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Der Kampf um die Corona-Tests

Schnelltest, Selbsttest, Testpflicht? Welche Erfahrungen Unternehmer zwischen Löbau und Zittau in dieser Woche mit den neuen Pflichten gemacht haben:

Schlange stehen für einen Corona-Test vor der Hirschfelder Apotheke: Hier hatte Unternehmer Thomas Krusekopf das Glück, noch Termine für seine Mitarbeiter zu erhaschen.
Schlange stehen für einen Corona-Test vor der Hirschfelder Apotheke: Hier hatte Unternehmer Thomas Krusekopf das Glück, noch Termine für seine Mitarbeiter zu erhaschen. © Matthias Weber

Ein paar freie Corona-Test-Termine in Hirschfeldes Apotheke sind vielleicht nicht der Sechser im Lotto - aber ein bisschen fühlt es sich für Thomas Krusekopf so an. Denn die Suche nach einer Apotheke, die für seine Mitarbeiter und ihn freie Kapazitäten anbieten konnte, war nicht einfach. In Zittau selbst hatte er keinen Erfolg, aber in Hirschfelde ging noch was: Donnerstagmorgen, 9.15 Uhr. "Ich finde es befremdlich, dass erst medial verkündet wird, es gebe kostenlose Tests für alle, die es brauchen, und dann bekommt man kaum Termine", schildert der Unternehmer und ehemalige Zittauer Stadtrat.

"Generell unterstütze ich immer alles, was der Gesundheit meiner 16 Mitarbeiter guttut", macht der Chef der Hals-über-Krusekopf GmbH deutlich. Aber das, was den Unternehmern derzeit aufgebürdet werde - von stetig neuen Verordnungen mit ihren verschiedenen Einzelfällen, über das Besorgen von Schnelltestterminen bis hin zur Bestellung der richtigen Selbsttests - das sei schon eine Zumutung. "Irgendwann mutiere ich noch zum Arzt", kommentiert Krusekopf sarkastisch.

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Unterschied: Kunden- oder Kollegenkontakt

In Löbau hingegen hat sich bei Silke Donat, Geschäftsführerin der Firma Alphatec Personaldienstleistungen GmbH, nach anfänglicher Skepsis und Aufregung eine beruhigende Bekenntnis breit gemacht: "Es funktioniert, ich habe meine Selbsttests schneller bekommen, als gedacht", bestätigt sie. Ja, es war nicht einfach, erst einmal alles zu organisieren und man müsse auch ein bisschen rührig sein. Doch sie könne nun an ihre 70 Mitarbeiter, die in der ganzen Oberlausitz verstreut bei verschiedenen Firmen beschäftigt sind, die ersehnte Info rausschicken: Sie können sich jetzt alle, wenn sie wollen, einen Test pro Woche in der Löbauer Niederlassung abholen. "Anders geht es nicht - es sei denn, die Unternehmen, bei denen unsere Mitarbeiter arbeiten, bieten ihnen Tests in ihrem Hause an und stellen sie uns dann in Rechnung", skizziert sie ihre spezielle Situation als Personaldienstleister.

In der Tat sind die neuen Regelungen auf den ersten Blick verwirrend. Abgesehen von denen, die bereits eine Testpflicht haben, weil sie körpernahe Dienstleistungen anbieten - wie Friseure, Fahrschullehrer oder Musikpädagogen - unterscheidet man zwischen Mitarbeitern mit Kundenkontakt und solchen mit Kollegenkontakt. Für alle, die mit Kunden zusammentreffen, gibt es seit diesem Montag eine Testpflicht einmal pro Woche, die der Arbeitsgeber erfüllen muss. Für all jene, die "nur" Kontakt mit Kollegen haben, muss der Arbeitgeber ab 22. März ein wöchentliches Selbsttest-Angebot vorhalten. Immer vorausgesetzt, der Chef hatte eine Chance, dies in der Zeit und zu einem realistischen Preis zu organisieren.

Starke Preisschwankungen

Was den Preis betrifft, so schwankt der stark. Thomas Krusekopf sieht daher nicht wirklich ein, warum die Kosten für diese neue Regelung nun die Unternehmer tragen müssen - für eine derzeit nicht absehbare Zeitspanne: "Viele Firmen hat es in den vergangenen Monaten arg gebeutelt und jetzt kommen noch diese Kosten drauf?", fragt er. Denn, um ein gutes Angebot zu finden, muss man etwas suchen. Diese Erfahrung hat Silke Donat gemacht. Ein Selbsttest für zehn Euro für jeden der 70 Mitarbeiter und das jede Woche einmal, das sei schon eine enorme Summe, sagt sie mit Blick auf erste Angebote. Mit ein bisschen Recherche fand sie jedoch besseres. "Aber wie viele Teste brauche ich? Wie lange geht das?", fragt sich die Alphatec-Chefin. Sie hofft, dass die Tests auch in den kommenden Wochen vorrätig sein werden, denn sie will sie nicht schon für Wochen im Voraus horten.

Diese praktischen Fragen sind es, die vielen Kopfschmerzen machen. Jeder versuche den Durchblick zu behalten und keinen Fehler zu machen, schildert der Zittauer IHK-Chef Matthias Schwarzbach die Stimmung. Das frustriere - manchen mehr, andere weniger. Hilfe bieten neben der IHK beispielsweise auch die Innungen. So konnte die Bäckerinnung beispielsweise klären, dass ein rundum mit Plexiglas oder ähnlichem abgeschirmter Verkaufstresen so viel Schutz bietet, dass dies nicht mehr als Kundenkontakt zählt. Der Kottmarer Bäcker Michael Bachmann, stellvertretender Innungsobermeister im Kreis, kann einen solchen Vorteil nun nutzen. Er muss seinen Angestellten damit erst ab 22. März Tests zur Verfügung anbieten. "Erst mal müssen wir an die Tests rankommen", sagt er. Auch die Bürokratie hätte er sich gern gespart, doch er macht klar: "Wir müssen da durch, die Krankheit ist nicht zu unterschätzen und Schutz gehört deshalb dazu - für Mitarbeiter und Kunden", sagt er.

Test sind nur gefühlte Sicherheit

Schutz ist auch IHK-Chef Matthias Schwarzbach wichtig, aber er findet den sächsischen Alleingang bei der Testpflicht nicht gut. "Ich bin ein Fan davon, alle Kraft ins Impfen zu stecken, was jetzt aber gerade wieder einen Rückschlag erlitten hat", sagt der IHK-Chef mit Blick auf die aktuellen Engpässe und die Aussetzung von Astrazeneca. Die Tests bieten eine gefühlte Sicherheit, eine Beruhigung. Die Lösung sei das aber nicht.

Das ist es auch für Thomas Krusekopf nicht. Wenn schon Tests, dann doch bitte zentral organisiert über Teststellen. "Warum müssen wir Unternehmer das machen, da gibt es doch ganz andere, größere Strukturen?", fragt er. Die sollte man nutzen - und nicht nur kostenlose Tests versprechen, die dann in der Praxis rar sind. "Die Firmen müssen schon mit Pandemie und Lockdown klarkommen, da sollte ihnen der Staat an dieser Stelle helfen", fasst er zusammen.

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