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Lösung für die Obere Schleuse

Nach langem Gezerre übernimmt der Freistaat das Ausbaggern des Stausees. Die Kahnfahrt ist damit gesichert.

© Unger

Von Dirk Schulze

Sächsische Schweiz. Pünktlich zum Saisonstart gibt es zwei gute Nachrichten von der Oberen Schleuse in Hinterhermsdorf zu verkünden. Punkt eins: Das letzte Eis in der kalten Klamm ist geschmolzen, ab Kartfreitag können die Kähne also wie geplant über die angestaute Kirnitzsch gondeln. Punkt zwei – und wesentlich bedeutsamer: Der Freistaat Sachsen hat sich bereit erklärt, die Beräumung der Sedimente in dem Gewässer zu übernehmen. Eine jahrelange Hängepartie kommt damit zu einem Ende.

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Die Entscheidung fiel bereits am vergangenen Freitag in einer Sitzung im sächsischen Umweltministerium, wie die Stadt Sebnitz mitteilt. Auf deren Einberufung hatte die Stadt seit Monaten gedrängt. Dass die Obere Schleuse entschlammt werden muss, ist seit mehr als drei Jahren bekannt. Die Kirnitzsch schwemmt permanent Sand und Erde an, die sich als Sedimenten am Grund des Stausees ablagern. Die Fahrrinne für die Kähne wird dadurch immer schmaler, im Einstiegsbereich ist das Wasser nur noch knapp einen Meter tief. Die herkömmliche Variante – einmal im Jahr den Schieber ziehen und kräftig durchspülen – funktioniert nicht mehr. Aus Naturschutzgründen darf das Wasser nur behutsam abgelassen werden, um das sensible Ökosystem im Unterlauf der Kirnitzsch nicht zu gefährden.

Der Schlick muss also per Bagger raus. Das zumindest war das Ergebnis einer 54 000 Euro teuren Studie, die Sebnitz mit Fördermitteln des Freistaats erstellen ließ. Die Empfehlung der Ingenieure: Spezielle Amphibienfahrzeuge sollten das Material heben, Radlader und Lkws den Schlamm abtransportieren. Von 322 Kubikmetern war die Rede. Kostenpunkt für die Aktion: 156 000 Euro. Das günstigere Umpumpen der Sedimente an eine tiefere Stelle wurde nicht empfohlen – es hätte das Problem im Wortsinne nur verlagert.

Doch das seit 2016 vorliegende Konzept wurde mangels Genehmigungen nicht umgesetzt. Es entspann sich ein Gerangel zwischen Naturschutz, Fischereibehörde und Landestalsperrenverwaltung, die alle über die Einhaltung ihrer Vorschriften an der Kirnitzsch wachen – die Kahnfahrt befindet sich mitten in der Kernzone des Nationalparks. Schließlich schaltete sich auch noch die Verwaltung des Nationalparks Böhmische Schweiz ein, denn eine Hälfte des Gewässers liegt auf tschechischem Staatsgebiet.

Die Stadt Sebnitzer verwies schließlich darauf, dass sie nur Pächter des Geländes ist. Der Eigentümer – der Freistaat Sachsen – möge sich doch bitte selbst um die Instandhaltung kümmern. Schließlich seien alle zustimmungspflichtigen Behörden dem Umweltministerium unterstellt. Diese Ansage hatte Erfolg. Der Freistaat werde sowohl die Organisation als auch die Finanzierung der Sedimentberäumung übernehmen, erklärt Sebnitz’ Oberbürgermeister Mike Ruckh (CDU). Die Aktion soll nach Ende der Saison 2018 über die Bühne gehen. In welchem Umfang und mit welcher Technologie der Schlamm aus der Klamm geholt wird, entscheidet nun das Umweltministerium. Die Beamten der Abteilung Wasser, Boden, Wertstoffe haben sich auch schon Gedanken über eine nachhaltige Bewirtschaftung gemacht. Oberhalb des Zuflusses soll ein Rückhalt installiert werden, der das Einschwemmen von Sedimenten reduziert. Zusätzlich ist eine Änderung am Abfluss im Gespräch, sodass künftig weniger Sand hinterm Wehr hängen bleibt.