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Lufthansa spart sich in neue Gewinnhöhen

2.500 Aktionen hat sich die Airline ausgedacht, um wieder auf Kurs zu kommen.

Von Christian Ebner und Steffen Weyer

Beim Sparen kennt Lufthansa-Chef Christoph Franz keine Sentimentalitäten. Als er das Ende des historischen Konzernsitzes in Köln verkündete, musste auch dem letzten Lufthanseaten klar werden, dass es diesmal ans Eingemachte geht. Mit „Score“, dem umfangreichsten Sparprogramm in der Geschichte der Lufthansa, soll das Jahresergebnis bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden. Das ist kein dünnes Brett: 2012 blieben von 30 Milliarden Euro Umsatz operativ gerade mal 524 Millionen Euro hängen.

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„Es gibt nicht die eine Maßnahme, nicht die ’silver bullet‘, die alle Probleme löst. Wir müssen an einer Vielzahl von Stellschrauben drehen“, schilderte Franz die Ausgangsposition. 2 500 Einzelvorschläge haben die Lufthanseaten seit dem Score-Start vor einem Jahr erarbeitet. Nicht alle sind neu, aber das ist egal, solange sie in der Gewinn- und Verlustrechnung tatsächlich wirksam werden. Im fünften Stock des Lufthansa-Aviation-Centers am Frankfurter Flughafen laufen die Sparfäden bei den Managern Josef Bogdanski und Jörg Beißel zusammen. Nichts kostet Fluggesellschaften so viel wie Kerosin. 7,4 Milliarden Euro gab die Lufthansa 2012 für Sprit aus. Kein Kostenblock des Konzerns wächst so stark wie die Treibstoffkosten: in den vergangenen zehn Jahren waren es 19 Prozent pro Jahr. Moderne Flugzeuge verbrauchen weniger Kerosin. Doch Franz sagt: „Sparsame Flugzeuge kaufen kann jeder.“ Er will Lösungen, „mit denen wir wirklich einen Vorsprung vor der Konkurrenz haben“.

Mitarbeiter haben einen A340-Langstreckenjet komplett ausgeladen: Was war da Überflüssiges an Bord? Weniger Gewicht bedeutet weniger Verbrauch und geringere Kosten. Das Team stellte Taschenlampen, Magazine, Kissen und Bordunterlagen auf die Waage – fast vier Tonnen lose Gegenstände. Im Extremfall könnte künftig jeder zehnte davon von Bord fliegen. In einem anderen Projekt geht es um die Qualität der Triebwerksreinigung, denn saubere Turbinen sind sparsamer. Und wenn man die Wetterlage auf der Reise immer wieder überprüft, kann der Pilot Route und Flugtempo wiederholt anpassen – mit Blick auf den Spritverbrauch.

Einfacher ist manchmal besser – und vor allem billiger. Dem Prinzip von Billigfliegern wie Ryanair kann sich auch die Lufthansa nicht verschließen. Ab Mitte des Jahres übernimmt die Billigtochter Germanwings alle Europastrecken, die nicht über die Drehkreuze Frankfurt und München führen. 200 Millionen Euro soll dieser Schritt jährlich einsparen. Die Mitarbeiter bekommen weniger Geld als ihre Kollegen, die unter dem Kranichlogo fliegen. Essen und Trinken an Bord der künftig 90 Germanwings-Maschinen kosten künftig extra. Auch in der Kabine finden die Experten noch zahlreiche Einsparmöglichkeiten. So haben die Jets der verschiedenen Konzern-Airlines bislang noch ganz unterschiedliche Sitze, Unterhaltungssysteme oder Küchen. Da jeder Extra-Wunsch bei der Flugzeugbestellung extra kostet, ist bei Lufthansa, Austrian, Swiss und Brussels Airlines nun Vereinheitlichung angesagt. Neben dem Preisvorteil bei größeren Bestellungen soll so auch die Wartung vereinfacht und damit kostengünstiger werden.

In den vielen kleineren Abteilungen abseits der Fliegerei vermuten die Spar-Manager und ihre externen Berater weiteres Potenzial. So werden die Gebäudeverwaltung zentralisiert und nebeneinander bestehende Vertriebsbüros zusammengefasst. An den Flughäfen Wien, Zürich, Frankfurt, München oder Brüssel übernimmt der jeweilige „Home-Carrier“ die Verantwortung und erledigt nach dem Heimatmarkt-Prinzip sämtliche Aufgaben für die anderen Airlines. Der schwierigste Part bei dem Sparkurs sind die harten Personalentscheidungen. Mindestens 3 500 von derzeit 117 000 Stellen will Lufthansa abbauen, 2 500 davon in Deutschland. Während den einzelnen Menschen der Abschied mit Abfindungen versüßt werden soll, regt sich an den von der Schließung bedrohten Standorten grundsätzlicher Widerstand der Gewerkschaften.

Das Sparen ist Franz zufolge vor allem notwendig, um die Investitionen in die Flotte leisten zu können und auf dem Markt zu bestehen. Für die nächsten zwölf Jahre hat der Konzern 236 Flugzeuge mit einem Gesamtlistenpreis von 22 Milliarden Euro bestellt. In dieser Woche gab der Aufsichtsrat grünes Licht für 108 dieser Maschinen. (dpa)