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Löbaus buntes Frühlings-Erwachen

14 000 Stiefmütterchen pflanzen die Stadtgärtner dieser Tage. Manche Blumen enden als Wurfgeschoss von Kindern.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

Löbau. Es gibt ein leuchtendes Indiz dafür, wann in Löbau offiziell Frühling befohlen ist: Wenn das Stadtwappen an der Weißenburger Straße mit bunten Blumen in den Löbauer Stadtfarben bepflanzt ist. Noch vor wenigen Tagen war hier nicht nur der metergroße heraldische Löwe weiß. Doch der letzte Schnee ist nunmehr gewichen. Hunderte gelber und roter Stiefmütterchen strahlen jetzt mit der Sonne um die Wette und sagen den Menschen: Willkommen im Frühling! Willkommen in Löbau!

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Mehrmals täglich müssen Torsten Michaelis und seine Männer in der Stadtgärtnerei am Ebersdorfer Weg bunte Pracht nachladen. In ganzen Regal-Batterien gestapelt warten da Stiefmütterchen darauf, Löbaus Grünflächen zu verschönern. Michaelis ist Leiter der Stadtgärtnerei und in diesen Tagen dafür verantwortlich, dass Löbau allerorten blüht. „Am 3. April haben wir mit der Frühjahrspflanzung angefangen“, sagt er und schätzt, dass sein Trupp damit noch bis zum nächsten Wochenende beschäftigt sein wird. Insgesamt 14 000 Stiefmütterchen werden Löbau dann schmücken.

Die zig Farben der Blumen tragen romantische Namen. „Abendglut“ heißt das tiefdunkle Rot, tiefblau dagegen schimmert der „Alpensee“. Goldgelb leuchtet das „Firnengold“ und dann ist da noch die weiße „Silberbraut“ – und viele Farben mehr. Aus Löbauer Zucht stammen die Stiefmütterchen schon lange nicht mehr – obwohl die vielen Gewächshäuser auf dem Gelände der Stadtgärtnerei das vermuten lassen. „Für eine Eigenzucht haben wir überhaupt nicht mehr die personellen Kapazitäten“, sagt Torsten Michaelis. Deshalb kaufe man die Blumen seit einigen Jahren an. Das sei günstiger, sagt Michaelis. Immerhin sind‘s Oberlausitzer Gewächse.

Die Stadtgärtner beginnen ihre Frühjahrspflanzung stets mit den rund 60 Blumenschalen, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. „Da sind schon gut 2 000 Stiefmütterchen drin“, schätzt Michaelis. Dann geht‘s an die zahlreichen Beete – das markanteste davon ist das Stadtwappen. „Wie nehmen aber viele weitere Bepflanzungen vor, etwa an der Teichpromenade, an der Poststraße oder im Rosengarten und im Friedenshain“, erklärt Michaelis. Und auf dem Gelände der Landesgartenschau bestücken seine Männer sieben Beete.

Bis zum letzten Jahr pflanzte die Stadtgärtnerei in jedem Frühjahr noch viel mehr Stiefmütterchen – rund 18 000. „Das Beet am Neumarkt fasste 4 000 Stück“, sagt Torsten Michaelis, „Zuletzt haben wir da zum Tag der Sachsen das Logo aus Blumen gestaltet.“ Wegen der Bauarbeiten für den Kreisverkehr ist dieses Beet aber dauerhaft weggefallen. „Künftig ist der Innenraum des 14 Meter großen Kreisverkehrs für eine Bepflanzung vorgesehen“, sagt Michaelis.

Was die Blumensorte betrifft, herrscht in Löbau eine gewisse Monokultur bei der Frühjahrspflanzung. „Wir pflanzen zu 95 Prozent Stiefmütterchen und wenige Vergissmeinnicht“, sagt Torsten Michaelis. Früher war mehr Vielfalt. Da blühten auf den städtischen Beeten im Frühling auch Tulpen und Hyazinthen. Diebstahl machte der Artenvielfalt in Löbaus Blumenbeeten den Garaus. „Die Blumen-Zwiebeln waren oft schon ausgegraben und gestohlen, bevor die Blumen ausgetrieben waren“, erinnert sich Michaelis.

Und auch die für diebische Blumenliebhaber weniger attraktiven Stiefmütterchen machen den Stadtgärtnern genug Arbeit. Einmal mit der Pflege, denn die Blumen sind durstig. „Wir brauchen jeden Tag rund 4 000 Liter zum Bewässern“, sagt Michaelis. Und dann ist da noch der Vandalismus. „Besonders am Rosengarten machen sich Kinder oder Jugendliche oft einen Spaß daraus, die Pflanzen mit dem Wurzelballen herauszureißen und sich gegenseitig damit zu bewerfen“, schildert Stadtgärtner Michaelis.

Ein langes Leben ist den Stiefmütterchen im Löbauer Stadtbild aber ohnehin nicht beschieden. „Nach den Eisheiligen im Mai beginnen wir mit der Sommerbepflanzung“, sagt Michaelis. Dann werden innerhalb weniger Wochen die Stiefmütterchen an allen Standorten durch andere Pflanzen ersetzt. „Bei der Sommerbepflanzung bringen wir besonders auf dem Gelände der Landesgartenschau auch immer Besonderheiten, zum Beispiel neue Pflanzentrends“, sagt Michaelis.