merken
PLUS Löbau

Wie Forst-Millionen Erholung sichern sollen

Waldbesitzer stecken in einer tiefen Krise - mit Folgen für die Menschen, die den Wald lieben. Der Löbauer Förster Tilo Freier will beiden Seiten helfen.

Förster Tilo Freier betreut zahlreiche private Waldbesitzer.
Förster Tilo Freier betreut zahlreiche private Waldbesitzer. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Die Situation ist grotesk: Die Preise für Bauholz explodieren seit Monaten. Besonders die USA und China kaufen den Weltmarkt leer - selbst für Holz minderwertiger Qualität zahlen die beiden Import-Riesen Rekordpreise. Aber ausgerechnet bei den heimischen Waldbesitzern kommt von dieser Preissteigerung nichts an. Dabei müssen die in den letzten beiden Jahren wegen Sturmschäden, extremer Trockenheit und einer anhaltenden Borkenkäfer-Plage große Verluste hinnehmen. Dieser Umstand gefährdet auch den Erhalt des Waldes als bei den Menschen beliebter Erholungsraum. Der Löbauer Förster Tilo Freier zeigt nun zumindest einen Lichtblick für den gebeutelten Wald und dessen Besitzer auf.

Tilo Freier erläutert die Situation anhand einer einfachen Beispielrechnung: "Vor einem Jahr hat eine Dachlatte noch 80 Cent gekostet, mittlerweile sind es 1,50 Euro", sagt der Förster. Demnach ist leicht zu errechnen, wie sich viele Baugewerke extrem verteuern - wenn heimische Zimmereibetriebe überhaupt noch Holz bekommen. "Das Holz aus unseren Wäldern hier geht beinahe sämtlich in die USA", erklärt er. Die Amerikaner zahlen mitunter 60 Prozent mehr als der deutsche Markt - und kaufen damit immer noch günstiger ein, als würden sie selbst erzeugtes Holz nutzen. Doch die Erzeugerpreise hiesiger Waldbesitzer würden von diesem Boom nicht profitieren, so Freier.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Waldprämie als Teil der Lösung

Das Problem sei unter anderem die Kleinteiligkeit des Waldbesitzes. "Als kleiner Waldbesitzer bist Du Marktteilnehmer - aber kein starker", sagt Freier. Freier ist im Südkreis Förster der Forstbetriebsgemeinschaft Deutsch-Paulsdorf mit rund 120 Mitgliedern mit im Durchschnitt rund acht Hektar Waldbesitz. "Bundesweit hat der durchschnittliche Waldbesitzer sogar nur zwei Hektar", sagt Freier. Weil nur etwa zehn Prozent solcher Waldbesitzer in Forstbetriebsgemeinschaften zusammengeschlossen seien, würden ausgerechnet die kleinen Waldbesitzer jetzt in der Krise Geld verschenken.

"Der Wald hat eine Krise. Aber wir haben genug gejammert. Jetzt müssen wir uns überlegen, wie es weiter geht", sagt Tilo Freier. Und ein Teil der Problemlösung sei eben: eine starke Gemeinschaft. "Wir wollen gemeinsam den Wald bewirtschaften und vermarkten", so Freier. Und das bringe bares Geld. Der Bund habe nämlich jüngst die Bundeswaldprämie mit einem Volumen von 500 Millionen Euro aufgelegt. "Wenn diese Summe nicht abgerufen wird, wäre das nicht schön", sagt der Förster. Diese Prämie allerdings erhalte nicht jeder. Außer einem Mindestbesitz von einem Hektar müsse der jeweilige Waldbesitzer eine "nachhaltige Waldbewirtschaftung" nachweisen, also seinen Wald nach Standards wie FSC oder PEFC zertifizieren lassen.

Genau dabei könne eine Forstbetriebsgemeinschaft helfen. "Eine solche Gemeinschaft etwa organisiert gemeinsamen Harvester-Einsatz, Pflanzenbestellung oder Pflegewesen", erklärt Tilo Freier. Die Zertifizierung des Waldes schaffe auch einen Wettbewerbsvorteil. So würden viele Holzabnehmer, etwa aus der Papier-, Verpackungs- oder Möbel-Industrie oft nur noch zertifiziertes Holz akzeptieren, nicht nachhaltig erzeugtes Holz werde zunehmend unverkäuflich.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier.

Sie wollen die wichtigsten Nachrichten aus Löbau und/oder Zittau direkt aufs Smartphone gesendet bekommen? Dann melden Sie sich für Push-Nachrichten an.

Sie wollen schon früh wissen, was gerade zwischen Oppach und Ostritz, Zittauer Gebirge und A4 passiert? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter "Löbau-Zittau kompakt".

Wer uns auf Social Media folgen will:

Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]ächsische.de oder [email protected]ächsische.de

Mehr zum Thema Löbau