merken
PLUS Löbau

Die Jugend steht auf Kollege Roboter

Die Löbauer Tischlerei Pötschke setzt auf modernste Technologie. Das klappt super, wie der kürzlich verliehene Zukunftspreis zeigt - Probleme macht etwas anderes.

Thomas Pötschke freut sich über den Zukunftspreis für das Familienunternehmen.
Thomas Pötschke freut sich über den Zukunftspreis für das Familienunternehmen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Erfolg und Unternehmer-Geist sprechen sich herum - so war es auch bei der Löbauer Tischlerei Pötschke. Mit 165 Jahren ist der in der fünften Generation geführte Familienbetrieb eines der ältesten Löbauer Unternehmen. Bewahrung der Tradition heißt hier Schritt halten mit der Moderne. Dank millionenschwerer Investitionen in der Computer- und Roboter-Technologie gehört die Tischlerei zu den Innovations-Treibern ihrer Branche. Das hat auch die Handwerkskammer Dresden erkannt und das Unternehmen jüngst mit dem Zukunftspreis ausgezeichnet. Mit ihrer Technologie-Offensive sichert sich die Firma vor allem eines: qualifizierten Nachwuchs.

Anzeige
Familienmodelle der Natur
Familienmodelle der Natur

Steppenzebras, Zebramangusten und Nandus ziehen ihren Nachwuchs ganz unterschiedlich auf.

"Die Handwerkskammer ist an uns herangetreten, uns für den Zukunftspreis zu bewerben", sagt Thomas Pötschke, der in den Startlöchern steht, das elterliche Unternehmen dann in sechster Generation zu übernehmen. Die im Betrieb eingesetzte Roboter-Technik habe die Handwerkskammer begeistert. "Der Preis soll Handwerksbetriebe anregen, innovativ zu sein", sagt Pötschke und beschreibt das Tischlerei-Unternehmen: "Wir gehen ja weg vom traditionellen Handwerk zur Industrie 4.0, zu computerunterstütztem Handwerk."

Die Jugend steht auf Hightech

Damit ist die Tischlerei Pötschke vielen Mitbewerbern nicht nur von der Leistungsfähigkeit einen Schritt voraus, sondern denkt dabei auch an das wertvollste Kapital - den Menschen hinter den Maschinen. "Wir investieren, um die Produktivität zu steigern, aber gerade auch, um den Ansprüchen der Mitarbeiter gerecht zu werden", sagt Thomas Pötschke. Und da geht es zum einen um Arbeits-Ergonomie. "Gerade ältere Mitarbeiter kann man nicht mehr fünf Meter hohe Eichenfenster herumschleppen lassen", sagt er. Deshalb schweben die schweren Holzrahmen an Laufkatzen an der Decke durch die Werkhallen.

So eine Arbeitserleichterung freut auch die jungen Mitarbeiter - aber nicht allein deshalb ist die moderne Technologie ein Motor zur Nachwuchsgewinnung. "Wir sehen bei den Bewerbungen schon, dass die Jugend anbeißt, weil hier richtige Technik rumsteht und nicht bloß eine Kreissäge mit einem An- und Ausschalter", sagt Pötschke. Jugend steht auf Hightech - und deren Einsatz ist daher ein Wettbewerbsvorteil auch bei der Nachwuchsgewinnung. "Das ist bei vielen ein Entscheidungskriterium", weiß Pötschke inzwischen. Und im Gegensatz zu vielen anderen Handwerksbetrieben, sagt Thomas Pötschke stolz: "Wir haben kein Problem, Nachwuchs zu bekommen."

Industrie leidet unter Nachschubmangel

Probleme drohen höchstens auf der anderen Seite der Wertschöpfungskette: beim Nachschub. Das fängt schon beim für Pötschke wichtigsten Werkstoff an - dem Holz. "Die Holzpreise sind durch die Decke gegangen, hat sich mindestens verdoppelt", sagt er - im Endprodukt Fenster mache das eine Preissteigerung von etwa zehn Prozent aus. Viele Fenster fertigt das Unternehmen etwa aus Amerikanischer Weißeiche. "Das ist das Top-Produkt. Aber das gibt's zurzeit gar nicht mehr. Die USA exportieren nichts", sagt Pötschke. Er nennt als Beispiel einen Kindergarten im Allgäu, für den er Fenster aus sibirischer Lärche fertige. "Das haben wir im Februar mit sieben Euro pro Meter kalkuliert, jetzt kostet es 15 Euro pro Meter - und hat zwölf Wochen Lieferzeit", sagt er. Pötschke selbst sichert sich mittlerweile gegen solche Preissteigerungen ab. "Wir geben Angebote nur noch freibleibend ab mit einer Preisbindungspflicht von maximal zwei Wochen", erklärt er.

Wenigstens ist er froh, überhaupt noch Holz zu bekommen. Pötschke bezieht sein Holz nicht direkt von Sägewerken, sondern von Spezial-Unternehmen, die bereits ein Vorprodukt für Fensterrahmen-Profile herstellen. "Weil wir seit Jahren mit diesen unternehmen zusammenarbeiten, werden wir auch bevorzugt beliefert", sagt er - Neu- oder Kleinkunden würden in der jetzigen Situation oft hinten herunterfallen. Die können dann tatsächlich nicht liefern. Lieferschwierigkeiten hat Pötschke nicht, verzögern tun sich viele Projekte dennoch. "Wir können die Fenster ja erst einbauen, wenn ein Haus steht. Und wegen Materialmangel kommen viele mit dem Bauen nicht weiter", sagt er.

So ein Materialmangel hat auch schon mal die Produktion bei Pötschke gebremst. "Ein Farbenlieferant war erst ein paar Wochen gelähmt, weil er einen Cyber-Angriff hatte. Und als er wieder produzieren konnte, fehlte das Plastik für Plastikeimer, um die Farbe abfüllen zu können." Teilweise sei er deshalb schon kontingentiert worden, habe weniger Ware bekommen als bestellt. "Wie in der DDR", sagt Pötschke, "mein Vater kannte das ja noch, aber viele Betriebe im Westen hat das sicher überrascht." Es könnte nicht der letzte Plastikengpass bleiben. "Da ist vor Sri Lanka jetzt ja ein Schiff auf Grund gelaufen und ausgebrannt. Das hatte etliche Tonnen Kunststoffgranulat für Europa geladen", sagt Pötschke.

Mehr zum Thema Löbau