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Imposante Baupläne für Herrnhuts Mitte

Turnhalle und Heizhaus der Zinzendorfschulen werden außergewöhnlich. Doch es regt sich Kritik - vor allem wegen der Höhe eines Gebäudes.

Daniel Neuer (rechts) und seine Mitarbeiterin Stefanie Schmidt (links) zeigen Schülern und Verwaltungschefin Katrin Filschke (2. von rechts), wo demnächst gebaut werden soll.
Daniel Neuer (rechts) und seine Mitarbeiterin Stefanie Schmidt (links) zeigen Schülern und Verwaltungschefin Katrin Filschke (2. von rechts), wo demnächst gebaut werden soll. © Matthias Weber/photoweber.de

Einfach nur ein zweckmäßiges Haus hinbauen? So läuft das bei den Herrnhuter Zinzendorfschulen nicht. Schon das jetzige Schulgebäude, in das die Schüler nach den Winterferien 2019 eingezogen sind, fällt aus dem Rahmen: Äußerlich an den Herrnhuter Barock angepasst, ist die Schule innen mit geschwungenen Wänden und besonders umweltfreundlicher Bauweise ein Unikat in Sachsen. Nun geht es genau so am Schulcampus weiter - denn Aula, neue Turnhalle und neues Heizhaus fehlen noch. Für die letzteren beiden Gebäude gibt es jetzt konkrete Planungen. Doch die rufen in der Stadt auch Skepsis hervor.

Besonders im Fokus steht die Turnhalle, denn hier haben sich die Pläne der Schulstiftung geändert. Eigentlich sollten die Schüler die Halle einst trockenen Fußes erreichen können. Das Gebäude sollte nah an der Schule stehen und zu einem erheblichen Teil eingegraben werden. Doch das ist jetzt vom Tisch, bestätigt Planer Daniel Neuer: "Dazu wären 25.000 Kubikmeter Erdaushub nötig gewesen und diese Kosten sind nicht förderfähig", erklärt er. Abgesehen von den Kosten habe man sich aber auch gefragt, ob es sinnvoll sei, so tief ins Erdreich - und damit in ein Ökosystem - einzugreifen. "Deshalb haben wir die Prioritäten neu überdacht und bauen die neue Halle nun doch dort, wo die alte jetzt steht", erklärt die Verwaltungsleiterin der Zinzendorfschulen, Katrin Filschke. Das heißt nun auch, dass man die alte Halle - eine einstige Kartoffelsortieranlage - erst abreißen muss und für den Unterricht eine Übergangslösung benötigt. "Da haben wir Alternativen", sagt Frau Filschke.

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Die alte Turnhalle war früher eine Kartoffelsortieranlage. Sie soll weggerissen und an ihrer Stelle eine neue gebaut werden.
Die alte Turnhalle war früher eine Kartoffelsortieranlage. Sie soll weggerissen und an ihrer Stelle eine neue gebaut werden. © Matthias Weber/photoweber.de
Die Brachfläche hinter den Zinzendorfschulen soll der Campus werden. In das "Loch" im Neubau soll die Aula andocken.
Die Brachfläche hinter den Zinzendorfschulen soll der Campus werden. In das "Loch" im Neubau soll die Aula andocken. © Matthias Weber/photoweber.de
Blick auf die straßenseitige Fassade des Neubaus, der den historischen Bauten in Herrnhut angepasst ist. Durch den Durchgang schaut man auf den künftigen Campus.
Blick auf die straßenseitige Fassade des Neubaus, der den historischen Bauten in Herrnhut angepasst ist. Durch den Durchgang schaut man auf den künftigen Campus. © Matthias Weber/photoweber.de

Weil auch die Turnhalle besonders ökologisch gebaut werden soll, heißt das für Daniel Neuer, möglichst wenig Beton und nur unbearbeitetes Holz einzusetzen: "Bodenplatte und Säulen sind aus Beton, außerdem verbauen wir wie bei der Schule Lehmziegel für die Trennwände und für die Halle selbst Fachwerk", erklärt er. Die Außenwände sollen mit Holz verschalt werden, das ebenfalls "nur mit der Säge bearbeitet wurde".

