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Lügenmuseum will ins Triebischtal ziehen

Die Gemeinde Klipphausen berät jetzt mit Radebeuler Künstlern über Details.

© Thomas Kube

Von Dieter Hanke

Rothschönberg. Eine neue Attraktion im Triebischtal könnte bald Wirklichkeit werden. „Das Radebeuler Lügenmuseum ist ernsthaft daran interessiert, in das Rothschönberger Schloss zu ziehen. Auch mehrere Künstler wollen dort ihre Wirkungsstätte haben“, sagt Klipphausens Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) jetzt auf SZ-Nachfrage. In Kürze wollen sich der Bürgermeister und Gemeinderäte mit den Radebeuler Künstlern und Handwerkern in dieser Schlossanlage aus dem 15. Jahrhundert treffen, um über die Nutzung der einzelnen Räume zu sprechen.

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Der Bürgermeister: „Es ist im Gespräch, dass sich die Radebeuler vorerst im Schloss einmieten.“ Möglich sei auch, dass sie eine Option auf den späteren Kauf des Schlosses erhalten. Die Rothschönberger Vierseitanlage, die einer der ältesten sächsischen Adelssitze war, gehört der Gemeinde Klipphausen. Die Kommune will wieder Leben in das Schloss bringen. Seit mehreren Jahren steht das Anwesen weitgehend leer da. Nur der Heimatverein Rothschönberg hat dort seinen Sitz und Ausstellungsräume. Diese sollen bleiben, wie der Bürgermeister sagt.

Der Betreiber des Lügenmuseums Richard von Gigantikow alias Reinhard Zabka und weitere Mitstreiter des Museumschefs hatten in der März-Sitzung des Klipphausener Gemeinderates ihr Konzept vorgestellt. Die Räte zeigten sich interessiert an dem Projekt. Eine Arbeitsgruppe wurde gebildet, die mit den Radebeuler Interessenten das Vorhaben prüft. Vor einigen Tagen hatten sich die Beteiligten zu einer ersten Zusammenkunft getroffen.

Hintergrund ist, dass das Radebeuler Lügenmuseum nach einer anderen Bleibe sucht. Denn der Serkowitzer Gasthof in Radebeul, wo Zabka seit September 2012 sein Museum mit den skurrilen Exponaten hat, soll von der Stadt verkauft werden. Der Radebeuler Stadtrat hat darüber noch nicht entschieden, wie SZ jetzt von der Stadtverwaltung erfuhr.

125.000 Euro will Radebeul für den historischen Gasthof haben. Zwei Angebote liegen ihr vor. Eins von Reinhard Zabka, das andere von der Firma Ventar Immobilien AG aus Böblingen (Baden-Württemberg), die bereits in Radebeul mehrere Gebäude saniert und dort Wohnungen eingerichtet hat. Da es ungewiss ist, ob der Lügenmuseums-Chef den Zuschlag für den Gasthof bekommt, hielt er schon mal Ausschau nach einem anderen Domizil.

Zu dem geplanten Umzug nach Rothschönberg wollte sich Zapka noch nicht in der Öffentlichkeit äußern. „Erst mal soll die Sache mit dem Serkowitzer Gasthof entschieden sein“, sagte er jetzt der SZ. Doch er ließ durchblicken, dass das Rothschönberger Schloss vielfältige Möglichkeiten für ein abwechslungsreiches Kulturleben biete. Wie er die Klipphausener Gemeinderäte informierte, soll unter anderem zu Lügenbällen, Schlossführungen, Weihnachts-, Kunst- und Herbstmärkten eingeladen werden. Auch soll das Schloss ein Künstlerhaus werden mit Ateliers, Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen. Ein Café ist ebenfalls in der historischen Vierseitanlage geplant.

Im Mittelpunkt soll das Lügenmuseum stehen. In Radebeul hatten sich seit der Eröffnung im September 2012 bisher über 7.000 Besucher die sonderbaren Exponate angeschaut, so auch van Goghs abgeschnittenes Ohr oder das Loch in Mozarts Zauberflöte. Das ungewöhnliche Museum, das überregional bekannt ist, wirkt wie eine Schatzkiste. Auch der Originalton der Titanic ist zu hören.

Die Gemeinde Klipphausen steht dem Wechsel der Radebeuler nach Rothschönberg aufgeschlossen gegenüber. „Wir wollen aber nichts überstürzen und das Projekt gründlich auf seine Machbarkeit prüfen“, sagt der Bürgermeister.