gemeindemitglieder, die St. Josef regelmäßig besucht haben, gehen nun nach Ebersbach oder Leutersdorf zur Messe - oder, wenn es wieder möglich ist, auch ins Nachbarland nach Filipov (Philippsdorf).


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