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Parken in Lohmen: Ohne Handy droht Knöllchen

Lohmen führt Parkgebühren auf seinen Wanderparkplätzen ein. Bezahlt werden kann nur per Smartphone. Wer keins hat, hat Pech.

Von Dirk Schulze
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Wanderparkplatz Mühlsdorf bei Lohmen: Hier sollen Autofahrer jetzt zahlen - ausschließlich per App.
Wanderparkplatz Mühlsdorf bei Lohmen: Hier sollen Autofahrer jetzt zahlen - ausschließlich per App. © Karl-Ludwig Oberthür

Parktickets lösen per Handy - das klingt modern und komfortabel, und das ist es in der Regel auch. Anstatt nach dem passenden Kleingeld für den Automaten zu kramen, tippt man kurz auf sein Mobiltelefon, und die Gebühren sind bezahlt. Falls der Ausflug länger dauert, lässt sich die Parkzeit bequem von unterwegs verlängern.

Das Digitalzeitalter hält nun auch in Lohmen in der Sächsischen Schweiz Einzug. "Autofahrer in Lohmen können ihre Parkscheine ab sofort mit dem Smartphone lösen", heißt es in einer Pressemitteilung, die die Gemeinde schon am 1. Oktober verschickt hat. Der digitale Parkschein habe zahlreiche Vorteile, wird darin erklärt, man könne damit bargeldlos und völlig kontaktlos bezahlen.

Was so explizit allerdings nicht in der Ankündigung steht: Mit dem neuen Handyparken führt Lohmen auf mehreren Wanderparkplätzen überhaupt erst Gebühren ein. Konkret geht es um den Wanderparkplatz in Mühlsdorf, den an der Daubemühle sowie den Parkplatz Wesenitztal/Lohmener Klamm - einen kleinen Schotterplatz an der Straße nach Porschdorf -, wie Ordnungsamtsleiter Björn Schwedes auf Nachfrage erklärt. Dort konnten Besucher ihr Auto bislang kostenlos abstellen, jetzt werden Gebühren fällig.

Parkgebühren, aber keine Parkscheinautomaten

Bezahlt werden sollen die neuen Parkgebühren per Smartphone - und zwar ausschließlich per Smartphone. Herkömmliche Parkscheinautomaten gibt es auf den genannten Wanderparkplätzen nicht. Wer dort also sein Auto abstellen möchte, der braucht ein Mobiltelefon mit der passenden App.

Und wenn man kein Smartphone hat? "Dann kann man sich dort nicht hinstellen", sagt Bürgermeister Jörg Mildner (CDU). Oder man riskiere ein Knöllchen. Laut dem Bürgermeister zielt die Maßnahme vor allem auf Wohnmobile, die auf diesen Plätzen für eine Nacht legal stehen dürfen. Und die Wohnmobilisten besäßen auf jeden Fall Mobiltelefone, ohne einschlägige Apps würden sie die abgelegenen Parkplätze sonst gar nicht finden. Auch für den Caravan-Stellplatz an der Alten Schäferei in Lohmen gilt das neue Bezahlkonzept.

Wanderparkplätze am Liebethaler Grund

Die Maßnahme trifft allerdings alle Gäste. Auch Ausflügler, die von Mühlsdorf oder der Daubemühle aus eine Wanderung durch den Liebethaler Grund zur Lochmühle oder dem Richard-Wagner-Denkmal unternehmen wollen oder vom Parkplatz Wesenitztal/Lohmener Klamm zum alten Wasserkraftwerk Niezelgrund.

Ob gerade ältere Wanderfreunde alle ein Smartphone besitzen? Und wenn ja, können sie die benötigte App installieren?

Ursprünglich war angedacht, in der Ortsmitte von Lohmen einen zentralen Parkscheinautomaten zu installieren, an dem dann auch Tickets für die umliegenden Wanderparkplätze gezogen werden können. An dieser Idee gebe es aber mittlerweile Zweifel, erklärt Bürgermeister Jörg Mildner. Denn dann müssten die Besucher, die naturgemäß zuerst auf dem Parkplatz angekommen, ja noch einmal zurück fahren zum Automaten und dann wieder zum Parkplatz.

Offizielle Beschilderung fehlt

Generell wirkt das Konzept nicht ganz durchdacht. Zum verkündeten Start Anfang Oktober war noch auf keinem der Parkplätze ein Hinweis auf die neuen Gebühren zu entdecken. Mittlerweile hängen zwar grüne Schilder des App-Anbieters Parkster, mit dem Lohmen für die Bewirtschaftung kooperiert. Die sehen aber aus wie Werbetafeln und enthalten außerdem den missverständlichen Satz "Keine zusätzlichen Gebühren".

Dass überhaupt Parkgebühren anfallen und wie hoch diese sind, ist nirgends ersichtlich. Ein offizielles Verkehrszeichen "gebührenpflichtig" fehlt komplett. Da wolle man noch nachbessern, erklärt Bürgermeister Mildner. Die fehlenden Schilder würden "in Kürze" installiert. Die Gebührenordnung gelte jedoch schon jetzt, sagt Mildner. "Und wir kontrollieren auch."

Handyparken bald auch an der Bastei

Der Gemeinderat hat die Einführung der neuen Parkgebühren schon zum 1. Juli dieses Jahres beschlossen. Drei Stunden kosten 2 Euro pro Pkw, das Tagesticket 4 Euro. Für Wohnmobile gibt es eine Übernachtung auf dem Parkplatz für 6 Euro. Die App Parkster ist kostenfrei auf Google Play und im App Store von Apple erhältlich. Zum Parken müssen Autofahrer ihr Kennzeichen und die Parkdauer eingeben. Bezahlt wird auf Rechnung oder per Kreditkarte.

Noch im November soll das Handyparken auf dem Bastei-Parkplatz möglich werden, allerdings nur an Tagen mit weniger Besucheraufkommen, an denen die Schrankenanlage nicht in Betrieb ist.