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Löbauer Strategie gegen den Schnee

Löbaus Winterdienst ist zuletzt kritisiert worden. Wie die Stadt gegen Flocken und Glätte vorgeht, erklärt der Bauhofchef.

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© Thomas Eichler

Von Marcus Scholz

Wenn Frau Holle über Löbau ihre Kissen ausschüttelt und es dann dicke Flocken vom Himmel schneit, schlägt die Stunde von Christian Schneider und seinem Team. Schneider ist Chef des städtischen Bauhofs und koordiniert, wann und wo mit schwerem Gefährt ausgerückt wird, um die Straßen Löbaus und seinen Ortsteilen vom Schnee zu befreien.

Dafür gibt es eine klare Strategie. Viele Löbauer, aber auch Durchreisende haben in den vergangenen Tagen jedoch zum Ausdruck gebracht, dass sie wenig von der Räumtaktik der Stadt halten. Sowohl per Post, die der SZ zugegangen ist, als auch im sozialen Netzwerk Facebook ist Löbaus Winterdienst kritisiert worden. Im Mittelpunkt der Kritik: glatte, unbearbeitete Straßen bis hin zu nicht beräumten Gehwegen.

Von den Unmutsäußerungen hat natürlich auch Christian Schneider Wind bekommen. Die Kritik erklärt er sich damit, dass die Leute solch winterliche Verhältnisse nach den zuletzt eher mauen Jahren in Sachen Schneefall nicht mehr gewohnt sind. „Nach ein paar Jahren ohne Schnee ist es dieses Jahr eben mal wieder so weit“, sagt der Bauhofchef. Für ihn aber noch lange kein Grund zur Panikmache. „Die Leute sollten etwas entspannter und vorausschauender werden“, sagt Schneider. Dann würden sie auch mit den winterlichen Bedingungen zurechtkommen.

Um die Straßen Löbaus schneefrei zu halten, ist der Bauhof mit vier Räumfahrzeugen im Einsatz. Insgesamt kümmern sich neun Angestellte um das Schneeschieben. Rund um Kittlitz seien zudem zwei Fremdfirmen im Einsatz, so Schneider. Doch mehr als arbeiten kann das Räumkommando nicht. „Wir können uns den Schnee doch nicht in die Tasche stecken“, sagt der Bauhofchef. Wann ausgerückt wird, ist nicht fest geregelt.

Schneider und seine Kollegen verlassen sich auf Erfahrungswerte und ein sogenanntes Wetterfax. Das geht regelmäßig beim Bauhof ein und gibt den Mitarbeitern Aufschluss über die zu erwartende Wetterlage.

Wenn die Schneepflüge auf die Straße gehen, werden zuerst Hauptstraßen, Busstrecken und Rettungswege beräumt. Erst danach sind Nebenstraßen an der Reihe. Doch das gestaltet sich oftmals schwierig. Diese Erfahrung müssen Schneider und sein Team regelmäßig machen. Als Beispiel nennt der erfahrene Winterdienstler den Stadtteil Löbau-Ost. „Dort parken die Autos alles zu, sodass der Schneepflug kaum durchkommt“, sagt er. Schafft es der Pflug dennoch und schiebt den Schnee von der Straße in Richtung der Autos, sei es auch wieder nicht richtig, so Schneider.

Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) kennt das Problem. Allen könne man es aber sowieso nicht recht machen, so das Stadtoberhaupt. Er habe schon seit einer Weile beobachtet, dass der Anspruch der Menschen gestiegen sei – auch in Sachen Winterdienst. Bei starkem Schneefall müsse die Straße für einige immer schwarz sein, so Buchholz. Dass das für den Winterdienst aber nicht zu leisten ist, würden nur wenige erkennen.

Schnee- und eisbedeckte Straßen ließen sich im Vergleich zu früher nämlich nicht mehr so einfach beräumen. „Das Verkehrsaufkommen hat zugenommen. Ehe das Streusalz wirkt, ist alles festgefahren“, sagt der Oberbürgermeister.

Für das Schneeschieben auf Gehwegen ist unterdessen nicht nur die Stadt allein verantwortlich. Auch Anlieger sind in der Pflicht, vor ihrem Haus für Ordnung zu sorgen, müssen beim Schippen aber Acht geben. „Viele Schmeißen den Schnee einfach auf die Straße und dann beschweren sich die Leute bei uns, dass wir nicht geräumt hätten“, sagt der Bauhofchef.

Hinweise aus der Bevölkerung nimmt das Räumkommando dennoch ernst. „Ruft jemand an, prüfen wir das natürlich und schauen, was wir machen können“, sagt Christian Schneider.