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Löbaus neuer Kuchen-Tempel

© Matthias Weber

Die Bäckerei Schwerdtner eröffnet ihr Stammhaus an der Breitscheidstraße. Es setzt neue Gastronomie-Maßstäbe.

Von Markus van Appeldorn

Löbau. Geschäfte anpacken, Neues planen, Investitionen wagen – all das geschieht bei Wicky Löffler vornehmlich aus dem Bauch heraus. Am Mittwochabend empfing der Inhaber der Bäckerei Schwerdtner 150 Gäste zur Eröffnung seines neuen Brot- und Kuchen-Tempels an der Breitscheidstraße. Freunde und Nachbarn des Unternehmers waren dabei. Und viele Menschen, die an der Entstehung mitgewirkt haben. Zur Begrüßung und Einweihung fand er launige Worte. „Ich habe mir überlegt, wie viele Kunden wir wohl mehr brauchen, damit sich der Bau in dieser Größe auszahlt“, sagte er. „Dann habe ich eine kurze betriebswirtschaftliche Rechnung gemacht“ – und klopft sich bei diesen Worten mit der Hand auf den Bauch. Wicky Löfflers Publikum lacht. „Nach 14 Tagen Probebetrieb habe ich gesehen: Wir haben richtig gerechnet“, zieht er Bilanz.

Schwertners neues Stammhaus in der Breitscheidstraße Löbau. © Matthias Weber
Die kleine Leokadia hat gleich die Kinder-Backstube entdeckt. © Markus van Appeldorn
Das neue Haus, als Laden, Café, Bistro und Restaurant konzipiert, setzt Gastronomie-Maßstäbe. © Matthias Weber

Unternehmer Löffler hat sich mit dem neuen Premium-Objekt direkt neben der Produktion einen langgehegten Wunsch erfüllt: Den nach einem richtigen Stammhaus. Etliche Jahre war nur ein winziger Bäckereiladen an die Produktion angeschlossen. Charmant, aber im Vergleich zu den vielen modernen Filialen des Unternehmens glanzlos. „Der alte Laden war ja nicht mehr so schön“, erklärt Betriebsleiter Michael Heidler, er war zu klein und viele Kunden wollten bei uns auch mal einen Kaffee trinken oder etwas frühstücken. Da reichte regelmäßig der Platz kaum aus.“ Außerdem wollte Schwerdtner am Produktionsstandort auch sein Angebot angemessen präsentieren.

Also gleich ganz groß gebaut. 150 Sitzplätze bietet das Haus auf zwei Etagen und einer Terrasse. Die offene Konstruktion flutet das ganze Lokal mit Licht. Unter der Treppe ist eine kleine Kinder-Bäckerei eingerichtet. Statt mit Bausteinen spielen die Kleinen hier mit Nachbildungen von Brötchen, bunten Donuts oder Blaubeerkuchen. Im Obergeschoss gibt es einen abgetrennten Saal für Seminare oder Feiern. „Den Raum haben wir im Probebetrieb schon mal vermietet“, erzählt Michael Heidler.

Vor allem stößt Schwerdtner mit dem Haus immer mehr vor in Richtung Gastronomie. „Wir wollten etwas Neues ausprobieren. Wir bereiten hier auch selbst Pizza, Nudelgerichte und Burger mit drei verschiedenen Brötchen zu“, sagt Betriebsleiter Heidler. Die Fleisch-Scheiben für die Burger beziehen sie von der Fleischerei auf der anderen Straßenseite. Der Laden ist so je nach Tageszeit Frühstücks-Café, Mittags-Bistro oder lädt auch zum Abendessen. „Am Abend bekommt der Raum richtigen Restaurant-Charakter. Freitags und am Sonnabend haben wir bis 22 Uhr geöffnet“, sagt Heidler.

1,2 Millionen Euro hat Schwerdtner in Bau und Einrichtung seines Löbauer Stammhauses investiert. Zwölf neue Arbeitsplätze sind entstanden. Allein vier Köche bereiten die Speisen zu. Das Objekt soll Pilot-Charakter haben. „Wir wollen schauen, wie wir dieses Konzept künftig auch in großen Filialen umsetzen können, zum Beispiel in Dresden“, sagt Betriebsleiter Michael Heidler. Das Imbiss-Segment sei in den Filialen in den letzten Jahren stark gewachsen. Besonders im Angebot frisch zubereiteter Pizza sieht Heidler eine Zukunft, die auch zum Handwerk passt. „Pizza hat ja auch was mit dem Bäcker zu tun“, sagt er .

Auch mit seinem Raumdesign setzt das neue Stammhaus Gastronomie-Maßstäbe für Löbau. An die Wände hat Wicky Löffler die Leitlinien seines Unternehmens schreiben lassen: „Mit Mut fangen die besten Geschichten an“, steht da etwa oder „Die Tat unterscheidet das Ziel vom Traum“. Und auch die Verbundenheit zur Heimat ließ er dokumentieren: „In einem Jahr verbrauchen wir 258 Tonnen Roggenmehl aus unserer Region.“ Zum Lachen ist auch eine Weisheit dabei: „Ein Leben ohne Kuchen ist möglich, aber sinnlos.“ Gastronomie-Erfahrung ist im Haus reichlich vorhanden. Zum Schwerdtner-Imperium gehören auch das in Görlitz populäre „Café Central“ an der Berliner Straße und das „Café am Marsbrunnen“ in Zittau.

In all diesen Cafés fallen große, antik wirkende Wanduhren besonders ins Auge. Auch zur Eröffnung bekam Wicky Löffler von einem seiner Gäste eine solche Uhr geschenkt. Ein kleiner Nostalgie-Tick vom Chef. „Ich lege Wert darauf, in den Cafés schöne Uhren zu haben. So wie es auch schon früher in den Caféhäusern war“, sagt Wicky Löffler. Diese Uhren sollen die Gäste nicht daran erinnern, gehetzt zu sein und dauernd auf die Uhr zu schauen, sondern genau das Gegenteil vermitteln. „Sie stehen symbolisch für ein Stückchen angenehm verbrachter Lebenszeit“, sagt Löffler. Zeichen der Zeit erkannt.