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Lommatzscher Stadtbad im Angebot

Der Preis steht ebenso wenig fest, wie ein potenzieller Käufer. Der Badverein lehnt dankend ab.

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© Claudia Hübschmann

Von Jürgen Müller

Lommatzsch. Das Terence-Hill-Freibad soll verkauft werden. Schnäppchenjäger können sich umgehend bei der Stadtverwaltung melden. Allerdings steht der Preis noch nicht fest. Vor zwei Jahren hatte das Gelände samt Bad und Gebäuden drauf rund eine halbe Million Euro Buchwert im Haushalt. Doch jetzt soll ein Wertgutachten angefertigt werden. Was das wert ist, wird sich zeigen, denn offenbar soll trotz Gutachtens nicht zum Verkehrswert verkauft werden, sondern zu einem „möglichst günstigen Preis“. So steht es jedenfalls in einem Stadtratsbeschluss, der von der CDU-Fraktion eingebracht und vom Stadtrat mehrheitlich beschlossen wurde.

Der Käufer, der das Bad dann auch betreiben soll, kann sich über einen Zuschuss von 12 000 Euro freuen. Im Jahr. Genauer gesagt im Jahr 2016. Ob es danach noch Geld gibt, steht noch nicht fest. Und auch die 12 000 Euro für 2016 werden nicht komplett ausgezahlt. Die Kosten für das Wertgutachten gehen davon weg.

Ein heißer Kandidat für den Kauf des besagten Geländes könnte der Badverein Lommatzsch sein. Doch der hat schon mal dankend abgelehnt. „Dieser Beschluss hilft unserem Verein kein Stück weiter. Wir haben zwar Geld beziehungsweise Zusagen für die Reparatur und das Betreiben des Bades, nicht jedoch für einen Kauf“, sagt Peter Kirsten, der im Verein für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Einzig vorstellbar wäre für ihn ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro. Das scheint aber aussichtslos und ist offenbar auch rechtlich nicht möglich. Denn dadurch hätte die Stadt mit einem Schlag ein Haushaltsloch von 500 000 Euro, sagt Christine Gallasch, Stadträtin und Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler Lommatzsch.

Diese hatten einen eigenen, wenn auch nicht neuen Antrag eingebracht. Der Verein möchte das Bad mieten, reparieren und betreiben. Da der CDU-Vorschlag jedoch eine Mehrheit fand, hatte sich der Antrag der Freien Wähler erledigt. „Niemand kauft das Bad für eine halbe Million Euro. Wenn es die Stadt verkaufen will, muss sie noch was dazugeben“, sagt Christine Gallasch. Sie sieht in dem Beschluss eine weitere Hinhaltetaktik der Stadt. „Ein Mietvertrag ist laut Stadtverwaltung wegen der finanziellen Risiken nicht möglich, ein Kauf durch den Badverein geht aber auch nicht. So bleibt alles, wie es ist, das Bad verfällt weiter“, sagt sie.

Von Hinhaltetaktik will Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) nichts wissen. Sie bestätigt Gallaschs Darstellung, dass die Sache mit dem Fördergeld noch geklärt werden muss. Probleme sieht Maaß kaum. „Mit einem Verkauf ist die Auflage verbunden, das Bad weiterhin als Bad zu betreiben. Die Zweckbindung für die Fördermittel bleibt also erhalten“, so Anita Maaß. In die Sanierung des Bades sind 2,7 Millionen Mark Fördergeld gesteckt worden, Parkplatz, Rutsche und Duschen hatten noch einmal 1,3 Millionen Mark gekostet.

Im Januar wolle der Badverein mit seinen 50 Mitgliedern beraten, was möglich sei. Doch die meisten Lommatzscher scheinen sich mit dem geschlossenen Freibad offenbar abgefunden zu haben. Peter Kirsten jedenfalls hat auf Luftbildern vom Stadtgebiet deutlich mehr als 100 private Swimmingpools gezählt.