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Erziehermangel zieht Lohmen runter

Bei den Kitas schneidet Lohmen im Familienkompass schlecht ab. Dabei ist das Personalproblem mittlerweile entschärft, sagt die Gemeinde.

Hort in Lohmen: 2019 musste die Gemeinde hier die Betreuungszeiten kürzen.
Hort in Lohmen: 2019 musste die Gemeinde hier die Betreuungszeiten kürzen. © Daniel Schäfer

Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen, in denen die Trägerschaft der Kindertagesstätten an Wohlfahrtsverbände wie das Deutsche Rote Kreuz oder den Arbeiter-Samariter-Bund vergeben ist, betreibt die Gemeinde Lohmen alle ihre Kindereinrichtungen selbst. Das sei von Beginn an eine bewusste Entscheidung gewesen, erklärt Bürgermeister Jörg Mildner (CDU). 

Dementsprechend muss die Gemeinde auch auftretende Probleme selbst lösen. Zuletzt war das ein akuter Mangel an Erziehern. Drei Erzieherinnen hatten im vergangene Jahr innerhalb einer kurzen Zeitspanne gekündigt, drei weitere waren langzeitkrank. Das hatte Folgen. Zu Beginn des Schuljahres 2019/20 mussten wegen des Personalmangels die Öffnungszeiten in der Kindertagesstätte und im Hort zusammengestrichen werden. Das stellte vor allem Eltern, die täglich einen längeren Arbeitsweg bewältigen müssen, vor Probleme. 

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Die prekäre Situation schlägt sich in den Ergebnissen des Familienkompasses nieder, der sachsenweiten Umfrage von Sächsischer Zeitung, Freier Presse und Leipziger Volkszeitung. In der Kategorie Kinderbetreuung kassiert die Gemeinde Lohmen hier durchweg unterdurchschnittliche Noten. 

Die Ergebnisse für Lohmen im Familienkompass

Foto: Familienkompass Sachsen
Foto: Familienkompass Sachsen © Familienkompass Sachsen
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Foto: Familienkompass Sachsen © Familienkompass Sachsen
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Foto: Familienkompass Sachsen © Familienkompass Sachsen
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Foto: Familienkompass Sachsen © Familienkompass Sachsen
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Foto: Familienkompass Sachsen © Familienkompass Sachsen

Besonders schlecht fällt das Urteil der Befragungsteilnehmer bei den Kitaöffnungszeiten aus. Hier erhält Lohmen eine 3,98 auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5. Ähnlich schlecht wird mit 3,82 die Personalausstattung den Einrichtungen bewertet. Bei der Frage nach der Wunsch-Kita landet die Gemeinde (2,53) noch knapp unter dem Durchschnitt (2,25). 

Nachdem der Mangel an Erziehern 2019 besonders akut war, habe sich die Situation inzwischen entschärft, sagt Bürgermeister Jörg Mildner: "Wir sind auf einem guten Weg." Die Elternratsinitiativen haben dazu beigetragen. Zeitweise wurde in Lohmen mit Flyern und Plakaten am Straßenrand um Erzieher geworben. Der Erziehermangel sei dabei ein generelles Problem in Sachsen, sagt Bürgermeister Mildner. Der Freistaat habe hier zu spät gegengesteuert. 

Lohmen plant Bauplätze für 60 Familien

Aktuell liegt die Auslastung in den Kindereinrichtungen jenseits der 90 Prozent. "Jede Familie, die nach Lohmen zieht, bekommt auch einen Kita-Platz", sagt Jörg Mildner. Schon vor zwei Jahren hat die Gemeinde festgelegt, dass nur noch Kinder aus der eigenen Kommune aufgenommen werden. Schon zuvor wurde die Kindertagesstätte  "Storchennest" um eine Außenstelle erweitert. In dieser Außenstelle "Zugvögel", im Gebäudekomplex der Grundschule, werden 60 Kinder im Vorschulalter betreut.  

Auch in Zukunft werde es in Lohmen genügend Kita-Plätze geben, sagt der Bürgermeister. Die Gemeinde setzt auf Zuzug. In den kommenden Jahren sollen zwei neue Baugebiete mit insgesamt 60 Grundstücken für Eigenheime erschlossen werden. Auf der ersten Fläche gegenüber des Sportplatzes könnte es schon 2021 losgehen. Im Anschluss soll ein zweites Baugebiet auf dem ehemaligen Firmengelände von Lomatech gegenüber des Bahnhofs folgen.

Medizinische Versorgung in Lohmen gut bewertet

Überdurchschnittlich gut schneidet Lohmen im Bereich der medizinischen Versorgung ab. Es gibt sowohl genügend Hausärzte, als auch genügend Kinderärzte, sagen die Eltern, die sich am Familienkompass Sachsen beteiligt haben. Tatsächlich verfügt die vergleichsweise kleine Gemeinde mit ihren etwas über 3.000 Einwohnern über eine hohe Medizinerdichte. Drei Allgemeinarztpraxen gibt es in Lohmen, darunter eine Gemeinschaftspraxis mit zwei niedergelassenen Ärzten, also insgesamt vier.  

Für junge Familien besonders wichtig: Es gibt eine Kinderarztpraxis direkt im Ort. Kinderärztin Barbara Luger kümmert sich in Lohmen schon seit Jahrzehnten um die kleinen Patienten. Um die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, müssen Eltern mit ihren Knirpsen also nicht weit fahren. Gerade im ländlichen Raum ist das heute eher die Ausnahme. Kinderärzte gibt es in der Sächsischen Schweiz außer in Lohmen nur noch in den Städten Stolpen, Neustadt, Sebnitz, Pirna und Heidenau.

Im Wettbewerb um neue Einwohner, die alle Gemeinden aufgrund der allgemeinen Überalterung der Bevölkerung brauchen, ist eine Kinderarztpraxis ein Standortvorteil. In Sebnitz beispielsweise gab es vor einigen Jahren die Befürchtung, dass sich für eine Praxis keine Nachfolge finde würde. Nach einigen Monaten ohne Kinderärztin in der Stadt fand sich schließlich eine Nachfolgerin, welche die Praxis nun führt. Für die Eltern in der Umgebung hätte es andernfalls lange Fahrtwege bedeutet.  

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