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Löws neue Vision

Der Bundestrainer will, dass Deutschland Weltmeister wird, aber nicht nur im Fußball.

© Reuters

Von Nicolas Reimer

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Die Weltmeister als „Fußball spielende Außenminister“, die Nationalmannschaft als Vorbild für Integration und Gegner von Gewalt und Fremdenfeindlichkeit: Bundestrainer Joachim Löw hat in einer bemerkenswerten Rede die politische und gesellschaftliche Verantwortung seiner Profis herausgestellt. „Wir müssen mit unserer Popularität diese Werte und Ziele verfolgen“, forderte der 54-Jährige, der mit dem Deutschen Medienpreis ausgezeichnet wurde.

„Wir können und wollen den Menschen mit unserem Fußball viel Freude bereiten“, sagte Löw in seiner frei gehaltenen zwölfminütigen Dankesrede in Baden-Baden, „aber wir sollten das nicht nur auf dem Spielfeld tun. Wir sollten auch mit aller Überzeugung Werte vertreten wie Integration – gegen Rassismus und Antisemitismus, gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit.“ Die Mannschaft sei in ihrer multikulturellen Zusammensetzung ein Vorbild. „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt, nicht seine Herkunft“, betonte Löw: „Es gibt tolle Menschen in allen Kulturen und Religionen. Alle können hervorragend miteinander auskommen, wenn sie sich gegenseitig respektieren und die ausgemachten Regeln einhalten.“

Offenbar auch mit Blick auf die Pegida-Demonstrationen und die Diskussionen um eine angebliche Islamisierung fragte Löw: „Wie schön wäre es, wenn Deutschland irgendwann auch Weltmeister des friedlichen und freundlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Kulturen und Religionen wäre?“ Der Bundestrainer, der die Nationalmannschaft im vorigen Sommer in Brasilien zum WM-Titel geführt hatte, erinnerte auch an die internationalen Krisenherde. „2012 haben wir noch in der Ukraine gespielt“, sagte er mit Blick auf die letzte EM, „das Stadion von Donezk ist völlig zerstört, die Stadt im Kriegszustand.“ Und das neue Jahr habe „mit einem Terroranschlag in dem Land begonnen, in dem die nächste EM stattfindet – in Paris“.

Löw betonte die politische und gesellschaftliche Verantwortung der Nationalspieler und erklärte mit Blick auf ihr Verhalten bei den WM-Turnieren 2010 in Südafrika und 2014: „Wir können stolz sein auf unsere Fußball spielenden Außenminister.“ Löw hatte den Preis erhalten, weil „sein Führungsstil und seine Spielphilosophie die Nationalelf in der ganzen Welt zu einem herausragenden Botschafter eines modernen, weltoffenen und sympathischen Deutschlands gemacht“ haben, so die Begründung der Jury aus Chefredakteuren mehrerer Zeitungen und Zeitschriften.

Darüber hinaus sei die Arbeit des Welttrainers geprägt durch eine über Jahre hinweg verfolgte „Vision einer Mannschaft, in der Spitzensportler mit ganz unterschiedlichem Hintergrund, Erfahrung und Persönlichkeit sich mit Stolz zusammenfügen, um für Deutschland spielen zu dürfen“, hieß es in der Begründung der Jury. Löw habe „mit einer gelassen wirkenden Unbeirrbarkeit seinen Kurs auch im medialen Wechselbad von Lobeshymnen und Abgesängen zielstrebig verfolgt“. (sid)

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