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Tag voller "Weißt du noch?"-Geschichten

Die Löbauer Firma "EP Münnich" feiert 30-jähriges Jubiläum - mit einem Fest voller ungeahnter Erinnerungen.

Renate, Susanne und Hartmut Münnich freuten sich zum 30-jährigen Bestehen ihres Geschäfts auf den Besuch zahlreicher Gratulanten.
Renate, Susanne und Hartmut Münnich freuten sich zum 30-jährigen Bestehen ihres Geschäfts auf den Besuch zahlreicher Gratulanten. © Markus van Appeldorn

Ein ganz besonderer Tag ist dieser 19. November für Susanne Münnich und ihre Familie. Das 30-jährige Jubiläum ihres Unterhaltungselektronik-Geschäfts "EP Münnich" am Löbauer Altmarkt kann die Familie feiern. Einen kleinen Seufzer tut Susanne Münnich dennoch. "Mensch, dieses Corona ist doch doof. Es wäre doch viel schöner, wenn wir jetzt mit unseren Kunden einen Flasche Sekt köpfen könnten", sagt sie. Die große Geburtstagsfeier muss daher ausfallen. Aber es wurde trotzdem ein ganz besonderer Tag in der Firmengeschichte - einer voller Anekdoten und "Weißt Du noch?"-Geschichten.

Eine dieser "Weißt Du noch?"-Geschichten spielt genau 30 Jahre zuvor. Am 19. November 1990 eröffnete Hartmut Münnich an der Inneren Zittauer Straße 18 seinen ersten Laden, damals noch auf 30 Quadratmetern. Und eine Spur sympathisches familiäres Chaos gehört bei Familie Münnich scheinbar seit dem ersten Tag dazu. "Da standen wir alle schon ganz nervös um sechs Uhr im Bad", erzählt Susanne Münnich. Und dann kam die Frage auf: "Wann öffnen wir überhaupt?" Keiner wusste es. "Was haben wir denn an die Tür geschrieben?", fragte die Tochter damals. Keine Ahnung. "Also haben wir den Papa in die Stadt geschickt, damit er nachschaut", erzählt sie - 9 Uhr stand an der Tür und die öffnete sich dann pünktlich.

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Ein originelles Geschenk als Erinnerung

Wenn das große Fest schon ausfällt, wollte Susanne Münnich wenigstens ihre Kunden beschenken. Jeder, der einen Kassenbon von wann auch immer vorbeibrachte, bekam eine Piccolo-Flasche Rotkäppchen. "Da hab ich mit der Mutter extra Jubiläums-Etiketten draufgeklebt", erzählt sie. Münnichs hatten auch reichlich Sekt gebunkert. Aber das mit den Geschenken, das lief überraschenderweise dann andersrum - und es kamen längst vergessene Erinnerungsstücke zu Tage.

Eine langjährige Kundin bringt als besonderes Geschenk etwas zurück, was Susanne Münnich ihr ausweislich des Lieferscheins am 9. Februar 1995 verkauft hat: Einen pinkfarbenen Kinder-Fernseher von "Mickey Mouse", originalverpackt, kaum Gebrauchsspuren und mit sämtlichem Zubehör. Das Preisschild pappt auch noch auf dem Karton, 169 D-Mark. Die winzige Glotze tut's nicht mehr. Das liegt aber bloß daran, weil das 25 Jahre alte Gerät heutige TV-Signale nicht mehr empfangen kann. "Aber das Radio in dem Gerät funktioniert noch, schwört die Kundin", sagt Susanne Münnich - und die kleine Comic-Glotze wird einen Ehrenplatz bekommen.

Noch Schnaps vom ersten Tag im Keller

Schon wenige Monate nach der Eröffnung zog Münnich 1991 in den jetzigen Laden am Altmarkt um. Hartmut Münnich hat das Haus damals gekauft. Damals war darin noch das Lebensmittel- und Feinkostgeschäft "Spar Delikat" untergebracht. "Und dann standen wir hier und mussten an einem Tag haufenweise Schnaps und Zigaretten ausverkaufen", erinnert sich der Senior, "das war eine verrückte Zeit." Verrückt und nach Art der Familie wieder nicht ganz unchaotisch, wie sich Susanne Münnich erinnert: "Der Vater hat spontan eine Frau auf der Straße angesprochen: Bist du Verkäuferin? Hast Du Zeit? Dann komm rein und hilf mit!"

Ganz vollständig gelang der Ausverkauf an jenem Tag naturgemäß nicht. "Wir haben dann an dem Abend da gestanden und uns gefragt: Was machen wir jetzt?", erinnert sich Susanne Münnich. Und Hartmut Münnich sagte damals: "Jetzt nehmen wir uns was zu essen mit und gehen nach Hause." Wochenlang hätten sie daheim dann noch große Mengen an Erdnuss-Flips oder anderen Knabbereien gehabt. Und Hartmut Münnich erinnert sich am Jubiläumstag plötzlich: "Ich habe sogar noch Schnaps im Keller, der damals übrig geblieben ist." Er fährt sogar extra rasch heim und holt ihn. Der 30 Jahre alte Tequila eines mexikanischen Massenherstellers sieht heute noch beinahe genauso aus. Aber die verkorkte Steingut-Henkelflasche Nordhäuser Korn hat heute fast Sammlerwert. "Haha, wann trinken wir den?", fragt Susanne Münich.

Susanne Münnich und ihr Vater Hartmut feiern den 30. Geburtstag ihres Geschäfts. Und dabei kommen einige Erinnerungsstücke zu Tage - etwa ein pinkfarbener Minifernseher und eine historische Schnaps-Flasche.
Susanne Münnich und ihr Vater Hartmut feiern den 30. Geburtstag ihres Geschäfts. Und dabei kommen einige Erinnerungsstücke zu Tage - etwa ein pinkfarbener Minifernseher und eine historische Schnaps-Flasche. © Markus van Appeldorn

Ein Burgunder von Deutschlands kleinstem Weingut

Exklusiver Alkohol taucht an diesem Tag noch mehr im Laden auf - einer von Deutschlands wahrscheinlich kleinstem Winzer. "Ein Kunde von mir keltert aus den Trauben in seinem Garten jedes Jahr genau fünf Liter Wein, das reicht gerade mal für sieben Flaschen", erzählt Susanne Münnich. Und eine davon hat er ihr jetzt als Jubiläumsgeschenk gemacht.

"2019 Burgunder Deutscher Qualitätswein Oberlausitz Trocken" steht auf dem Etikett und "Gutsabfüllung". "Es ist ja verrückt, dass mir die Menschen Geschenke bringen, ich bin ja die Dienstleisterin", sagt Susanne Münnich. Eine Dienstleisterin, die gemeinsam mit ihrer Familie in den letzten 30 Jahren offensichtlich viel richtig gemacht hat und deshalb treue Kunden hat. Und dafür ist Susanne Münnich sehr dankbar.

Renate und Hartmut Münnich am Tag der Geschäftseröffnung am 19. November 1990.
Renate und Hartmut Münnich am Tag der Geschäftseröffnung am 19. November 1990. © Foto: privat

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