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Flüchtling eröffnet orientalischen Laden in Löbau

Vor sechs Jahren floh Dima Makhmalji mit ihrer Familie aus Syrien. Inzwischen ist Löbau zur neuen Heimat geworden. Nun hat sie sich selbstständig gemacht.

Von Constanze Junghanß
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Dima Makhmalji mit ihrem Sohn Ali im ersten eigenen Geschäft an der Bahnhofstraße in Löbau.
Dima Makhmalji mit ihrem Sohn Ali im ersten eigenen Geschäft an der Bahnhofstraße in Löbau. © Matthias Weber/photoweber.de

In Olivenöl eingelegte Auberginen, gefüllt mit Nüssen: Der Inhalt der durchsichtigen Kiste wiegt mindestens zehn Kilogramm. Eine syrische Delikatesse – in Löbau bei den Einheimischen bisher weitgehend unbekannt. Das ändert sich gerade. Kürzlich hat Dima Makhmalji auf der Bahnhofstraße ihren Laden mit dem Namen "Orientalische Spezialitäten" eröffnet. Die 33-Jährige startete so in die Selbstständigkeit.

Im Geschäft ist viel los. Ein ständiges Kommen und Gehen. Viele Menschen mit ausländischen Wurzeln sind darunter. In Löbau gibt es zwei Gemeinschaftsunterkünfte für Asylsuchende. Sie würden das neue Geschäft sehr gut annehmen, sagt Dima Makhmalji. Denn vor allem Produkte aus dem arabischen Raum, die es im Supermarkt kaum oder nicht zu kaufen gibt, organisiert die dreifache Mutter über spezielle Händler, unter anderem aus der Türkei. Dazu zählen in Rosenblüten gewickelte Pistazienpralinen, Ghee – ein Butterschmalz in großen Dosen –, konservierte Hähnchenwurst in Büchsen oder Kartons mit getrockneten Malvenblättern, aus denen vor allem in Syrien und dem Libanon eine Vorspeise mit Fladenbrot gemacht wird.

Besonders freut sie sich, dass auch die Einheimischen zu ihr kommen, fragen, wofür man welches Produkt verwendet und die eine oder andere orientalische Köstlichkeit ausprobieren möchten. Im Geschäft sind 120 bis 140 verschiedene Produkte zu finden. Alle "Halal", was soviel heißt, wie "erlaubt". In islamischen Ländern ist beispielsweise Schweinefleisch tabu. Die Gummibärchen einer bekannten Marke sind deshalb nicht mit Schweine-, sondern Rinder-Gelatine produziert worden. Geflügel überwiegt bei den Fleischangeboten. Alkohol gibt es nicht, dafür alkoholfreies Bier mit Erdbeer- und Apfelgeschmack. Eine kleine Auswahl Gebetsteppiche liegt unterm Fenstersims. Es duftet nach Olivenölseife und einem Hauch ferner Welt.

Dima Makhmalji und ihre Familie – Mann und drei Kinder – kommen aus Syrien. Als in ihrer alten Heimat die Bomben fielen, die Wohnung in Schutt und Asche lag, gab es für sie nur noch die Option der Flucht. Das war 2015. Die Mutter erzählt mit leiser Stimme von der Zeit im kleinen Boot, der gefährlichen Fahrt über das Mittelmeer und der Ankunft auf einer griechischen Insel. Ihre älteste Tochter Soaad kann sich noch genau an die Flucht erinnern. „"Die Bootsfahrt war schlimm, wir hatten große Angst", erinnert sie sich. Eine schwere Zeit, die die Familie von Griechenland nach langem Laufen durch mehrere Länder, wie sie berichten, über Ungarn nach Deutschland und letztlich in eine Erstaufnahmeeinrichtung nach Dresden führte. "Da waren wir einen Monat", erzählt das Mädchen. Von da aus ging es nach Löbau in die Gemeinschaftsunterkunft.

Für Familie Makhmalji-Hendi ein Riesenglück: Sie bekamen innerhalb weniger Tage eine dezentrale Unterkunft – eine Wohnung. Die Anerkennung als Asylbewerber haben sie in der Tasche, sind dankbar, dass die beiden Mädchen die Schule und der kleine Bruder Ali den Kindergarten besuchen können. Für die Eltern war es wichtig, nicht zu Hause herumzusitzen und auf Sozialleistungen angewiesen zu sein. Vater Hassan arbeitet für einen Herwigsdorfer Lieferdienst in Festanstellung, wie er stolz erzählt. Mutter Dima wollte ebenfalls unbedingt etwas tun. Deshalb ihr Weg in die Selbstständigkeit, der ihr große Freude macht. "Wir möchten in Deutschland unser eigenes Geld verdienen", sagt sie. Ist die BRD nun ihre neue Heimat oder wollen sie irgendwann wieder nach Syrien zurück? Vater Hassan überlegt kurz. "Wir möchten da bleiben, wo unsere Kinder eine Zukunft haben", sagt er. Und das ist Deutschland.

Tochter Soaad beginnt in Bautzen ihre Ausbildung zur Krankenpflegehelferin. "Meine Schwester Sohad ist sehr gut in der Schule und will Polizistin oder Kinderärztin werden“, sagt sie. Und auch der Traumberuf des kleinen Ali ist Polizist.