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So lief der Gerichtstermin an der Lochmühle

Hat Bauherr Hermann Häse zu früh im Liebethaler Grund betoniert? Darüber muss das Amtsgericht urteilen. An seinen Hotel-Plänen hält der Investor fest.

Verhandlungstermin an der Lochmühle: Richter Jürgen Uhlig (Mitte) mit Investor Hermann Häse (rechts) und dessen Anwalt Torsten Steglich.
Verhandlungstermin an der Lochmühle: Richter Jürgen Uhlig (Mitte) mit Investor Hermann Häse (rechts) und dessen Anwalt Torsten Steglich. © Dirk Schulze

Beinahe wäre der Verhandlungstermin vorbei gewesen, bevor er begonnen hatte. "Ich kann das auch einfach nach Aktenlage entscheiden", sagte Richter Jürgen Uhlig und drohte damit, wieder abzufahren, wenn nicht Ruhe einkehrt. Investor Hermann Häse hatte sich da gerade etwas in Rage geredet beim Versuch, den anwesenden Journalisten den Hergang des ganzen Dramas zu erklären. Einen als Zeugen geladenen Vertreter der Landesdirektion bezichtigte er währenddessen, die Unwahrheit zu sagen, was dieser strikt von sich wies, was wiederum Häse nur noch mehr aufbrachte.

Nachdem sich die Emotionen gelegt hatten, ging es vom Treffpunkt an der Richard-Wagner-Straße in Mühlsdorf hinunter in den Liebethaler Grund. Hermann Häse, mit seinen 80 Jahren nicht mehr ganz so gut zu Fuß, fuhr mit dem Auto den steilen Pflasterweg hinunter zur Lochmühle. Richter, Rechtsanwalt und Journalistentross trotteten hinterher.

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Amtsrichter Jürgen Uhlig hat den Ortstermin an der Lochmühle angesetzt, um sich selbst ein Bild der Dimensionen zu machen, wie er erklärte. Investor und Wagner-Fanatiker Häse versucht hier seit sieben Jahren, seine Vision eines "Hotels Walhall-Lochmühle" umzusetzen und der komplett verfallenen alten Mühle neues Leben einzuhauchen. Die Lochmühle soll wieder Gasthaus werden und Pilgerstätte für Wagnerianer. Richard Wagner hatte hier 1846 Teile seines "Lohengrin" komponiert.

Lochmühle liegt im Landschaftsschutzgebiet

Von Anfang an kämpft Hermann Häse mit wackeligen Sandsteinfelsen, maroden Trockenmauern - und mit den Behörden, denn der Liebethaler Grund liegt im Landschaftsschutzgebiet, einem Naturschutzgebiet der zweithöchsten Kategorie, und da hat die auch hier zuständige Nationalparkverwaltung ein strenges Auge drauf. Jeglicher Eingriff muss vorher genehmigt werden.

Es könne nicht jeder einfach so drauflos bauen, erklärt Johann Hinrich Focken von der Landesdirektion Sachsen, die das alles überwacht. Der Sachgebietsleiter für Naturschutz sieht seine Behörde oft zu Unrecht als Verhinderer an den Pranger gestellt, dabei würden etwa 75 Prozent der Anträge genehmigt. Dem Lochmühlen-Investor Häse hat die Landesdirektion zuletzt ein Bußgeld von 3.250 Euro aufgebrummt, dagegen zog Häse vor Gericht.

Der geplante Biergarten: Häse hat die Fläche beräumt und befestigt, zuvor war sie komplett von abgestürzten Felsen verschüttet. Die Betonplatte rechts bedeckt den alten Mühlgraben.
Der geplante Biergarten: Häse hat die Fläche beräumt und befestigt, zuvor war sie komplett von abgestürzten Felsen verschüttet. Die Betonplatte rechts bedeckt den alten Mühlgraben. © Karl-Ludwig Oberthuer

"Ich wäre nie so dumm, einen Schwarzbau zu machen", sagt Häse und verweist auf seine zwei Hochschulabschlüsse und darauf, dass er lesen kann. Konkret geht es in dem Gerichtsverfahren um eine Bodenplatte aus Beton, eine Steinmauer und das Freilegen des Sandsteinfelsens oberhalb der Mühle. Die Baugenehmigungen dafür hätten vorgelegen, argumentieren der Investor und sein Rechtsanwalt, sogar die Bescheide für Fördermittel vom Staat. Dementsprechend hätte der Bauherr losgelegt.

Nur fehlte laut der Landesdirektion wohl die naturschutzrechtliche Erlaubnis. Richter Jürgen Uhlig wird nun bewerten müssen, welche Genehmigung wann, von wem, wofür erteilt wurde und ob Hermann Häse zu früh gebaut hat und wie schwer das wiegt. Sein Urteil wird der Richter Mitte Oktober sprechen, dann wieder in Robe in einem Sitzungssaal des Amtsgerichts.

Standort des Hotels hat sich geändert

Häses Pläne für die Lochmühle stehen dadurch nicht grundsätzlich infrage. Auf der strittigen Betonplatte, mit der er den alten Mühlgraben abgedeckt hat, soll der traditionelle Biergarten wieder neu entstehen. Bevor Häse hier anfing, zu räumen, war die Fläche komplett mit heruntergebrochenen Steinen verschüttet und die Holzbohlen über dem Mühlgraben marode.

So soll es werden: Die sanierte Lochmühle mit dem Biergarten (hinten rechts). Ein Aufzug führt nach oben, der geplante Hotel-Neubau wird etwas abseits auf dem freien Feld errichtet.
So soll es werden: Die sanierte Lochmühle mit dem Biergarten (hinten rechts). Ein Aufzug führt nach oben, der geplante Hotel-Neubau wird etwas abseits auf dem freien Feld errichtet. © Visualisierung: Hermann Häse

Das geplante Hotel mit 70 Betten will Häse laut aktuellem Stand und auf Empfehlung der Behörden nicht mehr auf dem Felsen direkt oberhalb der Lochmühle, sondern ein paar Meter weiter auf freiem Feld errichten. Dafür ist es leichter, eine Genehmigung zu bekommen. Der fragliche Fels am Hang des Liebethaler Grunds muss zunächst gesichert werden, ein riesiger Block droht sonst im schlimmsten Falle abzurutschen.

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Die geschätzt 400.000 Euro teure Felssicherung wird die erste Aufgabe, sobald alle Genehmigungen vorliegen. Für die Sanierung des Mühlenkomplexes mit Torhaus unten im Grund hat der Investor drei Millionen Euro kalkuliert, für den Hotel-Neubau oben auf der Fläche weitere fünf Millionen.

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Häse geht aktuell davon aus, dass er im kommenden Jahr Baurecht erlangen wird, die Kommunen Lohmen und Pirna stünden hinter dem Projekt. Für einen gültigen Bebauungsplan müssen allerdings etliche weitere Behörden zustimmen. Danach sei mit zwei bis drei Jahren Bauzeit zu rechnen. Hermann Häse lässt sich nicht beirren. "Meinen 85. Geburtstag feiere ich garantiert in der Lochmühle", sagt der heute 80-Jährige.

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