merken

Ludwig hat viel Geld verloren

Einen angeblich neuen Boom im deutschen Radsport kann der einstige Friedensfahrt-Held aus Gera heute nicht erkennen.

© Nordphoto/Engler

Von Andreas Zellmer

Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Olaf Ludwig ist bescheiden geworden. Der letzte Teamchef von Jan Ullrich, zu aktiven Zeiten als Friedensfahrt- und Olympiasieger 1988 umjubelter Star in der DDR, danach als Profi dreifacher Etappensieger und Gewinner des Grünen Trikots bei der Tour de France, lebt wieder in Gera. Sein Brot verdient der 57 Jahre alte Familienvater als Organisator von Rad-Reisen nach Bulgarien („mit Vollpension“) und der Veranstaltung von Jedermann-Rennen auf Rügen und in Winterberg. Beim Berliner Sechstagerennen war er zum Auftakt beim Einlage-Wettbewerb „Rennen der Legenden“ am Start – und blickt zurück.

„Ich habe viel Geld verloren“, sagte Ludwig im Rückblick auf seine kurze Zeit als Manager an den Schalthebeln des T-Mobile-Teams. Konkreter will er nicht werden. Im Jahr 2006 hatte er die alleinige Team-Führung übernommen, nachdem er zuvor als „Lehrling“ an der Seite des Belgiers Walter Godefroot gearbeitet hatte.

Nach wenigen Monaten als Alleinverantwortlicher zog sich der Bonner Konzern nach den Doping-Skandalen um den einzigen deutschen Toursieger und damals schwer gehypten Superstar Ullrich zurück. Doping und miese Presse in Verbindung mit einem börsennotierten Unternehmen: Das ging gar nicht. Auch Ludwig blieb nicht nur mit dem gesamten Wagenpark eines Profiteams irgendwie auf der Strecke.

Die aktuell erfolgreichen deutschen Profis der Nach-Ullrich-Ära verbunden mit den Namen Marcel Kittel, John Degenkolb, Tony Martin und André Greipel lobt Ludwig ausdrücklich. Aber vom viel beschriebenen „neuen deutschen Rad-Boom“ sieht er nichts. „Das ist doch alles nur an der Oberfläche. Die Nachwuchs-Strukturen fehlen. Viele Rennen in Deutschland, bei denen sich die Nachwuchs-Fahrer profilieren konnten, gibt es nicht mehr“, sagte er. Auch der von vielen erfolgreichen einheimischen Profis als Beweis für gelungene Resozialisierung nach dunklen Doping-Jahren gewertete Start der Tour de France im vergangenen Juli in Düsseldorf sieht der Weltcup-Gewinner von 1992 skeptisch.

„Dass Jan Ullrich als einziger deutscher Toursieger dabei abseits stehen musste und sich die Offiziellen für eine offizielle Einladung zu schade waren, ist ein Skandal“, meinte Ludwig, der bei seiner Verpflichtung ins Telekom-Team als Radprofi 1993 zu den ersten Großverdienern gehörte.

Wegen der Verstrickung in den Fuentes-Doping-Skandal war Ullrich 2006 auf Geheiß der Konzernleitung unmittelbar vor dem Tourstart in Straßburg suspendiert worden. Firmen-Entscheidung, Ludwig wurde nicht groß gefragt. Ullrich hat nach seiner Sperre durch den Internationalen Sportgerichtshof Cas bis heute widersprüchlich Stellung zu seinen Verfehlungen bezogen. (dpa)