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Löbaus T 34 darf heimkehren

Das Militärhistorische Museum Dresden würde den Panzer rausrücken – mit Bedingungen.

© Militärhistorisches Museum

Von Markus van Appeldorn

Rost nagt an der Panzerung und der Kanone. Das Gummi der Ketten-Antriebsräder ist brüchig und porös. Und um die Hüftwanne rum hat er auch schon reichlich Moos angesetzt. Dieser T 34-Panzer hat seine letzte Schlacht gegen Wind und Wetter geschlagen. Einmal noch soll er fort. Nicht auf Feindfahrt, sondern für unbestimmte Zeit auf Heimaturlaub.

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Denn der T 34, der im Hof des Dresdner Militärhistorischen Museums steht, ist ein lange verschollener. Bis zum März 1991 thronte er auf einem Sockel auf dem Gelände der ehemaligen NVA-Offiziershochschule in Löbau. Damals, nach dem Ende des Kalten Krieges, schien das Monument vielen nicht mehr in die Landschaft zu passen. Doch durch eine Verwechslung entging der Löbauer Sockelpanzer dem Schneidbrenner. Danilo Baumgarten vom Löbauer Garnisonverein identifizierte das Dresdner Exponat vor kurzem anhand seiner Turmnummer als den Löbauer T 34 (SZ berichtete). Nun möchte er den Panzer gerne als Denkmal nach Löbau zurückholen.

Baumgarten pflegt mit seinem Verein die Löbauer Militärgeschichte: „Das Militär hat einen entscheidenden Anteil an der Geschichte Löbaus. Man kann 170 Jahre Militärgeschichte nicht einfach ausradieren.“ Er könne verstehen, dass man den Panzer 1991 vom Sockel geholt hat. „Aber das ist über 25 Jahre her. Die Zeit hat sich geändert“, sagt er. Der rege Zuspruch auf die Veröffentlichung der Panzerentdeckung auf der Facebook-Seite der SZ Löbau gibt Baumgarten recht. Viele Leser kommentierten den Beitrag mit Kindheits-Erinnerungen an den Panzer.

Das Museum selbst kannte bis zur Aufklärung durch Danilo Baumgarten gar nicht die korrekte Historie. „1991 kam der Panzer in die Nibelungenkaserne nach Regensburg“, teilt die Pressesprecherin des Museums, Hauptmann Cindy Geißler, auf Anfrage mit. Nachdem dort ein neuer Kommandeur kein Interesse mehr am Fahrzeug hatte, sei es dem Museum angeboten worden. Das Museum nahm den Panzer an – in der Annahme, es handele sich um den, der einst auf einem Sockel vor der Kaserne der Sowjetarmee in Dresden-Nickern stand. Dieser Panzer war 1991 in Löbau zwischengelagert. So kam‘s zur Verwechslung.

Da der regionalgeschichtliche Hintergrund nun weggefallen ist, würde das Museum den Panzer ohne Weiteres rausrücken. „Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr hat keine Einwände, den gewünschten Panzer T 34 dem Garnisonverein Löbau als Leihgabe zur Verfügung zu stellen“, ließ die Pressesprecherin wissen. Voraussetzung dafür sei allerdings die genaue historische Einbettung des Exponats anhand einer Beschriftung über Bedeutung und Hintergründe des Panzers. Dazu gehört auch eine Erklärung über die Herkunft. Der T 34 war zwar der Standard-Kampfpanzer der Sowjet-Armee im 2. Weltkrieg, das Löbauer Exponat entstammt aber polnischer Nachkriegsproduktion.

Und auch wenn sich mit dem rostigen T 34 kein Krieg mehr gewinnen ließe, unterliegt er dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Das heißt, der Garnisonverein müsste eine Demilitarisierungsbescheinigung vorlegen. Dafür will Danilo Baumgarten den Panzer erst genau in Augenschein nehmen. „Es gab damals schon verschiedene Methoden, diese Sockelpanzer funktionsuntüchtig zu machen“ sagt er. Nicht alle aber würden dem Kriegswaffenkontrollgesetz genügen. So habe die NVA damals etwa das Motoröl abgelassen und den Motor bis zum Kolbenfresser laufen lassen. in anderen Fällen sei der Motorraum ausbetoniert worden, vereinzelt aber auch bloß die Einspritzpumpe ausgebaut worden. Ebenso weiß Baumgarten nicht, ob die Kanone funktionsuntüchtig gemacht wurde.

Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos) steht der Rückkehr des Panzers wohlwollend gegenüber. „Wir begrüßen die Arbeit des Vereins, die Löbauer Geschichte aufzuarbeiten“, sagt er der SZ. Die Stadt werde von sich aus aber keine Initiative zur Heimholung des T 34 starten. Der Verein sei auch noch gar nicht an die Stadt herangetreten. Derweil ist Danilo Baumgarten noch auf der Suche nach einem idealen Standplatz für den Panzer. Der verwaiste Sockel im Kasernengelände liegt heute auf einem Privatgrundstück. Baumgarten wünscht sich als Standort das städtische Grundstück bei der Kaserne, auf dem früher das Thälmann-Denkmal stand.