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Lösung für die Lücke

Nach der Praktiker-Pleite hat Riesa wieder einen zweiten Baumarkt. Die Stadt bietet genug Platz für beide.

© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Vor einem guten halben Jahr wucherte noch das Gras auf dem ehemaligen Praktiker-Gelände am Neubauernweg in Riesa-Pausitz. Nun gehen wieder die Kunden auf dem Gelände ein und aus, seit vor knapp anderthalb Wochen Stabilo seinen Fachmarkt eröffnete. Mit dem Start ist das schwäbische Unternehmen zufrieden. Rund 3 000 Kunden besuchten den Markt allein an den ersten beiden Tagen, erklärt Stabilo-Sprecher Markus Wedde. „Für eine Eröffnung ist das wacker.“ Auch die insgesamt 18 Mitarbeiter des Marktes dürfte es freuen. Rund die Hälfte von ihnen hat eine Vergangenheit bei Praktiker. Zur feierlichen Eröffnung des Marktes ließ das Unternehmen durchblicken, dass möglicherweise noch weitere Mitarbeiter eingestellt werden – je nachdem, wie gut der Markt angenommen werde.

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Mancher Riesaer hatte sich den neuen Markt regelrecht herbeigesehnt. „Es wurde Zeit für Konkurrenz“, schrieb zuletzt ein Nutzer auf dem Facebook-Auftritt der SZ – und war damit nicht allein. Zur feierlichen Eröffnung betonten auch einige Stadträte, ein zweiter Baumarkt neben toom im Riesapark sei eine gute Sache.

Dem kann auch Lars Fiehler von der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) nur beipflichten. Und das nicht nur, weil Stabilo noch einmal ein ganz neuer Anbieter ist, der sich bisher im Landkreis Meißen noch nicht angesiedelt hatte. In erster Linie verweist der IHK-Sprecher auf die reinen Zahlen: Bei Baumarktsortimenten verfüge Riesa über eine Verkaufsfläche von 0,23 Quadratmetern pro Einwohner. Meißen habe beispielsweise die doppelte Fläche.

„Hier scheint also Luft nach oben“, schlussfolgert Fiehler. Insbesondere, weil die statistisch zur Verfügung stehende Kaufkraft in Riesa und Meißen nahezu gleich groß ist: „Danach stehen jedem Riesaer 460 Euro im Jahr für diese Sortimente zur Verfügung, jedem Meißner im Vergleich 461 Euro. Das heißt im Umkehrschluss, in Meißen hat sich bisher die gleiche Kaufkraft pro Kopf auf zwei Baumärkte mit zusammen rund 13 600 Quadratmeter Fläche verteilt, wie in Riesa auf einen einzigen Anbieter mit rund 7 400 Quadratmeter.“ Zusätzlich dürften die Märkte in Riesa laut Fiehler eine gewisse Sogwirkung haben, weil beispielsweise Großenhain aktuell nicht über einen größeren Baumarkt verfüge.

Dass zwei Anbieter dieses Segments grundsätzlich zu viel sein könnten oder gar einer der beiden Märkte in Schieflage kommen könnte, glaubt Fiehler deshalb nicht. Der neue Stabilo sollte mit Blick auf die Zahlen „in Riesa durchaus auskömmlich wirtschaften können“, so der IHK-Sprecher. Letztlich sei allerdings nicht allein die Kaufkraft entscheidend, betont er. Auch qualitative Faktoren spielten demnach eine Rolle. „Gerade die Differenzierung über Produkte und Preise ist bei Baumärkten häufig nicht so leicht, weswegen man auch nicht selten in der Nähe eines eher hochpreisigen Anbieters einen aus dem Discountsegment findet.“

Am Ende laufe es auf das bekannte Sprichwort hinaus: Konkurrenz belebt das Geschäft. „Der bereits vorhandene Anbieter muss sich und seine Leistungen und Produkte auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls verbessern. Und derjenige, der sich künftig ein Stück vom Kuchen abschneiden möchte, muss schauen, wie er sich von den Platzhirschen abheben kann, um Kunden zu gewinnen.“ In beiden Fällen würden die Kunden vom Wettbewerb profitieren, sagt der IHK-Sprecher.

Zum gleichen Schluss kommt auch Andree Schittko, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Innenstadt. Es sei gut, dass die Kunden jetzt Preise vergleichen könnten, ohne dafür weit fahren zu müssen. Schittko erwartet noch einen weiteren Effekt: Mit einem zweiten Markt könnte Riesa für Einkäufer aus dem Umland attraktiver werden – einfach, weil das Angebot größer wird.