Merken

Lücken auf dem Markt

SZ-Tester Peter Braukmann sieht beim neuen Grünmarkt noch Ausbaubedarf. Zutaten fürs Mittag hat er nur teilweise bekommen.

Teilen
Folgen
NEU!
© Claudia Hübschmann

Meißen. Sonnabend am Morgen. Das Telefon klingelt und eine Leserin der SZ ist am Apparat. Sie hat meinen Artikel über das ungarische Restaurant im Winzerhof Golk gelesen und gibt mir eine höchst interessante Information. Die wichtigen Zutaten für ein echtes ungarisches Gulasch, Paprikacreme oder Knoblauchcreme, kann man in Meißen im Supermarkt Norma neben der Manufaktur kaufen. Da hat mir die liebe Frau Junghans einen guten Dienst erwiesen, denn das wusste ich nicht. „Na also“, sagt meine Frau, „dann koche mal heute ein schönes Gulasch, mit frischem Spargel, und die Zutaten holen wir auf dem neuen Grünmarkt auf dem Kleinmarkt.“ Den Grünmarkt gibt es nach Angaben des Veranstalters jeden zweiten Samstag. Heute ist kein zweiter Samstag im Monat, aber meine Frau klärt mich auf, dass eigentlich gemeint ist, der Markt findet vierzehntägig statt. Aha.

Es regnet in Strömen. Der Kleinmarkt ist gut ausgelastet mit Verkaufswagen, Zeltdächern und ganz tapferen Anbietern, die ungeschützt dem Wetter trotzen. Ich erkenne einige Geschäftsleute, die auch ein Geschäft gleich um die Ecke in Meißen betreiben. Wir finden einen Stand, an dem es frisch gemahlenen Kaffee und Quarkkeulchen nach eigenem Rezept gibt. Lecker.

In dem Zelt, unter dem es eigentlich Kräuter zu kaufen geben soll, gibt es kaum Kräuter aber Platz genug, sich vor dem Regen zu schützen. Daneben stehen ein Anbieter mit Wild, ein Käsewagen, Fischwagen, ein paar Gemüsestände mit recht übersichtlicher Auswahl, Blumen und, hurra, ein Broilerwagen. Wir erwerben frischen Spargel, der aus der Region kommen soll, und rote Prinzesskartoffeln aus Radebeul. Da es keinen Fleischer gibt – außer dem Wildstand, – werde ich wohl auf ein Rinderfilet in meiner Tiefkühltruhe zurückgreifen müssen. Wir kaufen noch eine Tüte mit frischen Champignons.

Noch sehr entwicklungsbedürftig

Um es gleich zu sagen, der Spargel, die Kartoffeln und die Champignons schmecken hervorragend. Dennoch, der vom Stadtmarketing mit großen Tönen ausgelobte Grünmarkt ist, mit Verlaub gesagt, noch sehr entwicklungsbedürftig.

Wie man weiß, gibt es jede Woche am Donnerstag im Stadtteil Cölln einen Wochenmarkt, der alle Ansprüche erfüllt. Dort gibt es z.B. einen ungemein gut sortierten Käsestand, Fleischangebot aus der Region, diverse Gemüsestände, in denen das Angebot mit Herkunftsschildern versehen ist, und vieles mehr.

Eine nur oberflächliche Recherche im Internet zeigt sehr klar, wie sich andere Städte Gedanken machen, ihren Grünmarkt zum Beispiel durch die Gestaltung der Stände optisch in das Gesamtbild der Stadt einzufügen. Daneben gibt es Konzepte zum Angebot: Produkte, die ausschließlich aus heimischer Produktion stammen. Produkte, die dem Trend der Slow-Food-Bewegung gerecht werden, international geprägte Märkte und so weiter. Nur wenig davon finde ich auf dem neuen Grünmarkt in Meißen. Nicht möglich ist es, einen kompletten Einkauf gemäß meines Einkaufszettels zu tätigen.

Ach du liebes Meißen, zieh doch bitte mal eine Sache richtig durch. Wie sehr würde ich mir wünschen, dass dieser Grünmarkt so geplant und durchgeführt wird, dass er tatsächlich einen Alleinstellungscharakter bekommt, der über unsere Stadtgrenze hinaus ausstrahlt. Doch mit dem auf dem Grünmarkt gesichteten Broilerwagen kommt in mir die Vision hoch, dass ich dort auch demnächst einen Billigklamottenstand finden kann. Liebe Stadt, bitte tue mir das nicht an.