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Nach Verkauf: Wie weiter bei Birkenstock?

Nachdem eine Investorengruppe die Mehrheitsanteile erworben hat, fragen sich Mitarbeiter in Bernstadt und Görlitz, wie sicher ihr Job ist. Ein Blick auf die Lage:

Die Schuhproduktion in Bernstadt und Görlitz ist in den vergangenen Jahren moderner und effizienter geworden.
Die Schuhproduktion in Bernstadt und Görlitz ist in den vergangenen Jahren moderner und effizienter geworden. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Seit rund einer Woche ist es heraus: Das Traditionsunternehmen Birkenstock hat neue Eigentümer: L Catterton, eine Investorengruppe, denen auch Luxus-Marken wie Dior oder Louis Vuitton gehört, halten nun die Mehrheitsanteile an dem Familienunternehmen. Dass dies Fragen bei der Belegschaft der beiden größten Produktionswerke in Görlitz und Bernstadt aufwirft, ist wenig verwunderlich. Zwar sind die Mitarbeiter nach SZ-Informationen am Tag der offiziellen Verkündung der Vereinbarung per Mail und Aushang in deutsch und polnisch vom Unternehmen informiert worden. Doch eine Vorstellung, wohin die Reise gehen wird, hat derzeit wohl noch keiner. Stattdessen wachsen Sorgen und Ängste.

Vor allem ein Schlagwort beim Verkauf der Mehrheitsanteile macht die Mitarbeiter hellhörig: Es geht um das Wachstum auf den Märkten in China und Indien. Dafür habe man sich mit diesem Schritt strategisch besser aufstellen wollen, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens von Ende Februar. Warum aber in Deutschland für den asiatischen Markt fertigen, wenn man auch da vor Ort rasch ein neues Werk errichten könnte? Braucht man die Kapazitäten in Deutschland und vor allem in der Oberlausitz dann noch? Immerhin schlägt das Herz des Schuhherstellers, der inzwischen auch Kosmetik und Schlafsysteme anbietet, in der Oberlausitz. Hier stehen mit inzwischen über 2.000 Mitarbeitern in Bernstadt und Görlitz die größten Produktionsstandorte.

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Produktionsverlagerungen sind nicht geplant

Roland Leithäuser, Sprecher im Dienste Birkenstocks in Sachen Verkauf und Neuausrichtung, sieht für diese Befürchtungen keinen Grund: "Die zentrale Aussage unserer Mitteilung war - und daran hat sich nichts geändert - wir werden auch weiterhin ausschließlich in Deutschland produzieren, es geht nicht um Produktionsverlagerungen nach Asien", betont er auf Nachfrage. Gerade das Prädikat "Qualität made in Germany" mache einen wichtigen Teil der Marke Birkenstock und ihrer momentan wachsenden Beliebtheit weltweit aus. Das werde sich auch mit dem neuen Mehrheitsgesellschafter, der im Übrigen viele Erfahrungen mit historisch tradierten Familienunternehmen hat, nicht ändern.

Birkenstock hat in den vergangenen knapp zehn Jahren einen enormen Wandel absolviert: 2012 haben die Brüder Christian und Alex Birkenstock die Geschicke des Unternehmens in eine neue Ära geführt, externe Experten in die Geschäftsleitung geholt, die Birkenstock Group gegründet. Die Werke - gerade in der Oberlausitz - wurden zum Teil komplett neu strukturiert und auf mehr Effektivität getrimmt. Mit neuen Produkten wie komplett aus Kunststoff bestehenden Badelatschen oder auch mit Arbeitsschuhen suchte sich Birkenstock neue Absatzmärkte. Außerdem kooperierten sie mit namhaften Modemachern, die eigene Birkenstock-Kollektionen herausbrachten. Dieser Eifer, begleitet von einer weltweiten Werbekampagne, bei der Reporter aus 30 Ländern nach Görlitz und Bernstadt eingeladen wurden, ließ Birkenstock endgültig und mehr denn je zu einem Mode- und Lifestyle-Produkt wachsen. Produziert wurde all dies vor allem in der Oberlausitz.

Birkenstock liegt weltweit im Mode-Trend

Der anhaltende Birkenstock-Trend ist in den Augen von Roland Leithäuser auch ein wichtiger Grund, warum Birkenstock ausgerechnet im Corona-Jahr mit zwei Monaten Zwangspause in den Oberlausitzer Werken so gut dasteht wie nie zuvor: Der Handel mit Birkenstock-Schuhen florierte trotz Pandemie, geschlossenen Geschäften vor allem auch online munter weiter. Das Familienunternehmen steht nach eigenen Angaben so gut da wie nie zuvor.

Bei so vielen guten Nachrichten wünscht sich Uwe Garbe, der für die IG Metall Birkenstock mit betreut, nun aber auch mehr Infos zum Verkauf, denn die Unruhe in der Belegschaft sei groß. Generell kann er aber derzeit keinerlei Hinweise auf eine Produktionsverlagerung sehen, zumal ja auch in die Standorte nochmals in großer Summe investiert wurde und wird - in Görlitz in weitere Produktionskapazitäten, in Bernstadt in das inzwischen arbeitende Labor. Beruhigend sei zunächst auch, dass es sich beim Käufer nicht um irgendeinen Hedgefonds handelt - oder um einen Konkurrenten, wo man eher fürchten müsste, dass die Oberlausitzer Werke geschwächt werden könnten. Welche Veränderungen es am Ende aber geben wird, darauf sei er gespannt.

Bürgermeister: Zunächst keine Änderung

Genauso geht es auch dem Bernstädter Bürgermeister Markus Weise (Kemnitzer Liste), für den Birkenstock einer der wichtigsten und größten Gewerbesteuerzahler und Arbeitgeber ist. "Nach bisherigen Informationen wird sich zunächst nichts ändern - auch was Zahlungsflüsse betrifft", sagt er auf die Frage nach den Steuereinnahmen. Dass Birkenstock derzeit gut ausgelastet ist, die Mitarbeiterzahl tendenziell eher weiter wächst, das neue Labor bereits arbeitet - hat auch er beobachtet. All das stimme ihn generell optimistisch. "Ich verlasse mich da zunächst auf die Informationen, die wir vom Unternehmen erhalten haben", sagt er.

Diese Informationen werden in Kürze auch etwas detailreicher werden - stellt Roland Leithäuser in Aussicht. Sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Geschäftspartner. Der Abschluss der Verträge, die Prüfungen durch Behörden - wie das Kartellamt - benötigten eben etwas Zeit und sobald hier gewisse Dinge abgeschlossen seien, werde man auch konkretere Fragen der Mitarbeiter beantworten.

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