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Lufthansa-Piloten wollen streiken

Die Osterferien seien jedoch tabu. Noch. Lenkt die Lufthansa aber nicht ein, wird es chaotisch für Reisende.

Von Rolf Obertreis

Bei der Lufthansa und ihrer Tochtergesellschaft Germanwings drohen schon in der nächsten Woche Streiks. Die rund 5.400 Piloten der Lufthansa, von Lufthansa Cargo und Germanwings haben sich in der Urabstimmung mit rund 98 Prozent für einen Ausstand ausgesprochen. Hintergrund sind die seit zwei Jahren laufenden Tarifverhandlungen, die keine Annäherung gebracht haben.

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„Das ist ein eindeutiges Signal der Piloten. Die Lufthansa muss sich ab sofort auf einen Arbeitskampf einstellen. Befristet und unbefristet“, sagte Ilona Ritter im Vorstand der Pilotenvereinigung Cockpit (VC). Man werde einen Streik aber mindestens 48 Stunden vorher ankündigen, damit sich die Fluggäste darauf einstellen könnten. Die Osterferien, die je nach Bundesland am 3. April beginnen und spätestens am 2. Mai enden, sollen vom Ausstand ausgeklammert werden.

Die Lufthansa signalisierte am Freitag Gesprächsbereitschaft. Sie sehe eine gute Chance für eine Einigung bei Vergütung wie auch bei der strittigen Übergangsversorgung. Auch künftig solle den Piloten ein vorzeitiges von der Lufthansa finanziertes Ausscheiden aus dem Berufsleben möglich sein, betonte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens am Freitag. Sie ist überzeugt davon, dass ein Streik abgewendet werden kann. Die Tür für Verhandlungen sei offen, heißt es bei der Lufthansa.  

Alle werden leiden

Das sieht man bei VC noch anders. Sollte die Lufthansa nicht innerhalb der nächsten Tage auf die Streikandrohung reagieren und auf ihrem „nicht akzeptablen“ Angebot beharren, will VC auch die Osterferien und -Feiertage nicht von Streiks ausnehmen. Sie können, lassen Ritter und VC-Verhandlungsführer Thomas von Sturm durchblicken, alle deutschen von Lufthansa und Germanwings genutzten Flughäfen betreffen und sich auf Kurz- und Langstrecken-Flüge beziehen. Man wolle die Folgen für die Kunden aber begrenzen. „Die Auswirkungen für die Fluggäste liegen uns am Herzen. Aber sie werden sicher nicht begeistert sein, wenn wir ihre Reisepläne durchkreuzen.“

Sturm und Ritter zufolge gibt es für die Piloten in der derzeitigen Lage keine Alternative zum Streik, nachdem man sich in zehn Verhandlungsrunden mit der Lufthansa seit Frühjahr 2012 nicht nähergekommen ist. Zum letzten Mal saßen beide Seiten im Dezember an einem Tisch. VC fordert einen Gehaltsaufschlag von knapp zehn Prozent und beklagt einen Reallohnverlust der Piloten in den vergangenen zehn Jahren. „Wir haben nicht einmal einen Inflationsausgleich erhalten“, sagt Sturm. Flugbegleiter und das Bodenpersonal hätten in den vergangenen Jahren regelmäßig eine Erhöhung erhalten.

Zurzeit liegt das Einstiegsgehalt der Piloten mit allen Zuschlägen bei 78.000 Euro pro Jahr, in der Spitze sind es 260.000. Der Fokus der VC-Forderung liegt auf der Übergangsversorgung der Piloten, die ab 55 in den Ruhestand gehen können. Sie soll zumindest auf dem bisherigen Niveau festgeschrieben werden. Im Durchschnitt erhalten die Piloten je nach Berufsjahren und Betriebszugehörigkeit 50 Prozent des letzten Gehalts.  Lufthansa bietet bislang je nach Unternehmenserfolg für 2012 bis 2015 Einmalzahlungen und ab 2016 einen Tarifaufschlag von drei Prozent.

Zudem verweist das Unternehmen darauf, dass die Piloten jedes Jahr ohnehin auf den bestehenden Tarif eine sogenannte Struktur-Gehaltserhöhung von drei Prozent erhalten. Die Übergangsversorgung für die Piloten ist nach Ansicht der Lufthansa in der derzeitigen Form nicht mehr zu finanzieren.