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Lößnitzdackel rast durch den Garten

Die Modellbahn von Andreas Rastig nimmt unterdessen fast den gesamten Garten ein. Damit sie ihre Runden ums Haus drehen kann, wurde unter der Einfahrt ein Tunnel gebuddelt. © Arvid Müller

Über 400 Meter Gleise hat Andreas Rastig verlegt. Eine spannende Fahrt durch den Vorgarten.

Weinböhla. Die Reise beginnt im Keller. Dort stehen alle Loks und Wagen. Andreas Rastig setzt sie auf die Schienen und ab geht es durch ein kleines Loch in der Wand nach draußen in den Garten, vorbei an Lokschuppen und Bahnhof, durch das Stellwerkgebäude direkt in die Miniaturwelt, die den etwa 800 Quadratmeter großen Garten an der Weingartenstraße fast komplett einnimmt. 

Wo andere Blumenbeete anlegen, haben Rastigs Schienen verlegt. Zwischen Lavendel, Heidesträuchern und Rhododendren tuckert die Modellbahn durch die Herbstlandschaft.

Vor 15 Jahren hat Andreas Rastig seinem Sohn Tom die erste Lok geschenkt. Mehr aus Eigennutz, damit der damals Dreijährige nicht mit seiner Modellbahn spielt. Das wäre für die kleinen Finger nichts gewesen. 

Die größere Modellbahn drehte dann ihre Runden anfangs im Haus. Vor zehn Jahren wurde sie ausgelagert. Seitdem wächst die Strecke jedes Jahr. Über 400 Meter Gleise hat er in seinem Garten verlegt, schätzt Andreas Rastig. Anfangs war die Gartenbahn noch einfach gestaltet. „Irgendwann wollten wir Brücken“, erzählt der 53-Jährige. Also wurde Erde aufgeschüttet. Und seit diesem Jahr gibt es sogar Tunnel.

Etwa fünf Minuten dauert die Reise des Lößnitzdackels durch den Garten. Eine spannende Fahrt für den Lokführer. Da brennt mal der Dachstuhl eines Fachwerkhauses, die Feuerwehr ist mit Großaufgebot vor Ort. Dann geht es vorbei an einer Mühle mit Bachlauf, links wird Richtfest gefeiert, rechts steht eine kleine Kapelle auf einem Hügel, über die Eisenbahnbrücke, vorbei an einer Burgruine, nähert sich der Zug dem neuen Höhepunkt der Strecke. 

Unter dem Fußweg, der zur Haustür führt, geht es durch. Kurz kann man Lok und Waggons noch einmal sehen, bevor sie unter der Einfahrt verschwinden. Am anderen Ende hat Andreas Rastig einen Wendel gebaut, in dem sich die Lok wieder nach oben arbeitet, um unter dem Zaun durch zum neu angelegten Endpunkt zu gelangen. Hier gleicht die Strecke noch einer Mondlandschaft. Links und rechts der Gleise sind die Böschungen mit Sandsteinen befestigt, aber es fehlen noch Pflanzen.

Die Landschaften, die Andreas Rastig und sein Sohn angelegt haben, sind frei erfunden. Die Loks sind geschrumpfte Nachbauten der sächsischen Schmalspurbahnen. Eine ist der Lößnitzdackel, die andere der Sachsenzug, der in Zittau unterwegs ist. Die Züge sind beleuchtet, mit Sound und können im Winter sogar den Schnee von den Gleisen schieben.

Die moderne Modellbahn wird nicht mehr mit Schalttrafo am Pult bedient. Die Digitalisierung hält auch hier Einzug. Mit einer Funksteuerung werden Loks und Weichen gesteuert. So kann man die Züge verfolgen. Es ist ein teures Hobby, das die Rastig-Männer sich ausgesucht haben. 

Genau ausgerechnet hat Andreas Rastig es nicht, was er in den vergangenen Jahren ausgegeben hat. „Hier lässt sich gut abschalten“, sagt der 53-Jährige. Die Bahn ist das Kontrastprogramm zum Büroalltag. „Man ist viel draußen.“ Und nie fertig. Platz für große Erweiterungen gibt es zwar nicht, gibt Andreas Rastig zu, aber zu tun hat er trotzdem immer genug.

Die Gartenbahn ist in Weinböhla schon bekannt. Regelmäßig laden Rastigs zu öffentlichen Fahrtagen ein. Zuletzt am ersten Advent. „Nächstes Jahr wollen wir wieder mehr fahren. Dieses Jahr wurde viel gebaut.“

Unterwegs gibt es viel zu entdecken. Wie zum Beispiel das brennende Haus und die Feuerwehrwagen mit Blaulicht.  © Arvid Müller
Nachdem es unter der Einfahrt durch ging, kommen die Züge über einen Wendel wieder hoch.  © Arvid Müller