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Löbauer Stadträte irritiert über Busunfall-These des OB

Nach Ermittlerschelte von Dietmar Buchholz greifen Medien den Fall wieder auf. Auch Löbau diskutiert weiter.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

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Löbau. Da hat Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) noch mal ordentlich Wind in die Sache um die Brandkatastrophe des Reisebusses der Firma Reimann im Juli 2017 gebracht. Nach der Berichterstattung der SZ über die von Buchholz im Stadtrat präsentierte alternative Unfallursache, greift nun auch die im bayerischen Hof erscheinende Frankenpost den Fall wieder auf. In Hof sitzt auch die Staatsanwaltschaft, die damals für die Unfallermittlung zuständig war.

Indes sind einige Löbauer Stadträte vom Vorpreschen und der Behörden-Schelte des Oberbürgermeisters irritiert. Ingo Seiler, Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste im Stadtrat sagt: „Solche Informationen vorschnell rauszugeben und über die Arbeit anderer Leute zu urteilen, ist leider nichts Neues beim Oberbürgermeister und und auch nicht das, was ihn positiv auszeichnet.“ Und auch sein Fraktionskollege Reinhart Keßner hält die öffentliche Erklärung des Oberbürgermeisters im Stadtrat für verfehlt: „Wenn ich etwas nicht genau weiß, kann ich mich da ja unter vier Augen oder in einer geschlossenen Runde mit jemandem austauschen, aber mache das nicht in einer öffentlichen Sitzung.“

Stadtrat Manfred Klatte (Die Linke) hält die Kritik am Oberbürgermeister in dieser Sache zwar für überzogen, kommt aber auf SZ-Anfrage zu dem Schluss: „Der Oberbürgermeister wäre besser dran gewesen, wenn er geschwiegen hätte.“ CDU-Stadtrat Werner Engemann hält die Position von Busunternehmer Hartmut Reimann und Oberbürgermeister Dietmar Buchholz für nachvollziehbar. „Es ist schnell gesagt und leicht, einem Toten die Schuld zu geben. Der kann sich nicht mehr wehren“, sagt Engemann auf SZ-Anfrage. Andererseits sei er lange genug im Stadtrat und wisse, dass Buchholz mitunter mit seinen Urteilen sehr schnell sei.

Oberbürgermeister Buchholz hatte der Hofer Staatsanwaltschaft in öffentlicher Sitzung schlampige Arbeit vorgeworfen. Der bei dem Unfall getötete Busfahrer sei vorschnell als Alleinverantwortlicher für den Unfall hingestellt und die Ermittlungsakte geschlossen worden. In Wahrheit habe ein Lkw den Reisebus vor dem Unfall touchiert und abgedrängt. Buchholz will den getöteten Fahrer rehabilitiert sehen. Der Oberbürgermeister machte sich damit im Stadtrat die Theorie von Busunternehmer Hartmut Reimann zu eigen, der ebenfalls an diesen Unfallhergang glaubt. Reimann sagte der SZ, dass ihm Bildmaterial vorliege, das diesen Unfallhergang beweist. Er hat deshalb eine Rechtsanwaltskanzlei in München beauftragt und will eine Wiederaufnahme der Ermittlungen erreichen.

Die Staatsanwaltschaft Hof wies die Vorwürfe des Oberbürgermeisters mit dem Hinweis zurück, die Ermittlungsergebnisse beruhten auf den Gutachten zweier Sachverständiger und zahlreicher Vernehmungen von Unfallzeugen. Noch heftiger widersprechen die Dresdner Eheleute Manina und Uwe Dageför, die an Bord des Todesbusses waren. „Dass uns ein Fahrzeug gerammt haben soll ist vollkommener Blödsinn und frei erfunden“, sagen die beiden der SZ. Sie sind empört über die Ferndiagnose des Oberbürgermeisters. „Es geht auch überhaupt nicht um Schuldzuweisung. Wir trauern um alle Toten.“