Was puristisch und simpel klingt, bringt für die Dachkonstruktion große Herausforderungen, denn Baumstämme der erforderlichen Länge und Breite gibt es schlicht nicht. Zusammengeleimtes oder -gepresstes soll aber nicht verbaut werden. "Deshalb müssen wir eine sehr hohe hölzerne Gewölbekonstruktion wählen, so wie sie bei alten großen Scheunen auf Gutshöfen zum Beispiel in Dürrhennersdorf, Berthelsdorf, Kittlitz oder Großhennersdorf zu finden sind", erklärt Neuer. Und da zudem ausreichend Tageslicht in die Halle fallen muss, ist auch eine Fenstergalerie nötig. Enorme 17 Meter maximale Höhe wird die Turnhalle dann haben - fünf Meter mehr als das jetzige Gebäude.

So sieht die hölzerne Dachkonstruktion aus, die die neue Turnhalle krönen soll. In dieser Art sind auch die großen Scheunen gebaut, die es auf den Dörfern noch gibt. Die Wände sind hier nur schematisch dargestellt.
So sieht die hölzerne Dachkonstruktion aus, die die neue Turnhalle krönen soll. In dieser Art sind auch die großen Scheunen gebaut, die es auf den Dörfern noch gibt. Die Wände sind hier nur schematisch dargestellt. © Ingenieurbüro Daniel Neuer

An diesem Punkt setzt die Kritik von CDU-Stadtrat Paul Gerhard Winter ein: "Bei dieser Höhe wird die Sichtachse zwischen dem Altan auf dem Hutberg und dem Heinrichsberg gestört", warf er jüngst im Stadtrat ein, wobei er sich auf seine Messergebnisse mit Geodaten berief. Und das ist gerade im historischen Stadtkern Herrnhuts nicht zu vernachlässigen. Auch die Höhe an sich sieht er ebenfalls kritisch - und die Zahlen bereiteten auch anderen Räten ein gewisses Unbehagen.

Architekt Neuer aber beschwichtigt: Zum einen sei der Heinrichsberg, der neben dem Hengstberg liegt und auf dem früher auch einmal ein kleiner Aussichtsturm stand, bewaldet und damit de facto höher. Zum anderen rücke die neue Turnhalle ein Stück weiter von der Liergasse ab. Somit sei die Sichtachse nicht gestört. Auch vom Zinzendorfplatz aus sei der Neubau auf dem Schulcampus nicht zu sehen, nimmt Neuer die Ängste auf. Und ein formloser Klotz, wie mancher in Anspielung auf die große neue Halle von Krause Metall in Ruppersdorf argwöhnte, werde weder die Turnhalle noch das Heizhaus.

Barockes Heizhaus fällt aus dem Rahmen

Gerade auch das Heizhaus wird sich dem Bild der Schule anpassen: "Bei den Genehmigungsbehörden sind wir inzwischen bekannt, weil wir das erste barocke Heizhaus bauen", schildert Neuer die Verwunderung der Bearbeiter über die Hülle des Heizhauses. Es soll auf dem Campus an der Stelle eines früheren Gebäudes gegenüber des neuen Schulhauses errichtet wird. Damit nimmt man die alten Kubaturen aus der Zeit vor dem Stadtbrand zu Kriegsende wieder auf.

Die Anwohner, so betonen Katrin Filschke und Daniel Neuer, seien von Anfang an in die Pläne eingeweiht gewesen und hätten Zustimmung signalisiert. Was Bauherren und Architekt noch nicht benennen können, ist der Baustart: "Die naturschutzrechtlichen Prüfungen sind durch, parallel laufen jetzt die baurechtlichen Prüfungen", erklärt Neuer. Wenn dann der Zuwendungsbescheid für die Fördermittel kommt, kann es mit dem Abriss der alten Turnhalle losgehen. Mit dem Bauen werde man aber frühestens im kommenden Frühjahr beginnen können.

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