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Christbaum teurer? Nicht bei uns!

Wegen Corona- und Dürre-Krise steigen an vielen Orten die Preise für Weihnachtsbäume. Produzenten im Südkreis beurteilen die Lage völlig anders.

Thomas Queißer und seine Schwester Ellen Haufe halten beim Weihnachtsbaum-Preis am alten Eichen-Maßstab fest.
Thomas Queißer und seine Schwester Ellen Haufe halten beim Weihnachtsbaum-Preis am alten Eichen-Maßstab fest. © Markus van Appeldorn

In Deutschland gibt's ja beinahe nichts, für das nicht auch ein Verband existiert. So wundert es nicht, dass sich saisonal pünktlich nun auch der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger zum Thema Corona meldet. Der fürchtet in diesem Jahr wegen der Pandemie höhere Preise für Weihnachtsbäume. Nordmanntannen bester Qualität dürften zwischen 20 und 27 Euro pro Meter kosten, sagte Geschäftsführer Martin Rometsch der Nachrichtenagentur dpa. Im vergangenen Jahr hatte die Preisspanne 18 bis 23 Euro betragen. Grund für die Preissteigerungen sei, dass Händler Hygienekonzepte erstellen, mehr Platz vorhalten und möglicherweise mehr Personal einsetzen müssten. Produzenten im Südkreis dagegen können ihre Kunden beruhigen.

Thomas Queißer sieht ohnehin völlig andere Einflüsse als mögliche Preistreiber. Mit seiner Frau Kathrin führt er die Weihnachtsbaum-Plantage seines verstorbenen Schwiegervaters Gottfried Leutsch in Euldorf fort. Die Queißers pflegen auf ihren gut zwei Hektar etwa 20.000 Bäume - ganz überwiegend Nordmanntannen und Blaufichten. Die Kunden müssen sich auf dem weitläufigen Gelände nicht so drängen, dass ein extra Hygienekonzept notwendig wäre. "Zu einem Kostenproblem kann eher die Dürre werden", sagt Thomas Queißer.

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Im Dürresommer 2018 seien tatsächlich auch über die Hälfte der jungen Setzlinge eingegangen - und das, obwohl die Euldorfer Plantage einen eigenen Brunnen zur Bewässerung besitzt. "Das Wasser haben wir in diesem Jahr auch benutzt, das reichte immer für einen Tag", sagt Queißer. Ab Mai dann habe es aber genügend Regen gegeben. "Wir haben in diesem Jahr die gleichen Preise wie in den letzten Jahren. "Bei uns gab es in der Produktion keine Kostensteigerungen", sagt Queißer. So kosten 1,50 Meter hohe Nordmanntannen 25 Euro, gleich hohe Blaufichten 18 Euro.

Weihnachtsbaum schlagen als Erlebnis

Zur Preisbestimmung werden auf der Euldorfer Plantage ganz einfach zwei hölzerne Maßstäbe herangezogen - einer für Tannen, der andere für Blaufichten. Darauf sind die Metermaße markiert und zu der Markierung der jeweilige Preis - eine auch für Kunden sehr transparente Preisliste. "Die begleiten uns schon seit Jahrzehnten", sagt Thomas Queißer, und: "Die sind aus Eichenholz, die überleben uns auch noch." Die Preisskala auf den beiden Maßstäben sei zuletzt vor einigen Jahren geändert worden.

Der tägliche Verkauf auf der Euldorfer Plantage hat zwar bereits Anfang November begonnen, aber die beiden Maßstäbe bleiben meist noch an einen Baum gelehnt. "Im Moment läuft eher noch das Reisig-Geschäft", sagt Queißer. Die Kunden kaufen die geschnittenen und gebündelten Tannen- oder Fichtenzweige als Kiloware, um damit etwa Gräber auf Friedhöfen für den Winter abzudecken. "Da ist unsere Ware deutlich preisgünstiger als die aus Baumärkten", sagt er.

Das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen wird dann Mitte Dezember richtig anlaufen. Thomas Queißer zeigt auf einen der vielen Bäume auf seiner Plantage, der mit einem Fähnchen markiert ist. "Den hat sich ein Kunde reserviert. Der kommt dann, um sich den selbst zu schlagen", erklärt Queißer. Günstiger wird ein Weihnachtsbaum nicht, wenn der Kunde selbst Hand anlegt - aber für viele ist es ein unbezahlbares jährlich wiederkehrendes Erlebnis. "Für viele Kunden ist es eine Tradition, hierherzukommen. Die genießen die Atmosphäre und das Waldflair", sagt Queißer. Viele Kunden kommen etwa aus dem Zittauer Gebirge. Die Queißers verkaufen nur ab Hof, beliefern keine Märkte. "Der Herrnhuter Weihnachtsmarkt war eine Ausnahme, gewissermaßen Pflicht", sagt Queißer. Das habe sich in diesem Jahr aber ohnehin erledigt.

Teilweise sind die Erzeugerkosten sogar gesunken

Gleiche Preise wie in den Vorjahren verspricht auch Uta Belger. Das "Tannengut Belger" in Niedercunnersdorf ist der größte Erzeuger der Region. "Wir sehen keinen Grund für eine Preiserhöhung", sagt sie. Kraftstoff etwa sei günstiger geworden. Und außer, dass man vielleicht ein bisschen Desinfektionsmittel kaufen müsse, seien ihrem Betrieb keine Mehrkosten wegen Corona entstanden. Aber auch auf dem Tannengut treten sich die Kunden nicht auf die Füße. "Momentan läuft der Verkauf auf telefonische Anmeldung", sagt Belger. Ab der Woche vor dem 1. Advent sei aber immer jemand auf dem Verkaufsplatz.

Bäume könnten zwar grundsätzlich teurer werden wegen der zunehmenden Trockenheit. "Aber davon sind wir nicht betroffen", sagt Uta Belger. Lediglich die Serbische Blaufichte hätte auf ihrer Plantage unter Trockenheitsstress gelitten - aber diese Sorte ist nicht so bedeutend. Nordmanntannen und Blaufichten gibt's bei den Belgers für sieben bis 39 Euro. Der Preis richtet sich nicht nur nach Größe, sondern auch nach Wuchs. Aber: "Mit 15 bis 17 Euro pro Meter bleiben wir unter der Empfehlung des Verbands."

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