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Warum ein Ort beim Grünzeug rot sieht

Bislang hat Rosenbach ständig Grünabfälle kostenlos angenommen und entsorgt. Das wird jetzt anders - weil im Dorf um das Thema seit Jahren ein Kleinkrieg tobt.

Es wird immer mehr: Auf dem Lagerplatz des Bauhofes der Gemeinde Rosenbach können Bürger ihre Grünabfälle abgeben.
Es wird immer mehr: Auf dem Lagerplatz des Bauhofes der Gemeinde Rosenbach können Bürger ihre Grünabfälle abgeben. © Matthias Weber/photoweber.de

Gut gemeinte Dinge gehen manchmal schrecklich nach hinten los. So könnte man das wohl auch für die kostenlose Annahme von Grünabfällen umschreiben, die seit Jahrzehnten die Gemeinde Rosenbach für ihre Bürger anbietet. Bislang bringen Rosenbacher das ganze Jahr über volle Anhänger und mitunter ganze Wagenladungen Grünverschnitt auf den Bauhof-Platz beim Stadtweg bei der alten Deponie. Die Gemeinde hilft, stellt gelegentlich Container. Ein Service, der hoch im Kurs steht. Doch so freigebig wird es nicht weitergehen. Nach langem Hin und Her haben sich die Gemeinderäte nun quasi auf einen "Radikalschnitt" geeinigt.

Kontrolliert wird das Ganze vom Bauhof, der hier einen Lagerplatz hat.
Kontrolliert wird das Ganze vom Bauhof, der hier einen Lagerplatz hat. © Matthias Weber/photoweber.de

Gründe gibt es dafür haufenweise: Da sind die ewigen Zwistigkeiten um die zwei Feuer im Jahr, mit denen die Gemeinde die Grünhaufen abbrennt. Zweimal pro Jahr muss es inzwischen wegen der schieren Masse an Grünzeugs einfach sein. "Einmal geschieht das je nach Wetter zwischen Dezember und Februar, das zweite Mal wird zum Hexenfeuer am 30. April abgebrannt", erklärt Bürgermeister Roland Höhne (CDU) und erklärt: "Immer, wenn wir abbrennen, werden wir mit Anrufen bombardiert, es hagelt Anzeigen gegen die Gemeinde, wir werden übel beschimpft", skizziert Höhne.

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Grund sei vor allem die Rauchbelästigung. Was man beim ersten Abbrennen im Jahr bei ungünstigem Wind ja noch nachvollziehen könnte, sei am Tag des Hexenfeuers für ihn völlig absurd, erklärt der Bürgermeister. "Denn dann brennen im ganzen Ort mehr als 40 Feuer und es stinkt in jeder Ecke noch tagelang danach", schildert er - und es ist ihm anzumerken, dass er bei dem Thema in Rage gerät.

Schmähungen und Beschimpfungen

Dabei halte man sich strikt an Vorschriften, melde das Verbrennen an und nutze einen Tag, an dem die Winde den Rauch nicht allzu sehr zu Wohnhäusern tragen. "Ganz ausschließen kann man es nie", sagt er. Wie schlimm es für einzelne dabei kommt, konnte keiner im jüngsten Gemeinderat schildern - von den Kritikern war keiner da. Nicht nur den Menschen, auch den Tieren versucht die Gemeinde, Recht widerfahren zu lassen: Der große Berg werde erst kurz vor dem Verbrennen aufgehäufelt, zuvor lagere er ausgebreitet, damit sich keine Tiere einnisten. Das Feuer selbst werde bewacht und nach einem Tag gelöscht. Dennoch hagele es jedes Mal Schmähungen und Beleidigungen. "Das ärgert mich, vor allem, wenn diejenigen, die da schimpfen, zuvor selbst größere Mengen Grünabfälle gebracht haben", sagt Höhne.

Hinzu kommt, dass es immer teurer werde, die Asche zu entsorgen: Sondermüll sei das und der koste im Schnitt 500 Euro pro Tonne, erläuterte der Bürgermeister im Gemeinderat. Im vergangenen Jahr habe man - trotz vorherigem Aussieben - 10.000 Euro für die Entsorgung der Asche gezahlt. In diesem Jahr waren es beim ersten Abbrennen rund 6.000 Euro. Verbrennen müsse man die Grünabfälle aber, weil vieles mit Schädlingen befallen sei und eine andere Entsorgungsart der Gemeinde nicht zur Verfügung stehe.

Was also tun? Weitermachen wie bisher? Zu teuer, waren sich die Räte einig. Geld verlangen oder ganz einstellen? Das ging vielen zu weit. "Ich wäre dafür weiterzumachen, damit es keine illegalen Ablagerungen im Wald gibt", erklärte CDU-Rat André Medam - und erntete Zustimmung. Nach vielfältiger Diskussion um Hacken, Häckseln und neue Annahmezeiten einigten sich am Ende alle auf einen Kompromiss: Ab sofort wird in Rosenbach nur noch an zwei Tagen im April Grünabfall kostenlos angenommen, der dann mit den Hexenfeuern verbrannt wird. Andere Termine übers Jahr verteilt - und damit ein weiteres Feuer - wird es nicht geben.

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