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Löscheinsatz für Kupferberg-Rhododendren

Damit Großenhains grüne Lunge nicht austrocknet, hilft die Feuerwehr dieser Tage mit einem Tankfahrzeug beim Gießen.

© Andreas Weihs

Von Manfred Müller

Großenhain. Die Feuerwehr der Röderstadt löscht nicht nur Brände, sondern gelegentlich auch den Durst der Pflanzen in den städtischen Grünanlagen. Die allgegenwärtige Trockenheit fordert von den städtischen Brandschützern derzeit auch Einsätze dieser Art. Und so fährt zur Überraschung der Biergartengäste in der Kupferberggaststätte ein Tanklöschfahrzeug vor, Pumpe und Spritze werden fertiggemacht, und schon schießt ein armdicker Wasserstrahl in die Höhe. Sein Ziel ist kein Brandherd, sondern die Rhododendron-Pflanzung neben dem Ausflugslokal. Deshalb wird der Strahl auch nicht direkt auf sein Ziel gerichtet, sondern gen Himmel, wo er etwas zerstäubt und dann auf die Pflanzen herunter regnet. „Zuviel Wasserdruck würde die Pflanzen beschädigen“, sagt Martin Reichel.

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Lohn der getanen Arbeit: Ein wunderschöner Regenbogen, den alle Helfer bei solchen Einsätzen zu sehen bekommen.
Lohn der getanen Arbeit: Ein wunderschöner Regenbogen, den alle Helfer bei solchen Einsätzen zu sehen bekommen. © Andreas Weihs

Die Löschfahrzeug-Besatzung ist nicht in Einsatzbekleidung vor Ort, sondern in den orangefarbenen Overalls des Stadtbauhofes. Dort machen Martin Reichel, Frank Sicker und Jens Hanke tagsüber ihren Job. Gleichzeitig sind die drei ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Da bietet es sich an, auch mal hinauszufahren, wenn Pflanzen in Not sind. Der Feuerwehr-Tank fasst immerhin 4500 Liter – mehr als doppelt so viel wie die Multicar-Tankwagen, mit denen der Bauhof in den städtischen Grünanlagen unterwegs ist. Und das sind sie dieser Tage pausenlos, denn alle Pflanzen dursten extrem. Acht Stunden lang fahren zwei 1800-Liter-Wasserwagen durchs Stadtgebiet und alle ländlichen Ortsteile, um wenigstens die schlimmsten Folgen der Trockenheit abzuwenden. Immerhin können die Mitarbeiter des Stadtbauhofs das Wasser aus zwei ergiebigen kommunalen Brunnen schöpfen, bei denen es derzeit noch keine Probleme mit dem Wassernachschub gibt. Allerdings sind das mehr als 23 000 Liter, die täglich auf Großenhains Grünanlagen gegossen werden, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Es reicht gerade aus, um alle Sommerblumen und Kübel sowie neu gepflanzten Bäume, Sträucher, hin und wieder Staudenbeete zu gießen, mehr nicht“, erklärt Stadt-Sprecherin Diana Schulze. Alles andere sei nicht zu schaffen.

Bäumen werfen Borke ab

Um die Verdunstung zu verringern, haben viele Bäume und Sträucher bereits einen Teil des Laubes abgestoßen. Die Platanen im Stadtgebiet stoßen dieses Jahr wegen der extremen Wasserschwankungen massiv Borke ab, zu besichtigen zum Beispiel in der Pollmerallee. Das ist aber ein natürlicher Vorgang, bei dem die Bäume keinen langfristigen Schaden nehmen. Viele Sträucher und Bäume, wie etwa die neue Pflanzung Weberallee nahe der Bushaltestelle Lessingplatz, sehen ziemlich kärglich aus.

Da kommt die Unterstützung durch die Feuerwehr natürlich sehr gelegen. „Wir würden gern mehr Gießeinsätze fahren, aber durch die Feldbrände in der Umgebung kommen wir nicht dazu“, sagt Frank Sicker. Auch heute stehen die Brandschützer auf dem Sprung. Wenn sich der Alarm-Piepser meldet, würden sie sofort abbrechen und zum Ort des Geschehens düsen. Deshalb müssen auch drei Mann Besatzung auf dem Fahrzeug sein, wo doch zum Bedienen der Spritze einer ausreichen würde. Das macht die Sache etwas aufwendig und nicht immer händelbar. Dass die Großenhainer Feuerwehr beim Gießen der Grünanlagen zum Einsatz kommt, ist aber kein Novum. Bei extremer Trockenheit war das Tanklöschfahrzeug auch in den vergangenen Jahren im Einsatz.

Besonders wichtig ist das für die jungen Bäume, die vergangenen Herbst im Stadtpark gepflanzt wurden. Aber auch die Eichen im Waldaer Park zeigen bereits Anzeichen von Trockenstress. Hinzu kommt noch, dass durch den Bahnbau eine Reihe von älteren Bäumen versetzt werden musste, die dadurch besonders sensibel auf Trockenheit reagieren. Da braucht es erhebliche Wassermengen, die mit den Multicar-Tanks allein nicht zu bewältigen sind. Aber auch die alten Rhododendron-Bäume auf dem Kupferberg brauchen viel Wasser. „Wenn das längere Zeit ausbleibt, tragen sie nächstes Jahr keine Blüten“, erklärt Frank Sicker. Für dieses Mal ist es allerdings genug, und die Löschfahrzeug-Besatzung setzt ihre abendliche Tour fort. In den nächsten zwei Stunden sollen noch die Jungbäume am Steinbruch und die Pflanzung an der Faunhöhe eine Dusche mit der Feuerwehrspritze bekommen.